Broadcom: Übernahme von CA kostet 18 Milliarden Dollar

Die Übernahme von CA Technologies durch Broadcom hat viele Anleger überrascht. Was will Broadcom mit einer Softwarefirma? (Foto: Piotr Swat / shutterstock.com)

Broadcom gehört neben Intel und Qualcomm zu den weltweit größten Halbleiterkonzernen. Mitte Juli fiel Broadcom an der Wall Street in Ungnade, als der der US-Chiphersteller für 18,4 Mrd. US-$ bzw. für 44,5 US-$ je Aktie die Übernahme des US-Softwarespezialisten CA Technologies  (vorher: Computer Associates) ankündigte. Die Broadcom-Aktie stürzte daraufhin von knapp 250 US-$ auf rund 200 US-$ ab.

Broadcom-Aktie stürzt nach Übernahme ab – Die Gründe

Investoren an der Wall Street zeigten sich verunsichert und verstanden teilweise den Sinn hinter der milliardenschweren Übernahme nicht. Der Grund: Broadcom ist in erster Linie ein Halbleiterkonzern und befasst sich mit der Herstellung von Chips für drahtlose Übertragungstechniken (WLAN, Bluetooth etc.).

Die von Broadcom hergestellten Chips, sorgen auch dafür, dass zum Beispiel ein Smartphone eine GPS-Verbindung aufbauen und damit der Standort des Mobiltelefons bestimmt werden kann. Nebenbei fertigt Broadcom auch Komponenten für drahtlose Netzwerke und Datenspeicher.

Doch nun kauft Broadcom mit CA Technologies ausgerechnet eine Softwarefirma, die auf den ersten Blick so gar nicht in das bisherige Produktportfolio des US-Halbleiterspezialisten zu passen scheint. CA ist nämlich in erster Linie ein Hersteller von Unternehmenssoftware, die Firmen bei der Planung, Verwaltung und Automatisierung seiner IT-Infrastrukturen (Software und Hardware) hilft. Auch das Wachstum dürfte für die Übernahme eher nicht ausschlaggebend gewesen sein, stagnieren die Erlöse von CA Technologies doch auf dem Niveau von 2011.

Warum zahlt Broadcom 18 Mrd. US-$ für eine Softwarefirma?

Darum stellen sich viele Investoren die Frage, warum zahlt Broadcom so viel Geld für eine Softwarefirma? Broadcom-Finanzchef Tom Krause verteidigt den Milliardenzukauf im Interview und verweist darauf, dass die Transaktion Broadcom einen völlig neuen Markt eröffnet. Konkret geht es um den Markt für Technikinfrastrukturen, der sich aktuell auf rund 200 Mrd. US-$ weltweit summiert.

Mit der Übernahme von CA Technologies kann Broadcom den adressierbaren Markt mit einem Schlag quasi verdreifachen. Zudem benötigt Broadcom bei diesem Zukauf keine Zustimmung der Regulierungsbehörden in China und sieht sich auch sonst keine großen kartellrechtlichen Fragen aus anderen Ländern gegenüber, welche die Übernahme eventuell verhindern könnten.

Broadcom: Niedrige Bewertung - große Chance?Halbleiter-Aktien können interessant sein. Wie steht es um Broadcom? › mehr lesen

Kurzum: Die geplante Übernahme von CA dürfte voraussichtlich bis zum Jahresende abgeschlossen sein, nachdem Broadcom mit der geplanten Übernahme von Qualcomm noch am Widerstand der US-Kartellbehörden gescheitert war.

Fazit: Broadcom will sich als Infrastruktur-Anbieter breiter aufstellen

Broadcom-Chef Hock Tan bringt es dann auch auf den Punkt, was die Transaktion bewirken soll. Die Übernahme von CA soll Broadcom als führender Infrastruktur-Lösungsanbieter im Technik- und Softwarebereich etablieren.

Broadcom will sein Geschäft mit der Übernahme von CA unabhängiger vom zyklischen Geschäft mit Halbeitern machen, das oft Schwankungen unterliegt. Gleichzeitig hofft Broadcom dadurch einen neuen Markt (Software-Infrastrukturen) erschließen zu können, wobei CA als neue Software-Plattform dienen soll.

Große Synergieeffekte können Anleger vorerst aber nicht erwarten. Vielmehr dürfte die Transaktion eher der Einstieg in weitere Zukäufe im Softwarebereich sein. Marktbeobachter rechnen daher in den nächsten Jahren mit weiteren Zukäufen von Broadcom im Softwaresegment – auch dank des stabilen Cashflows von CA Technologies.

In den letzten 3 Jahren hat CA Technologies etwa 70 % des freien Cashflows in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an seine Anleger zurückfließen lassen. Für Investoren wäre es wünschenswert, wenn sich diese Ausschüttungspolitik weiter fortsetzt. Zumindest in Sachen Aktienrückkäufe hat Broadcom bereits Entgegenkommen signalisiert. Bis zum Ende des Fiskaljahres 2019 will Broadcom eigene Aktien im Wert von 12 Mrd. US-$ zurückkaufen.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands