Chancen für Ericsson-Aktie – trotz und wegen Huawei

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Hinter der Ericsson-Aktie steht ein schwedischer Netzwerkausrüster, der sich bei der 5G Lizenzvergabe als Alternative zu Huawei profiliert. (Foto: Piotr Swat / shutterstock.com)

Im Gerangel um den künftigen Mobilfunkstandard 5G in Deutschland und politisch bedingte Zweifel am chinesischen Anbieter Huawei taucht ein Name aus der Versenkung, den wohl viele nicht mehr auf dem Radar hatten: Ericsson. Die Aktie des schwedischen Netzwerkausrüsters konnte gegen den allgemeinen Trend auf Jahressicht um fast 62 % zulegen und ist weiterhin im Aufwind.

Netzwerke für neue Dienste

Nach einigen durchwachsenen Jahren konnten die Umsätze 2018 auf 20,156 Mrd. Euro zulegen. Das operative Ergebnis lag nach herben Vorjahresverlusten bei immerhin 895 Mio. Euro. Lediglich das Betriebsergebnis unterm Strich liegt noch mit ca. 7,8 Mio. Euro im Minus. Dieses Jahr aber wird auch hier mit Zahlen im grünen Bereich gerechnet.

Hinter der leicht unterbewerteten Ericsson-Aktie mit positiven Aussichten steht ein Unternehmen, das in 108 Ländern aktiv ist und die zehn größten Mobilnetzbetreiber der Welt bedient. Mehr als 40 % aller Gespräche laufen über die Netze von Ericsson.

Aus dem Geschäft mit Telefonen selbst ist der Konzern schon lange ausgestiegen. Nachdem im Jahr 2000 der wichtigste Zulieferer in den USA abgebrannt war, wurden die hauseigenen Handys im Joint Venture mit Sony hergestellt, das vor elf Jahren die Anteile von Ericsson kaufte. Mit dem Ende der Legende gerieten die Schweden aus dem Blickfeld der breiten Öffentlichkeit. Seitdem geht es um Technologie-Consulting, Netzwerk-Infrastrukturen, Internet- und Multimedia sowie Plattformen für Endgeräte und mehr.

Mit Intel ins digitale Zeitalter

Netzwerke machen rund 70 % der Umsätze aus. Der Zugang zur Informationsübertragung gewinnt vor allem wegen der Digitalisierung der Wirtschaft bzw. dem Internet der Dinge (IoT) rapide an Bedeutung. Für neuen Schub soll der Mobilfunkstandard 5G sorgen, der die Übertragung enormer Datenraten mit hoher Geschwindigkeit auf flexiblen Netzwerken erlaubt. Der Schwerpunkt von Ericsson ist die Software.

Um den Zukunftsmarkt schneller aufzurollen, wurde nun ein Joint-Venture mit dem Hardware-Spezialisten Intel gegründet. Die Amerikaner kümmern sich in der Zusammenarbeit um leistungsfähige Modems und neue Chips. Auf der Basis lassen sich auch Investitionen in Cloud-Dienste gemeinsam stemmen. Das Kalkül ist, dass mit der Digitalisierung fortwährend neue Anwendungsformen entstehen, die auf den Diensten von Ercisson und Intel aufsetzen. Autonomes Fahren ist nur ein Beispiel.

Trump beflügelt Ericsson-Aktie

Da Intel größer und breiter aufgestellt ist, wird das Joint-Venture vor allem Ericsson zugute kommen. Mit der Ericsson-Aktie können Anleger auch von der Politik Donald Trumps profitieren. Der stellt die chinesischen Konkurrenten ZTE und Huawei unter Spionageverdacht, bezichtigt sie der Umgehung der Iran-Sanktionen und schließt sie vom Aufbau der 5G Infrastruktur aus. Australien, Neuseeland und Japan haben sich dem Vorgehen angeschlossen, die EU prüft noch, inwieweit ein Ausschluss möglich ist.

Im Kampf um ultraschnelle Netze als Rückgrat für die Zukunft kann sich Ericsson als nordische Alternative auf stabile Geschäfte freuen. In den USA hat es bereits von der Telekom-Tochter T-Mobile einen Auftrag über 3,5 Mrd. US-Dollar erhalten. Und in Darmstadt wird ein 5G Testfeld aufgebaut – der Einstieg in den deutschen Markt.

Den Schub kann Ericsson gut gebrauchen. Erst 2017 wurden in einem straffen Sparprogramm Tausende von Jobs gestrichen und Rückstellungen gebildet. In den USA laufen noch Ermittlungen der Börsenaufsicht wegen möglicher Verstöße – mit derzeit unbekannten Folgen.

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Diese Aktie wird 5G-ProfiteurEs geht weiter, irgendwann. Eine Zukunftstechnologie wir der Mobilfunkstandard 5G sein. Welche Aktie schon jetzt interessant ist. › mehr lesen


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.