China und Japan vereinbaren Kooperation: ein Signal ohne Wirkung?

Die jüngst vereinbarte Kooperation zwischen China und Japan steht auf brüchigem Fundament. Tokio bevorzugt nun eher Indien als Partner. (Foto: FreshStock / shutterstock.com)

Bereits vor den Kongresswahlen in den USA, auf die alle Anleger gewartet hatten, sind die Kurse fast überall gestiegen. Neben dem Dow Jones und dem Dax legten seit Anfang November auch der chinesische Hang Seng in Honkong, noch deutlicher aber der Nikkei in Tokio zu. Auf die wenige Tage zuvor vereinbarte Kooperation zwischen China und Japan ist der Lichtblick an den wichtigen asiatischen Börsen kaum zurückzuführen.

China und Japan unterzeichnen Kooperationsabkommen

Dabei hatte es durchaus für Überraschung gesorgt, als sich Chinas Parteiführer Xi Jinping und Japans Regierungschef Shinzo Abe die Hände reichten und eine Reihe von Kooperationsverträgen unterzeichneten. Was zuvor wegen der seit 40 Jahren angespannten Beziehungen als schier undenkbar galt, wurde wegen Donald Trumps Tiraden gegen Freund und Feind zur neuen Realität. Er hatte zuvor Japan massiv unter Druck gesetzt, seine Exportüberschüsse in die USA zu reduzieren.  

Während Trump an der bewährten globalen Wirtschaftsordnung rüttelt, bilden sich neue Allianzen. Die Staatschefs aus China und Japan verständigten sich auf eine Kooperation bei Gesundheit, Finanzdienstleistungen sowie Logistik und Infrastrukturprojekten in Drittländern. Das bedeutet nichts anders, als dass sich Japan nun auch an Chinas Renommierprojekt der „Neuen Seidenstraße“ beteiligen dürfte. Außerdem wurde ein erweiterter Währungstausch über rund 22 Mrd. Euro vereinbart, falls es zu Finanzkrisen kommen sollte.

Aus chinesischer Sicht kommt dies einer verstärkten Anerkennung der eigenen Währung gleich und schwächt die Stellung der US-Dollar als Weltleitwährung. Für Anleger wäre dies eigentlich ein positives Signal, wenn chinesische und japanische Unternehmen auf breiter Front profitieren. Immerhin sind über 23.000 japanische Firmen in China aktiv das für Japan wichtigster Handelspartner ist. Umgekehrt ist Japan für China zweitwichtigster Handelspartner.

Goodwill-Signal gegen Handelsbarrieren

In der Vergangenheit hatte es zuletzt 2014 und 2016 ähnliche vorsichtige Kontakte gegeben, allerdings ohne derart klar formulierte Ergebnisse. Letztlich muss erst die Zukunft zeigen, wie viel das jüngste Kooperationsabkommen zwischen Japan und China tatsächlich wert ist. Denn Japan muss schon wegen seines Hauptverbündeten USA sehr vorsichtig agieren. Zudem birgt Chinas Machtstreben in Asien potenziellen Zündstoff für die Beziehungen zu Tokio.

Und so erfuhr die Welt nur drei Tage später, dass Japan mit Indien an der Seite der USA und Australiens zusammenarbeiten will. Diesmal ging es beim Besuch in Indien um militärische Kooperationen. Der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen wurde eher beiläufig vereinbart. Der Tenor: „Die Beziehungen zwischen Japan und Indien haben das größte Potenzial der Welt“. Die Treffen sind somit in ihrem Kontext zu bewerten. Sie verdeutlichen die Präferenzen, zeigen aber zugleich guten Willen und sind eher ein generelles Signal gegen Handelsbarrieren und Protektionismus.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.