Britisches Pfund und Brexit: Ein Drama wie bei Shakespeare

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Zusehends nagt der drohende Brexit am Britischen Pfund. Großbritannien allein ist mittlerweile zu unbedeutend für ein nachhaltiges Comeback. (Foto: Zoltan Gabor / Shutterstock.com)

Schon von Gesetzes wegen müssen Investmentfonds ihre Anleger über Risiken aufklären und aktiv deren Vermögen schützen. Zum Beispiel, wenn davon auszugehen ist, dass das Britische Pfund beim Brexit ins Bodenlose stürzt. So hat unlängst Somerset Capital Investment aus Großbritannien einen neuen Ableger nach Irland verlegt, was dessen Kunden eine Verlagerung von Anlagegeld in die EU ermöglicht.

Selbst Brexiteers bringen Geld in Sicherheit

Der neue Fonds in Dublin warnt in seinem Anlageprospekt ausdrücklich vor „erheblichen Unsicherheiten Großbritanniens gegenüber der EU und anderen Drittländern“, mit dem Zusatz, dass bei einem harten Brexit durch ein geschwächtes Britisches Pfund „die Gewinne gedrückt“ würden. Die Sache ist schon deshalb spannend, weil der Mitbegründer des Fonds ausgerechnet Jacob Rees-Mogg heißt. Der Brexiteer ist einer der vehementesten Hardliner unter den Abgeordneten im Parlament und hat bei der jüngsten Vertrauensabstimmung natürlich gegen Theresa May gestimmt.

Das Misstrauensvotum hat sie zwar knapp überstanden und die Abstimmung über den Brexit wurde auf Januar verschoben, doch das Britische Pfund gibt gegenüber dem Euro weiter nach. Rees-Mogg gießt Öl ins Feuer, verkündet öffentlich Großbritanniens unerschütterliche Stärke, öffnet aber gleichzeitig seinem Fonds die Fluchttür nach Dublin. Widersprüchlich wäre eine milde Beschreibung dieses Verhaltens. Es zeigt auf jeden Fall, dass der Top-Tory Politiker selbst mit dem Schlimmsten rechnet – mit ausgelöst durch seinen kompromisslosen Kurs. Viele sprechen von Heuchelei. Das Drehbuch könnte von Shakespeare stammen.

Parität mit Euro in Sicht

Längst wurde mehrfach vorgerechnet, dass die versprochene Brexit-Dividende wegen eingesparter EU-Beiträge durch Nachteile wie entfallende Förderungen, Grenzkontrollen und Zugangsbeschränkungen zum Binnenmarkt mehr als aufgefressen wird. Womit nur ein paar Stolpersteine genannt wärden. Der Fachwelt war dies von Anbeginn klar. Entsprechend war das Britische Pfund nach dem Brexitvotum 2016 bis zum Oktober auf 1,11 Euro gefallen. Zwölf Monate zuvor hatte es noch 1,42 Euro gebracht.

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Den Tiefpunkt erreichte es im Sommer 2017, als das Pfund fast auf Parität mit dem Euro lag. Danach pendelte es bis letzten November um die Marke von 1,13 Euro, getragen von der Hoffnung auf das Modell einer einstweiligen Zollunion. Allein schon um eine geschlossene Grenze zu Irland zu vermeiden. Doch seitdem geht es erneut bergab. Das Verhältnis zum US-Dollar sieht nur insofern etwas anders aus, als das Pfund im Sommer 2017 kräftig zulegen konnte, danach aber wieder absackte.

Kein Comeback des Britischen Pfunds nach Brexit

Jeder, der auf ein nachhaltiges Comeback des Britischen Pfund nach dem Brexit spekuliert, sollte sich vor Augen halten, dass Großbritanniens Bedeutung in der Welt längst Vergangenheit ist. Dollar und Euro vereinigen derzeit rund 80 % der weltweiten Währungsreserven auf sich. Dahinter rangiert das Pfund neben dem Yen oder Schweizer Franken. Als Handelswährung kommt es nur noch auf ca. 4 %. Auch im Ranking der großen Volkswirtschaften wird Großbritannien demnächst auf Platz sechs absteigen.

An alte Zeiten lässt sich auch nicht durch noch so gute Verbindungen zu Commonwealth-Staaten anknüpfen. Die orientieren sich an Tatsachen, etwa die wachsende Bedeutung Chinas oder Indiens, das als Volkswirtschaft bald am Vereinigten Königreich vorbeiziehen wird. Bei einem harten Brexit wird wohl auch der Euro leiden. Doch der hat schon wegen der geballten Wirtschaftsmacht des Euroraums einen ganz anderen Hebel für Erholungspotenzial. Vermögende jedenfalls ziehen längst ihr Geld von der Insel ab.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.