Brexit-Angst: So steht es um die Banken im Königreich

Britische Banken würden nach dem jüngsten Stresstest der Notenbank einen harten Brexit überstehen. Im Detail aber ist Skepsis angebracht. (Foto: Delpixel / Shutterstock.com)

Nachdem sich Großbritannien im zähen Ringen mit der EU um den Ablauf des Brexit in die Sackgasse manövriert hatte, geht es endlich ans Eingemachte: Man könne nun in Verhandlungen über die künftigen Beziehungen eintreten, hieß es in Brüssel.

Wie sie ausgehen und ob die Hardliner in London den Verlauf bestimmen werden, ist dennoch offen. Die Mehrheit der Briten jedenfalls würde das Referendum gerne rückgängig machen. Und der Wirtschaft bringt der Ausstieg fast nur Nachteile.

Derweil sehen britische Banken ihre Felle davon schwimmen. Der Finanzplatz London dünnt sich aus und nicht nur internationale Häuser ziehen aufs Festland. Allein die jüngst beschlossene Verlegung der europäischen Bankenaufsicht nach Paris war ein herber Schlag. Mit ihr verabschieden sich 170 Mitarbeiter. Die Notenbank stellt sich zudem auf bis zu 75.000 Arbeitsplätze ein, die bei britischen Banken und Versicherungen wegfallen.

Über den erwarteten Geschäftsrückgang wird sich auch die Regierung nicht freuen. Schließlich hat die Finanzbranche im vergangenen Budgetjahr Steuern in Rekordhöhe gezahlt. Die umgerechnet  insgesamt 80,9 Mrd. € werden künftig wohl nicht mehr erreicht. Hinzu kommen vermutlich weitere Ausfälle, wenn die Folgen des Brexit so richtig auf die Wirtschaft durchschlagen.

Britische Banken laut Notenbank krisenfest

Trotz der düsteren Aussichten haben kürzlich die Aktien britischer Banken plötzlich etwas Schub bekommen. Anlass: Die Notenbank Bank of England (BoE) hat die Geldhäuser einem Stresstest unterzogen und die Ergebnisse veröffentlicht. Auf den Punkt gebracht: Die Banken würden einen harten Brexit überleben. Grund: Ihre Kapitalbasis habe sich derart erhöht, dass sie drei Mal so stark seien wie vor zehn Jahren. Kreditausfälle seien nicht zu befürchten.

Ein bemerkenswertes Ergebnis schon deshalb, weil diesmal keine Einzelzeugnisse vergeben wurden.  Erst beim letztjährigen Stresstest war die seit der Finanzkrise zu 71% verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) durchgefallen. Auch Barcleys erhielt eine Mahnung. Da sie bereits begonnen hatten, ihre Kapitaldecke aufzupolstern, wurde es bei dem Rüffel belassen. Die RBS hatte unter anderem ihre US-Tochter US Citizens verkauft.

Dieser Punkt wurde beim diesjährigen Test erneut berücksichtigt, obwohl die RBS nach eigenen Angaben ihr individuelles Ziel verfehlt hat. Auch Standard Charter hat die Mindestanforderungen der BoE aktuell nicht erfüllt, will aber mit einer Kapitalerhöhung nachbessern.

Mehr als das Großbritannien-Geschäft – wie der Brexit um sich greiftBrexit-Verlierer sind nicht nur Banken, Airlines und Autohersteller. Die Liste wird immer länger. Alles hängt an den Ausstiegsverhandlungen. › mehr lesen

Endlich wieder Dividenden?

Beim Stressszenario wurde angenommen, dass die britische Wirtschaft um 4,7 % und die Weltwirtschaft um 2,4 % einbricht, die Arbeitslosenrate auf 9,5 % steigt und die Zinsen auf 4 % anziehen – bei gleichzeitigem Verfall der Immobilienpreise um ein Drittel und einer Pfundabwertung um ein Viertel. Insgesamt wurde ein Verlust von 50 Mrd. Pfund unterstellt.

Allerdings wurde ein Aspekt etwas beschönigt: die Leveraged Ratio, die den Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme darstellt, erreicht auf Basis der verwendeten Daten von Ende 2016 nicht die Mindestmarke von 3 %. Doch die BoE unterstellte, dass die Banken ihre Zusagen erfüllen würden.

Wichtig ist der Stresstest gerade für Banken die das grüne Licht der Notenbank brauchen, um endlich wieder Dividenden ausschütten zu können oder um sie zu erhöhen. Ausgefallen waren sie bislang bei der RBS und Standard Chartered. Und Barclays zahlte dieses Jahr nur 0,03 Britische Pfund nach zuvor 0,07 Pfund.

Royal Bank of Scotland mit Silberstreif am Horizont

Erhöhen konnte Llloyds Bank, auf jetzt 0,04 Pfund. Die Nummer eins HSBC schüttet 0,42 Pfund aus – bei einer Dividendenrendite von 6,4 %. Bezüglich der Gewinnprognosen aber sind die Analysten im Schnitt nur bei der Lloyds Bank positiv gestimmt.

Sie konnte schon 2016 ihren Gewinn um 283 % steigern. Barclays dürfte Schwierigkeiten haben, den Gewinn erneut ums Sechsfache zu steigern. Bei HSBC indes knickte er um fast 80 % ein. Standard Chartered wiederum konnte zumindest seinen Verlust auf Minus 183 Mio. Pfund verringern. Und bei RBS war nach 2015 das erneute Minus mit 5,26 Mrd. Pfund doppelt so tief ausgefallen. Das laufende Jahr aber könnte erstmals wieder mit einem Gewinn abschließen.

Die Sorgenbank macht Fortschritte, muss aber sparen und knapp 260 Filialen schließen. Standard Chartered ist derzeit auf gutem Wege, doch bei steigenden Kosten schmilzt die Kapitaldecke. Das wiederum passt nicht so recht zum Stresstest. Derweil will die Bank in Frankfurt eine Europazentrale aufbauen, um auch nach dem Brexit ihre europäische Kundschaft bedienen zu können.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.