Broadcom Aktie: Halbleiter-Gigant mutiert zur Software-Firma

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Der Chip-Gigant Broadcom will weg vom Chip-Geschäft. Hilft das der Aktie? (Foto: Piotr Swat / shutterstock.com)

Schon im Vorjahr hatte sich der US-Halbleitergigant Broadcom mit einer Übernahme im IT- und Softwaresektor verstärkt. Der US-Softwarespezialist CA Technologies wurde für knapp 19 Mrd. US-$ von Broadcom übernommen.

Diese Strategie setzt Broadcom auch in 2019 weiter fort. Erst vor wenigen Tagen hat Broadcom eine weitere Übernahme angekündigt. Für 10,7 Mrd. US-$ in bar will Broadcom das Sicherheits-Geschäft für Firmenkunden von Symantec übernehmen. Symantec ist Amerikas führender Anti-Virus-Softwareanbieter.

Broadcom expandiert weiter im Software-Bereich

Die geplante Übernahme bedarf noch die Zustimmung der Kartell-Behörden. Nach Abschluss der Akquisition geht Broadcom davon aus, dass künftig 29 % seines Umsatzes aus dem Software-Geschäft kommen. Bislang erwirtschaftete der Halbleitergigant 22 % seiner Einnahmen in diesem Bereich.

Broadcom-Chef Hock Tan will ein Unternehmen formen, dass sich als weltweit führende Infrastruktur-Technikfirma am Markt behaupten kann.

Broadcom Aktie: Darum will das Unternehmen weg vom Chip-Geschäft

Der Strategiewechsel kommt nicht von ungefähr. Das Chip-Geschäft gilt als sehr zyklisch und kapitalintensiv. Um im weltweiten Wettbewerb mithalten zu können, müssen Chip-Firmen regelmäßig Milliarden-Summen in die neueste Produktionstechnik investieren. Dies belastet die Gewinnmargen und zerrt an den Kapitalreserven.

Gleichzeitig sinken die Chip-Preise aufgrund der technischen Deflation stetig. Technische Deflation bedeutet, dass technische Geräte nicht nur immer besser, sondern auch kostengünstiger werden. Bestes Beispiel sind Flachbild-Fernseher. Waren Flachbild-TVs vor wenigen Jahren für einfache Familien noch unerschwinglich, sind diese Geräte heute schon für wenige Hundert Euro zu haben.

Broadcom leidet unter der US-Kampagne gegen Huawei

Außerdem leiden Chip-Firmen wie Broadcom besonders unter dem andauernden Handelskonflikt zwischen den USA und China.

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Dazu kommt die US-Kampagne gegen den chinesischen Telekom-Ausrüster Huawei. Das US-Wirtschaftsministerium hat eine Art Handelsboykott gegen Huawei verhängt. Huawei darf weder Produkte in die USA verkaufen, noch dürften US-Firmen Huawei mit bestimmten Produkten beliefern.

Huawei ist als der weltweit zweitgrößte Smartphone-Hersteller und ein großer Kunde von vielen US-Halbleiterfirmen. Darunter auch von Broadcom. Allein im letzten Jahr steuerte Huawei 900 Mio. US-Dollar zum Broadcom-Umsatz bei. Kein Wunder also, dass Broadcom seinen Umsatzausblick für das laufende Jahr bereits um 2 Mrd. auf 22,5 bis 24,5 Mrd. US-$ nach unten korrigiert hat.

Fazit: Broadcom mutiert immer mehr zum Software-Unternehmen

Mit der geplanten Übernahme des Symantec Firmen-Kundengeschäfts macht Broadcom mit seinem strategischen Umbau ernst. Das Software-Geschäft gilt als weniger kapitalintensiv und vor allem als lukrativer, sind hier in der Regel höhere Gewinnmargen erzielbar.

Anleger dürfen erwarten, dass Broadcom mittel- bis langfristig weitere Übernahmen im Softwaresektor tätigen wird. Als heißer Übernahme-Kandidat wird an der Wall Street u.a. das Softwarehaus Tibco gehandelt.

Ob die jüngste Übernahme der Symantec-Sparte bereits ausreicht, um das Wachstum bei Broadcom zu befeuern, bezweifeln Analysten. Der Grund: Die betreffende Symantec-Sparte hat im Fiskaljahr 2019 einen Umsatzrückgang von 10 % hinnehmen müssen, ist also nicht unbedingt ein Wachstumsmotor.

Auf der anderen Seite hat sich die bisherige Akquisitionstrategie von Broadcom als sehr effektiv erwiesen. Die bisherigen Zukäufe haben für Anleger und das Unternehmen stets einen positiven freien Cashflow generiert. Auch der Zukauf der Symantec-Sparte dürfte positive Synergieeffekte von 1,3 Mrd. US-$ beisteuern. Aus diesem Grunde sehen Analysten wie Bank of America Merrill Lynch Kursziele von knapp 350 US-$ für die Broadcom Aktie.

Trotz dieser positiven Aussichten sollten Anleger das Risiko bei der Broadcom Aktie nicht unterschätzen. Das Unternehmen erzielt nach wie vor den Großteil seiner Einnahmen im zyklischen Chip-Geschäft.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands