Chinas Aktien bereit für internationale Investoren

Seit August dieses Jahres hat MSCI chinesische Aktien in den Index für Schwellenländer aufgenommen. Mehrfach scheiterten ähnliche Bemühungen. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Der Aufschwung der chinesischen Wirtschaft schreitet ungebrochen voran. Nach Jahren des hektischen Wachstums gehen diese allmählich in eine Phase der Konsolidierung über.

Bereits 3 Mal hat die Pekinger Börse den Versuch unternommen, in den viel beachteten MSCI Index für Schwellenländer aufgenommen zu werden. Nun ist es endlich soweit. Für Analysten allerdings war dieser Schritt keine große Überraschung mehr.

MSCI (Morgan Stanley Capital International) ist ein US-amerikanischer Finanzdienstleister und weltweit führender Indexbetreiber. Die ersten globalen Aktienindizes wurden 1968 veröffentlicht. Viele private Investoren und Fondsmanager verwenden die Indizes von MSCI als Vergleichsmaßstab (Benchmark) für die Entwicklung der eigenen Portfolios.

MSCI: Chinas A-Aktien werden salonfähig

MSCI hat 222 so genannte chinesische A-Aktien (Tencent, China Mobile, Alibaba u.s.) ab August 2017 in die Berechnung des 1,5 Billionen US-$ schweren Index für Schwellenländer (MSCI Emerging Markets) miteinbezogen. In den Jahren zuvor war dieses Ansinnen mehrmals gescheitert, weil der Indexbetreiber starke Bedenken äußerte.

Die häufigen Aussetzung von Notierungen und Unterbrechungen beim chinesischen Aktienhandel sowie der eingeschränkte Zugang von internationalen Anlegern zum heimischen Kapitalmarkt waren die Gründe.

In China gibt es 2 Kategorien von Aktien: A-Aktien sind Anteilsscheine von Gesellschaften, die in der Währung Chinas, dem Renminbi Yuan, gehandelt werden. Diese Wertpapiere konnten ursprünglich nur von chinesischen Anlegern gehandelt werden.

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Daneben sind an den Börsen in Shenzen und Shanghai auch B-Aktien erhältlich, die in ausländischen Währungen notieren. MSCI bezieht in die Berechnung seines Schwellenländer Indizes bereits chinesische Titel ein, die an den Aktienmärkten in den USA und Hongkong gehandelt werden.

Die Neuaufnahme in den Index findet Anklang

Die neu aufzunehmenden Wertpapiere werden im MSCI Emerging Markets einen Anteil an der Marktkapitalisierung von 0,73 % (rund 11 Mrd. €) ausmachen. Von chinesischer Seite wird die neue Entwicklung begrüßt. Hier herrscht die Meinung vor, dass die Börse im Reich der Mitte stark profitieren werde.

Auch internationale Experten sehen die Neuaufnahmen positiv. Der chinesische Markt für A-Aktien sei vom Volumen her der zweitgrößte der Welt. Eine ganze Reihe der hier notierten Gesellschaften seien global positioniert und wiesen etablierte Geschäftsmodelle auf. Dadurch verkörperten sie eine starke Preismacht.

In der Gunst von privaten Anlegern und Vermögensverwaltern haben sich Wertpapiere aus Schwellenländern weiter nach vorn geschoben. Die Einstiegschancen werden allgemein als attraktiv bezeichnet. Für ein Engagement sprechen in vielen Fällen eine unterdurchschnittliche Bewertung und gesunde Wirtschaftsdaten.

Mit der Neuaufnahme der chinesischen A-Aktien erweitert MSCI seinen Schwellenländer Index. Darüber hinaus gibt es Pläne, Wertpapiere aus Saudi Arabien, Nigeria und Argentinien neu bzw. erneut dem stark beachteten Aktienmarkt-Barometer beizufügen.


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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.