China: Teslas Chance zum Durchstarten?

Jetzt will Tesla in China ein Werk errichten. In drei Jahren wird es die erste ausländische Produktionsstätte ohne Joint Venture-Zwang sein. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Jetzt, wo sich alle Welt auf Elektroautos einstellt, schwächelt ausgerechnet der Branchenpionier Tesla. Dass die Konkurrenz nicht schläft, ist eine Sache. Es klemmt aber bei der Produktion.

Vom für die Masse gedachten Model3 sollten eigentlich bis Endes des Jahres 5.000 Exemplare pro Woche fertig sein. Das Ziel wird nun auf nächsten März verschoben. Zwischen Juli und September liefen nur 222 vom Band. Angesichts der zahlreichen Vorbestellungen kein Aushängeschild.

Branchenpionier kommt mit Wachstum nicht mit

Auch in China hat Tesla viele Fans. Ohne Zuverlässigkeit wird das Image irgendwann leiden. An der Börse gab es schon die ersten Kratzer. Brachten Aktien von Tesla über zehn Jahre ganze 897 %, liegen sie seit drei Monaten mit fast 12 % im Minus. Tesla muss nun liefern und zeigen, dass es das Zeug zum Massenhersteller hat. Dass bei stürmischer Nachfrage auch noch Hunderte von Mitarbeitern entlassen wurden, lässt Fragen aufkommen – auch was das geplante Werk von Tesla in China angeht.

Wenn Tesla-Chef Musk meint, die gefeuerten Arbeitnehmer hätten schlicht zu wenig Leistung gebracht, dann wirft das eher ein schlechtes Licht auf die Kompetenz in Sachen Personalauswahl und Mitarbeiterschulung. Tatsächlich liegt der Hund in der Batterieproduktion begraben. Die wurde schnell hochgezogen und sollte eigentlich automatisiert ablaufen.

Doch massive Probleme mit eingekauften Produktionseinheiten werfen den Plan durcheinander. Die Roboteranlagen müssen unter Hochdruck auf Vordermann gebracht werden. Die Reibungsverluste im ehrgeizigen Wachstum ließen den Konzernverlust in den ersten neun Monaten der Jahres von 500 Mio. US-$ auf 1,5 Mio. US-$ anschwellen. Die Hoffnung ruht unter anderem auf einem neuen Tesla-Werk in China.

Tesla hat China als Standort im Visier

Erst in drei Jahren wird es fertig sein. Bis dahin sollten die Anlaufprobleme beseitigt sein. Immerhin hat China Tesla eine Sonderkondition eingeräumt: Anders als bei ausländischen Unternehmen üblich, muss es kein Joint Venture eingehen. Die Amerikaner können als erste von einer neuen Regelung profitieren, mit der China die Elektro-Mobilität vorantreiben will.

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Standort ist eine Freihandelszone in Shanghai. Allerdings muss Tesla weiterhin eine Importsteuer von 25 % zahlen. Doch in China ist es als Premiumanbieter bei E-Karossen ähnlich gefragt ist wie Daimler oder BMW mit konventionellen Limousinen. Mit der Nähe zum Kunden ist der schnell wachsende Markt viel leichter aufzurollen. Pekings neue Quotenverordnung für Elektrofahrzeuge dürfte Tesla in die Hände spielen.

Bis dahin schläft aber auch die Konkurrenz nicht. Geely etwa geht als Mutterkonzern von Volvos PKW-Sparte mit neuen Typen in die Offensive. Und Daimler setzt neben eigener Entwicklungen auf die Kooperation mit dem größten chinesischen E-Autoproduzenten BYD. Im Portfolio: ein E-Mobil auf Basis der B-Klasse. Der Partner BYD ist hierzulande kaum bekannt, dabei handelt es sich nicht nur um Chinas Nummer eins. Es ist der weltweit größte Hersteller von Elektroautos.

Chinesen machen Pläne streitig

BYD ist Teil eines Konzerns, der Batterien, Elektronik sowie Umwelttechnik produziert. In Europa wird neben einem Liniendienst mit Batteriebussen in Brüssel die Taxiflotte mit Fahrzeugen vom Typ BYDe6 ausgestattet. International hat BYD große Pläne. Das Unternehmen will in den USA zunächst Elektrobusse und Lastwagen produzieren – und die eigene Batterieproduktion ausbauen.

Bald bekommt Tesla auf dem Heimatmarkt Konkurrenz. Bislang ist es mit seinem Kooperationspartner Panasonic Marktführer in den USA. Mit BYD dürfte sich das ändern. Sobald die Chinesen ein Bein in der Tür haben, wird es für Tesla auch schwerer, sein Portfolio um den Bereich Last- und Nutzfahrzeuge zu erweitern. Hatte doch Elon Musk erst kürzlich seine Pläne und Prototypen für neue Tesla-Trucks präsentiert.

Starinvestor Warren Buffet jedenfalls scheint auf BYD zu setzen. Und das schon seit 2008. Über eine Tochter von Berkshire Hathaway hatte er 225 Mio. Aktien von BYD gekauft. Deren Wert ist seitdem um mehr als das Fünffache gestiegen. Bei Tesla indes ist er nicht investiert. Das Unternehmen will zwar – ähnlich wie BYD mit seinem Mutterkonzern – ein integriertes Gesamtunternehmen werden, das vom Auto samt Batterien über Solarzellen bis zur Stromversorgung alles anbietet. Buffet jedoch sieht zu wenig Nachhaltigkeit für eine solide Gewinnentwicklung.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.