China-Aktien unter Druck: die Gründe für den Kursverfall

China-Aktien sind in den letzten Wochen kräftig unter die Räder geraten. Der Handelskonflikt mit den USA ist dabei nur ein Grund. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

China-Aktien wie Tencent, Alibaba, Baidu oder NetEase verloren in diesem Jahr kräftig an Wert. Der Abwärtstrend hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten noch verschärft, nachdem sich der Handelskrieg zwischen China und den USA immer weiter hochschaukelt.

Erst jüngst hat die US-Regierung rund um Donald Trump mit weiteren Strafzöllen auf chinesische Warenimporte in Höhe von rund 200 Mrd. US-$ gedroht, sollte die Regierung in Peking nicht einlenken. China wiederum denkt gar nicht daran klein beizugeben und droht seinerseits mit Gegenzöllen auf US-Waren im Wert von rund 60 Mrd. US-$.

China-Aktien unter Druck – Handelsstreit mit den USA als Auslöser

Ursache des Handelskonflikts sind die aus Sicht der USA unfairen Handelspraktiken von China, die zu einem großen Handelsbilanzdefizit auf Seiten der Amerikaner geführt haben. Tatsächlich summierte sich das Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber China sowohl in 2016 als auch in 2017 auf über 330 Mrd. US-$. Im ersten Quartal 2018 vergrößerte sich das Minus im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 19 % auf 58,2 Mrd. US-$. Das bedeutet, dass China deutlich mehr Waren und Dienstleistungen in die USA liefert als umgekehrt.

Zwar ist auch richtig, dass viele US-Firmen in China produzieren und dort direkt ihre Waren verkaufen, wodurch das aggregierte Handelsbilanzdefizit deutlich niedriger liegt (ca. 30 Mrd. US-$), doch schottet China seinen Technologiesektor weitgehend vor der US-Konkurrenz ab, was der US-Wirtschaft ebenfalls ein Dorn im Auge ist.

So wollte sich zum Beispiel die US-Suchmaschine Google den Zensurvorschriften der Chinesen nicht beugen und ist damit praktisch in China nicht präsent. Gleiches gilt  auch für Facebook, Twitter und YouTube, die in China blockiert werden. Auch der erzwungene Technologietransfer schmeckt US-Firmen wie Tesla & Co nicht, die gerne in China ihre eigenen Fabriken unterhalten wollen.

Auch hausgemachte Probleme drücken die Kurse von China-Aktien

Der schwelende Handelskonflikt mit den USA drückt zunehmend auf die Stimmung im chinesischen Aktienmarkt. Lag der Leitindex Shanghai Composite zu Jahresbeginn noch bei über 3.300 Punkten, ging es in den letzten neun Monaten um rund 18 % nach unten.

Aber nicht nur der Handelsstreit mit den USA belastet China-Aktien, sondern auch hausgemachte Probleme in Form von Überregulierung. Wie das Wall Street Journal berichtet, will China zum Beispiel die Zahl der Videospiele-Neuveröffentlichungen begrenzen.

Die neuen Restriktionen zielen darauf, dass Jugendliche weniger Zeit mit Videospielen verbringen. Seit März 2018 wurden von chinesischen Regulierungsbehörden praktisch keine neuen Spiele-Titel mehr genehmigt. Die Maßnahmen treffen vor allem Chinas führende Online-Spieleanbieter wie Tencent und NetEase, die den Großteil des 32,5 Mrd. US-$ schweren Spielemarktes im Reich der Mitte kontrollieren.

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Chinas wachsendes Schuldenproblem

Daneben belasten Chinas wachsende Schulden den Markt, denn die Schulden wachsen inzwischen stärker als die chinesische Wirtschaft, die in diesem Jahr zwischen 6,5 und 7,0 % zulegen dürfte.

Immer wieder warnt auch der Internationale Währungsfonds IWF vor dem wachsenden Schuldenproblem. Kein Wunder, denn inzwischen sind die Schulden von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen auf ein Rekordniveau von 282 % der chinesischen Wirtschaftsleistung gestiegen (Stand Ende 2017) – den Finanzsektor gar nicht mitgerechnet. Mit über 29 Billionen US-Dollar gilt der chinesische Schuldenberg als der zweithöchste der Welt.

Fazit: China-Aktien im schwierigen Fahrwasser – die Risiken für Anleger steigen

Zwar wächst Chinas Wirtschaft aktuell noch mit rund 6,5 % im Jahr, doch dürften sich die Wachstumsraten in den nächsten Jahren eher weiter verlangsamen. Gefahr droht China-Aktien nicht nur durch Strafzölle, sondern auch durch Überregulierung und dem wachsenden Schuldenberg im Reich der Mitte.

Dies könnte für chinesische und andere asiatische Firmen ein Problem werden, denn viele dieser Unternehmen sind in US-Dollar verschuldet. Erhöht nun die US-Notenbank Schritt für Schritt die Leitzinsen, müssen diese Unternehmen mehr Geld für den Schuldendienst aufbringen.

Daneben ist ein schnelles Ende des Handelskonflikts mit den USA derzeit nicht in Sicht. Vielmehr setzt die US-Administration unter Trump weiter auf das Credo „Amerika zuerst“, wodurch sich der Handelsstreit zwischen den USA und China noch länger hinziehen könnte.

Positive Nachrichten gibt es jedoch für Anleger auf der Regulierungsseite. China hat die Regeln für ausländische Autobauer gelockert, die bislang ein 50:50 Joint Venture mit chinesischen Firmen eingehen mussten, um Autos in China zu produzieren – diese Regel wird ab 2020 gelockert.

Unter dem Strich bleiben China-Aktien aufgrund des starken Wirtschaftswachstums für langfristig orientierte Anleger weiterhin interessant, Investoren müssen jedoch kurzfristig mit weiter sinkenden Kursen bzw. hohen Kursschwankungen rechnen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands