Charlie Munger: Portrait von Buffets ruhigem Schatten

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Buffets Alter Ego mit ruhiger Hand, der Wegbegleiter zum Erfolg: ein Portrait von Charlie Munger. (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Leicht ist es nicht. Doch mit dem richtigen Händchen können manche Aktien beachtliche Überrenditen bringen. Wer sich mit Value-Investing einigermaßen auskennt, weiß welche Herausforderung hinter der Strategie steckt. Und er kennt natürlich Namen wie Benjamin Graham, den Begründer des Value-Konzepts und vor allem seinen ehemaligen Schüler Warren Buffet.

Charlie Munger: Portrait einer ruhigen Hand

Während Buffet mit seiner überaus erfolgreichen Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway längst eine Börsenlegende ist, auf die alle Anlegerwelt hört, kennen deutlich weniger Menschen Charlie Munger. Dessen Portrait beschränkt sich keinesfalls auf Rechtsanwalt, Milliardär und Nummer zwei bei Berkshire. Er ist Buffets Pendant, ohne das der Hathaway-Laden nicht so laufen würde.

Charlie Munger fällt genauso in die Kategorie Starinvestor-Legende. Charles Thomas Munger steht Buffet in nichts nach. Beide wohnen in ihrem Geburtsort Omaha, Nebraska. Mit 93 ist Munger sechs Jahre älter und seit über 40 Jahren dessen Partner. Insider nennen ihn „Buffets Alter Ego“. Sie sind sich im Denken wohl derart ähnlich und wesensverwandt, dass sie regelrecht als Doppelpack agieren.

Der Unterschied: Munger ist vom Charakter her der zurückhaltende Typ im Hintergrund. Auf den jährlichen Hauptversammlungen, die Züge einer Talkshow haben, sitzen beide nebeneinander. Buffet präsentiert sich unterhaltsam quasi als Investorenschlitzohr in publikumswirksamer Manier. Munger beschränkt sich auf ein paar Bemerkungen, die es in sich haben und kommentiert Buffets Ausführungen fast traditionell mit dem Satz: „Dem habe ich nichts hinzuzufügen“.

„Am Ball bleiben und das Beste draus machen“

Munger pflegt eine gelassene Bescheidenheit. Das zeigt sich etwa auch bei der Einschätzung zu Donald Trump. Während Buffet aus seiner entschiedenen Gegnerschaft keinen Hehl macht und das ambitionierte Wachstumsziel der Präsidenten von 4 % bei höchstens der Hälfte sieht, reduziert sich Charlie Munger auf einen lakonischen Ratschlag: „Am Ball bleiben und das Beste draus machen.“

Dass er Trumps Verhalten als „krankhaft getrieben“ erachtet, ist eh bekannt. Beide wetten seit der Wahl selektiv gegen Trump und profitieren zugleich von Umschichtungen in die richtigen Aktien. Das entsprechende Investitionsvolumen von Berkshire: 12 Mrd. US-$. Sie machen das „Beste daraus“ und erzielen Milliardengewinne. Die können sie dann bei der nächsten Wahlkampagne, wie schon zuvor, gegen Trump einsetzen.

Charlie Munger hegt ohnehin keine Sympathie für dessen Politik. Er hat viel Stiftungsgeld in die Einrichtung von Abtreibungsklinken gesteckt. Seit den 1960er Jahren ist er stark ehrenamtlich engagiert, ließ Krankenhäuser auf Vordermann bringen und unterstützte Universitäten.

Nicht der Spottpreis zählt

Damals arbeiten er und Buffet noch getrennt. Bald fiel ihnen die gleiche Vorgehensweise im Investment auf. Allerdings konnte Munger ihn davon überzeugen, dass es sinnvoller ist, Unternehmen weniger nach dem reinen Spottpreis-Kriterium auszusuchen, weil man sich damit das Risiko einer Schrottfirma einhandelt. Buffet änderte seinen Ansatz daraufhin – mit Erfolg. Dass er das Charlie Munger zu verdanken hat, äußerte er mehrmals.

1978 kaufte Berkshire Hathaway Mungers Investmentfirma auf. Dort wurde er Vice Chariman und Geschäftsführer der Tochter Wesco Financial Corporation, die schließlich 2011 im Mutterunternehmen aufging.

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Darüber hinaus kaufte er sich bei einem Zeitungsverlag in Los Angeles sowie der Billigkette Costco Wholesale ein, wo er bis 2013 eine führende Rolle spielte. Ein Medienunternehmen und ein Warenhaus, das auf günstige Importe angewiesen ist, auch hier werden die gegenläufigen Interessen zu Donald Trumps Anfeindungen und Abschottungsplänen deutlich.

Belesener Value Investor mit Disziplin

Persönlich gibt sich Munger weniger bescheiden als Buffet, obwohl er mit rund 1,3 Mrd. US-$ ein viel geringeres Vermögen hat. In der Arbeitsteilung ist er der Buffet-Vize mit ruhiger Hand. Die graue Eminenz von Berkshire Hathaway. Das Interesse des belesenen Managers gilt der Philosophie und der Psychologie – natürlich der an der Börse, die vielen Anlegern einen Strich durch die Rechnung macht.

Immer wieder spricht er etwa vom Phänomen, dass sich intelligente Menschen von der Masse getrieben zum dummen Verhalten hinreißen lassen. Einer seiner Leitsätze: „Widerstehe dem natürlichen Drang zu handeln.“

Munger setzt auf eiserne Disziplin. Klar, denn für Value-Investoren ist Euphorie Gift. Was zählt, ist falsche Bewertungen an der Börse erkennen, mit nüchternem Kalkül am Ball bleiben – und: sich nicht in Details verlieren. Charlie Mungers Prinzip: „Kaufe gute Unternehmen zum guten Preis, und behalte sie, bis sie den richtigen Wert entwickelt haben.“


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.