China verbietet Kryptobörsen – was bedeutet das für Anleger?

China sorgte im September für große Aufregung am Krypto-Markt. Die Peoples Bank of China (PBoC) deklarierte sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) in China für illegal. Dies bedeutet, dass Blockchain-Unternehmen vorerst keine ICOs mehr in China veranstalten können, um Geld von chinesischen Konsumenten einzusammeln.

Wenig später wurde bekannt, dass auch führende chinesische Kryptobörsen wie BTC China, auf denen Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum gehandelt werden, zum Monatsende bzw. Ende Oktober schließen müssen.

In Reaktion darauf flossen binnen weniger Tage und Wochen mehr als 50 Mrd. US-$ aus dem Markt für Kryptowährungen ab. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen näherte sich kurzfristig wieder der Marke von 100 Mrd. US-$, nachdem bereits mehr als 170 Mrd. US-$ in den Markt für digitale Währungen investiert wurden.

Warum verbietet China ICOs?

Hier stellt sich für Investoren und Anleger die Frage, warum China so massiv gegen das Fundraising durch ICOs und Kryptobörsen vorgeht? Ein Grund dürfte sicherlich der Umstand sein, dass ICOs zunehmend außer Kontrolle geraten sind.

Anleger müssen wissen, dass Initial Coin Offerings (ICOs) weitgehend unreguliert sind. Dies bedeutet, praktisch jeder kann mit relativ einfachen Mitteln sein eigenes ICO abhalten und einfach Geld einsammeln, was naturgemäß auch Betrüger anlockt.

Das hat dazu geführt, dass im ersten Halbjahr 2017 mehr als 1,2 Mrd. US-$ weltweit in ICOs geflossen sind. Allein in China sammelten 65 ICOs rund 400 Mio. US-$ von mehr als 100.000 Investoren ein, so die National Internet Finance Association of China. China will seine Anleger vor unseriösen Projekten und Kapitalverlusten schützen und hat deswegen ICOs kurzerhand verboten.

Warum unterbindet China den Handel mit Kryptowährungen?

China hat Kryptowährungen als digitales Asset wahrgenommen und zumindest bislang keine Konkurrenz durch Kryptowährungen zur Landeswährung Yuan gesehen. Diese Ansicht hat sich mit dem massiv gestiegenen Handelsvolumen offenbar geändert. Tatsächlich erreicht der weltweite Handel mit Kryptowährungen inzwischen ein tägliches Volumen von 3 Mrd. US-$ und ist damit keine kleine Nische mehr.

Zudem haben viele Chinesen Kryptowährungen wie den Bitcoin dazu genutzt, um die strikten Kapitalverkehrskontrollen in China zu umgehen und Geld ins Ausland zu transferieren. Während Geldtransfers mit Western Union meist hohe Gebühren verschlingen und zudem auf 500 US-$ pro Tag begrenzt sind, fallen diese Beschränkungen beim Bitcoin weg, auch sind die Überweisungsgebühren wesentlich geringer.

Zudem will China durch die Schließung von Kryptobörsen offenbar verhindern, dass sich chinesische Konsumenten in einem hochspekulativen Markt engagieren und dadurch viel Geld verlieren. Bekanntlich schwanken Kryptowährungen sehr stark und einige namhafte Banker wie JPMorgan-Chef Jamie Dimon sehen in Bitcoin & Co sogar einen Betrug.

Was bedeuten das für den Krypto-Markt und seine Anleger?

Die drastischen Maßnahmen aus China haben zunächst zu einer großen Verunsicherung am Krypto-Markt geführt. Diese Aktionen zeigen, dass Kryptobörsen das schwächste Glied in der Kette sind und relativ einfach abgeschaltet werden können. Aus diesem Grund erwarten Marktbeobachter, dass in 2018 vermehrt dezentrale Kryptobörsen oder Plattformen wie Decred, BitShares oder OpenLedger DEX an Bedeutung gewinnen.

Der Vorteil dezentraler Kryptobörsen ist der, dass diese eben nicht durch staatliche Kontrolle einfach abgeschaltet und auch nicht durch einen Server-Ausfall gestoppt werden können. Zudem findet der Handel direkt zwischen den Handelspartnern statt. Dies bedeutet, dass der Coin-Besitzer die vollständige Kontrolle über seine Kryptowährungen hat, keine dritte Partei steht mehr dazwischen.

Der Nachteil dezentralen Kryptobörsen ist, dass die Liquidität an diesen dezentralen Marktplätzen noch recht niedrig ist. Auch müssen Anleger hier auf Komfort und Nutzerfreundlichkeit verzichten. Darüber hinaus dürfte sich durch die Schließung der Kryptobörsen in China das Marktgeschehen und Volumen weiter Richtung Japan und Südkorea verlagern, was bereits heute schon erkennbar ist.

Fazit: Markt verlagert sich weg von China und bildet den Nährboden für dezentrale Kryptobörsen

Die Maßnahmen von China, ICOs zu verbieten und Kryptobörsen im Inland zu schließen, werden den Fortschritt der Blockchain-Technologie wohl nicht aufhalten. Denn zahlreiche große Unternehmen wie IBM und Microsoft sind inzwischen in diesem Bereich engagiert.

Daneben dürften dezentrale Kryptobörsen immer mehr an Bedeutung gewinnen, da diese nicht mehr so leicht angreifbar sind und dem Anleger zudem die direkte Kontrolle über Coins geben, ohne das ein dritter Partner benötigt wird.

Welche Kryptowährung (Bitcoin, Ethereum usw.) sich am Ende durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Anleger sollten bedenken, dass die gesamte Krypto-Welt erst am Anfang steht. Nur knapp 0,2 % des weltweiten Gesamtvermögens sind in Kryptowährungen investiert. Anleger sollten also damit rechnen, dass der Krypto-Markt auch in Zukunft sehr volatil bleiben wird und daher nur für äußerst risikobewusste Anleger interessant ist.

26. September 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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