Carsharing boomt – Welche Aktien profitieren vom Megatrend?

Carsharing wird immer beliebter und der Markt deutlich umkämpfter. Diese Aktien bzw. Unternehmen profitieren. (Foto: Roman Vyshnikov / Shutterstock.com)

Carsharing wird immer beliebter. Vor allem in den Großstädten verzichten immer mehr Menschen auf das eigene Auto und setzen lieber auf Carsharing. Vom Trend zum Gemeinschaftsauto profitieren führende Anbieter wie DriveNow und car2go.

Vor allem car2go konnte sich erst jüngst über einen weiteren Meilenstein freuen. Im Januar überschritt die Daimler-Tochter die Marke von 3 Millionen Kunden, zudem deutet sich eine Fusion der beiden führenden Anbieter DriveNow und car2go an. Warum setzen so viele Menschen auf Carsharing und welche Aktien können möglicherweise von diesem Trend profitieren?

Warum Carsharing? Die Vorteile des Konzepts

Es gibt gleich mehrere gute Gründe, warum Carsharing bei vielen Menschen in der Großstadt hoch im Kurs steht. Zum einen sparen sich Carsharing-Nutzer in der Regel den fixen Parkplatz, zum anderen auch die Anschaffungskosten für ein Neufahrzeug, was durchaus ein gewichtiges Argument ist, denn schon ein Kleinwagen kann bis zu 20.000 € kosten.

Hinzu kommen weitere monatliche Fixkosten, die für Versicherung und Wartung eingeplant werden müssen. Daneben muss der Fahrzeughalter auch mit einem stetigen Wertverlust rechnen, der höher ausfällt, desto mehr das Fahrzeug bewegt wird.

Beim Carsharing muss sich der Kunde dagegen um nichts kümmern. Weder um die Wartung des Fahrzeugs, noch um die KFZ-Steuer, noch um die Versicherung. Diese Kosten sind in den Nutzungsgebühren enthalten. Ferner kann der Kunde stets relativ moderne Fahrzeuge erwarten und ist bei der Fahrzeugwahl flexibel.

Carsharing Aktien: Diese Unternehmen profitieren vom Megatrend

Erst jüngst wurde bekannt, dass sich der Autovermieter Sixt von seiner 50-prozentigen Beteiligung an dem Joint Venture DriveNow trennt und an den Partner BMW verkauft. 209 Mio. € lässt sich BMW die Übernahme kosten, die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Durch die Übernahme kann BMW nun seine DriveNow- und Park Now-Services mit dem Marktführer car2go (Daimler) verschmelzen, womit ein neuer Branchenriese mit rund 4 Millionen Kunden entstehen würde. Doch der Reihe nach:

Car2go – der Marktführer unter den Carsharing-Anbietern

Die bereits im Jahr 2008 in Ulm gegründete car2go ist im Besitz der Daimler AG und gilt als Marktführer in der Branche, womit auch Daimler zu den führenden Carsharing-Aktien zählt.

Car2go betreut weltweit mehr als 3 Millionen Kunden, ein Zuwachs von 30 % gegenüber dem Vorjahr. Der car2go Fuhrpark umfasst rund 14.000 Autos, in 2017 wurde ein car2go Fahrzeug 24 Millionen Mal von Kunden ausgeliehen. Der weltweite Erfolgskurs von car2go hilft vor allem der Daimler AG, die 100 % der Anteile kontrolliert.

DriveNow – das Zugpferd von BMW

DriveNow war bislang ein Carsharing-Gemeinschaftsprojekt des Autovermieters Sixt und BMW. DriveNow mit Sitz in München ist seit 2011 aktiv und betreibt einen Fuhrpark bestehend aus insgesamt 6.250 Fahrzeugen. Zum Jahreswechsel zählte DriveNow knapp mehr als 1 Millionen Kunden und gehört damit zu den größten Carsharing-Anbietern in Deutschland.

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Mit der vollständigen Übernahme – bislang waren 50 % der Anteile in der Hand von Sixt – gehört BMW nun ebenfalls zu den führenden Carsharing-Aktien. Mit dem Zukauft hat der bayerische Autobauer nun mehr Gestaltungsfreiraum, was die Zukunft seiner Carsharing-Tochter betrifft.

So stellte BMW-Digitalvorstand Peter Schwarzenbauer klar, dass Mobilitätsdienste zur Unternehmensstrategie von BMW gehören. Bis 2025 will BMW 100 Millionen Kunden für seine Mobilitätsdienste gewinnen – DriveNow soll dabei eine wichtige Rolle spielen.

Avis versucht sich mit Zipcar in der Weltspitze zu etablieren

Der US-Autovermieter Avis Budget Group ist seit 2013 im Carsharing-Markt engagiert, nachdem das Unternehmen den damals weltweit führenden Carsharing-Anbieter Zipcar für rund 500 Mio. US-$ aufgekauft hat.

Zipcar ist seit Ende 2015 auch in Deutschland aktiv und zählt weltweit mehr als eine Million Kunden in 9 Länder, die aus über 12.000 Autos in 500 Städten wählen können. In Europa tat sich Zipcar mit seinen Expansionsbemühungen allerdings zuletzt schwer – in Österreich wurde der Service im Herbst 2017 eingestellt.

Hertz 24/7 – Der Underdog der Carsharing-Branche

Der US-Autovermieter Hertz Global Holdings ist einer der ältesten Carsharing-Anbieter auf dem Markt. Bereits seit Dezember 2008 war Hertz mit seinem Carsharing-Angebot Connect by Hertz in New York, Paris und London am Start. Inzwischen heißt das Programm Hertz 24/7, wobei mehr als 1.000 Fahrzeuge stundenweise an über 500 Standorten weltweit angemietet werden können.

In Deutschland unterhält Hertz unter anderem eine Kooperation mit dem Möbelhaus IKEA, wo Hertz 24/7 Transporter zur Anmietung an 43 IKEA Standorten warten. In den USA war die Konkurrenz für Hertz 24/7 allerdings zu groß, im Herbst 2015 entschied sich das Unternehmen seine Carsharing-Operationen in den USA einzustellen.

Fazit: Nachfrage nach Carsharing soll weiter stark wachsen

Keine Frage, Carsharing wird immer beliebter. Glaubt man einer Studie des Beraterhauses McKinsey, soll der Markt für neue Mobilitätsdienste wie Carsharing bis zum Jahr 2030 ein Volumen von 2 Billionen US-$ erreichen – damit würde der Markt um jährlich 28 % zulegen.

Die marktführenden Anbieter wie car2go, DriveNow und Zipcar haben dabei gute Karten, von diesem Wachstum zu profitieren. Doch bei aller Euphorie sollten Anleger nicht vergessen, dass sich auch der Wettbewerb in diesem Wachstumsmarkt weiter intensiviert.

Mitfahrdienste wie Uber und Lyft drängen in den Markt und drücken auf die Preise. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Carsharing-Firmen trotz 25 bis 30 % Kundenwachstum bisher kaum Geld verdienen – Wachstum geht vor. Gut aufgestellt sind daher Unternehmen, die neben dem Carsharing noch ein weiteres Standbein haben – so wie die großen Autohersteller Daimler und BMW.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands