Celgene kauft Juno Therapeutics für 9 Mrd. US-Dollar – warum?

Celgene will mit einem Milliardenzukauf neue Wege gehen: Das können Anleger erwarten. (Foto: totojang / shutterstock.com)

Der US-Biotech-Konzern Celgene befindet sich im Kaufrausch. Nur wenige Wochen nachdem Celgene angekündigt hat, den Biotech-Spezialisten Impact Biomedicines für 7,5 Mrd. US-$ aufkaufen zu wollen, schluckt Celgene nun das junge Biotech-Unternehmen Juno Therapeutics für rund 9 Mrd. US-$.

Anleger müssen wissen, dass Celgene schon im Vorfeld an Juno Therapeutics mit knapp 10 % der Anteile beteiligt war und nun für 86 US-$ je Aktie auch die noch restlichen 90 % der Anteile für 9 Mrd. US-$ kauft.

Warum zahlt Celgene 9 Mrd. US-$ für Juno Therapeutics?

Der Kaufpreis von 9 Mrd. US-$ mag für Anleger zunächst hoch erscheinen für ein kleines Biotech-Unternehmen, das kaum Umsätze erzielt und tiefrote Zahlen schreibt. Doch wie so oft in der Biotech-Szene liegt der wahre Wert eines Biotech-Unternehmens in der klinischen Forschungspipeline, die sich bei Juno Therapeutics durchaus sehen lassen kann.

Die in Seattle ansässige Juno Therapeutics gilt neben Kite Pharma und Novartis als weltweit führend, wenn es um CART-T-Zelltherapien geht. Durch Chimeric Antigen Receptor (CAR) und T-Cell Receptor (TCR) Technologien wird versucht, das Immunsystem des Patienten genetisch neu zu programmieren, so dass dieses selbst in der Lage ist, Krebszellen zu erkennen und effektiv zu bekämpfen.

Renaissance der Immuntherapie

Konkret hat sich Juno dabei auf die Behandlung von Blutkrebs mit seiner zellulären Immuntherapie spezialisiert. Trotz anfänglicher Rückschläge mit seinem führenden Forschungsprogramm JCAR015, gab Juno nicht auf und investierte noch mehr Geld in seine Technologie.

Der Produktkandidat JCAR017 zur Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) gilt dabei als besonders vielversprechend. Bei aktuellen klinischen Studien konnte JCAR017 überzeugende Ansprechraten (80 % Overal Response bzw. 73 % Complete Response Rate) liefern.

Bei Celgene glaubt man, dass JCAR017 das Zeug hat, sich zur führenden Behandlungstherapie bei Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) Patienten zu entwickeln.

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Die Zulassung des Wirkstoffs wird in 2020 erwartet, dann könnte die Behandlungsmethode erstmals im größeren Stil zum Celgene-Umsatz beitragen. Insgesamt traut Celgene dem Produktkandidaten einen jährlichen Spitzenumsatz von 3 Mrd. US-$ zu.

Breites Produktportfolio an Immuntherapien

JCAR015 ist aber nicht der einzige Produktkandidat im Portfolio von Juno Therapeutics. Insgesamt arbeiten bei Juno rund 100 Wissenschaftler und Forscher an verschiedenen Immuntherapien und Produktkandidaten (JCAR014, JCAR015, JCAR018, JCAR020), die sich gegen verschiedene Krebsarten (Eierstockkrebs, Brustkrebs etc.) einsetzen lassen. Mit Juno übernimmt Celgene also nicht nur einen Wirkstoff, sondern ein breites Portfolio an Produktkandidaten, die gleich mehrere Ziele und Indikationen adressieren.

Ebenso wichtig für Anleger zu wissen ist, dass das Verfahren zur Herstellung derartiger Zelltherapien schwierig und komplex ist. Juno verfügt jedoch bereits über eine skalierbare Plattform, um diese Therapien im großen Stil zu produzieren – dies dürfte mit ein Grund gewesen sein, warum Celgene 9 Mrd. US-$ für Juno Therapeutics auf den Tisch legt.

Fazit: Celgene setzt mit Juno auf den Siegeszug von Immuntherapien

Celgene sieht offenbar die Zukunft nicht mehr bei klassischen Behandlungsmethoden (Chemo, Bestrahlung etc.), sondern in der zellulären Immuntherapie – ein Ansatz, der sich in den nächsten Jahren möglicherweise als Standard bei der Krebsbehandlung etablieren könnte.

Celgene tut auch gut daran, sein Produktportfolio durch Akquisitionen zu erweitern, sieht sich der US-Biotech-Konzern doch einer sogenannten Patentklippe gegenüber, denn im Jahr 2022 läuft der Patentschutz für das Krebsmedikament Revlimid aus, einer der wichtigsten Umsatzbringer für das Unternehmen.

Bei aller Euphorie rund um den jüngsten Zukauf sollten Anleger beachten, dass nicht alle Produktkandidaten zwingend die Marktzulassung erreichen. In der Biotech-Industrie gibt es immer wieder Enttäuschungen, wodurch Wirkstoffe schon in der klinischen Testphase scheitern und Biotech-Unternehmen die Investition abschreiben müssen.

Kurzum: Die Übernahme von Juno bleibt daher zunächst eine Wette darauf, dass sich zelluläre Immuntherapien langfristig durchsetzen werden und Juno dabei künftig eine zentrale Rolle spielt. Anleger, die ein Direktinvestment in Biotech-Aktien scheuen, sollten sich zum Beispiel die Aktien der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech AG näher ansehen – Celgene gehört zu den größeren Beteiligungen der Schweizer Beteiligungsgesellschaft.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands