Chinas schwächelnde Industrie bremst deutsche Unternehmen

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Chinas Industrie schrumpft erstmals seit zwei Jahren. Betroffen sind Konsumgüter und importierte Autos. Der Markt verändert sich ohnehin. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Kein Tag vergeht, ohne dass in irgendeinem Zusammenhang die Bedeutung des chinesischen Marktes für die deutsche Wirtschaft betont wird. Wie ein riesiger Schwamm scheint das Land mit seinem Nachholbedarf und der wachsenden Mittelschicht Produkte aus aller Welt aufzusaugen. Neben Roh- und Agrarstoffen sind dies aus deutscher Sicht vor allem Fahrzeuge sowie Produkte aus dem mittelständisch geprägten Maschinenbau für Chinas Industrie.

Zwar baut China längst selbst Autos sowie Maschinen und kauft gelegentlich deutsche Hersteller wie Putzmeister oder Kuka auf, doch unverändert ist es Deutschlands wichtigster Handelspartner. In Sachen Export ist es nach den USA und Frankreich mit Einfuhren von über 86,2 Mrd. Euro drittgrößter Abnehmer. Angesichts der Bedeutung lässt nun aufhorchen, dass Chinas Industrie das Jahr 2018 mit einer spürbaren Abschwächung abschließt.

Konjunkturbremse und Handelsstreit

Zum Jahresende hatte sich die Stimmung weiter eingetrübt. Der offizielle Einkaufsmanager-Index (PMI) der zweitgrößten Volkswirtschaft war erstmals seit über zwei Jahren unter die kritische Marke von 50 Punkten gefallen. Neben der allgemein abgeschwächten Konjunktur durch eine hohe Verschuldung erweist sich der Handelsstreit mit den USA als wesentlicher Belastungsfaktor. Die Kontrahenten überziehen sich gegenseitig mit Strafzöllen. Bereits im dritten Quartal war das Wirtschaftswachstum auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken.

Während der deutsche Maschinenbau davon noch kaum betroffen ist, da die Regierung in Peking alles daran setzt, Chinas Industrie zum weltweit führenden Player aufzubauen, sind es vor allem importierte Konsumgüter, die einen Rückgang verzeichnen. Allen voran: Smartphones. Im letzten Jahr wurden bis zu 15,5 % weniger Geräte verkauft. Neben chinesischen Produkten sind Samsung sowie Apple betroffen. Die Aktie der Amerikaner war zuletzt wegen Absatzproblemen deutlich eingebrochen.

Bremsspuren bei deutschen Autobauern

Umsatzrückgänge verzeichnen auch Luxusgüterhersteller wie L’Oréal, LVMH oder Kering. Auch der Automarkt ist eingebrochen, um 6 %. Die Verbraucher sind vorsichtiger. Die Zurückhaltung erklärt sich auch mit der Verunsicherung über den Handelskonflikt. China hatte zwischenzeitlich den Zoll auf Importautos aus den USA auf 40 % angehoben. Auf deutscher Seite klagen vor allem BMW und Daimler, die ihre Fahrzeuge aus amerikanischen Werken nach China ausliefern.

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Aber auch die in China selbst aufgebauten Produktionsanlagen belasten die deutschen Hersteller mit drohenden Überkapazitäten – VW eingeschlossen. Zwar sind die Autobauer samt Zulieferer wieder etwas zuversichtlicher, da im Handelsstreit mittlerweile versöhnlichere Signale kommen, doch müssen sich in China auf rauere Zeiten einstellen. Insidern zufolge könnte der gesamte Autoabsatz 2019 erneut um ca. 6 % einbrechen.

Chinas Industrie mit hoher Verschuldung

Dazu tragen auch die immer beliebteren Fahrdienste bei, die gerade in Ballungszentren den eigenen Wagen teilweise ersetzen. Hinzu kommen neue Vorschriften für herkömmliche Verbrennungsmotoren. China versucht ohnehin, mit E-Fahrzeugen eine Führungsrolle zu übernehmen. Derweil will VW mit neuen Modellen eine Offensive starten und gibt sich zuversichtlich, erneut ein Absatzplus zu erzielen.

In der Gemengelage ist China in einer Zwickmühle: Einerseits muss der durch massive Kredite aufgetürmte Schuldenberg abgebaut werden. Zugleich ist die Notenbank gezwungen, die Konjunktur und Industrie in China mit einer lockeren Geldpolitik am Laufen zu halten. Bekommt der Schuldenabbau Priorität, so ist mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auf ein Plus von 6,2 % zu rechnen. Verglichen mit anderen Ländern aber, ist dies ein sehr hohes Niveau.

Sollte sich der Handelsstreit weiter entschärfen und die US-Wirtschaft dieses Jahr um bis zu 2,7 % wachsen, so wären dies für deutsche Unternehmen insgesamt immer noch recht positive Aussichten.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.