Chinas Immobilienmarkt – die größte Spekulationsblase aller Zeiten?

Zwar sind die chinesischen Exporte im Monat September um 10% gegenüber dem Vorjahr gesunken, dennoch dürfte die chinesische Wirtschaft auch im dritten Quartal 2016 um 6,7% gewachsen sein, glauben Statistiker.

Die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft ist jedoch ein zweitrangiges Problem im Reich der Mitte. In Peking macht man sich zunehmend Sorgen um den zunehmend überhitzten Immobilienmarkt in China.

Neben Chinas Zentralbank-Chef Zhou Xiaochuan, warnt nun auch Chinas reichster Mann Wang Jianlin im Interview mit dem US-Sender CNN vor der „größten Blase der Geschichte“.

Chinas Immobilienmarkt: Wanda-Chef warnt vor Spekulationsblase

Wang Jianlin muss es wissen, denn der Mann herrscht über Chinas größtes Immobilien- und Freizeitimperium Wanda Group. Der Chef der Wanda Group hat sein Vermögen in Höhe von über 40 Mrd. US-$ überwiegend dem boomenden Immobilienmarkt in China zu verdanken.

Doch die Preise an Chinas Immobilienmarkt sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass selbst Wang Jianlin inzwischen von einer Spekulationsblase spricht.

Immobilienpreise in Chinas Großstädten steigen um 30 bis 40%

Allein in der Wirtschaftsmetropole Shanghai kletterten die Wohnungspreise allein in diesem Jahr um rund 30%. Kleinere Wohnungen im Stadtzentrum von Shanghai kosten inzwischen 1 Mio. Euro und mehr. Der Quadratmeterpreis in der Shanghaier Innenstadt liegt inzwischen bei umgerechnet 13.400 €.

Ähnlich ist die Situation in Peking. Sogar außerhalb des chinesischen Stadtzentrums müssen Wohnungskäufer mit Preisen von weit über 6.000 € pro Quadratmeter rechnen. Noch stärker stiegen die Immobilienpreise in chinesischen Großstädten aus der zweiten Reihe. In Xiamen zum Beispiel kletterten die Immobilienpreise gegenüber dem Vorjahr um knapp 44%.

IWF warnt China vor Kreditwachstum und hohen Schulden

In der Vergangenheit hat der Immobilienboom das Wirtschaftswachstum in China noch beflügelt, doch inzwischen ist der Markt zu einer echten Gefahr für Chinas Wirtschaft geworden.

Der Grund: Laut Capital Economics steht der chinesische Immobiliensektor mit Krediten von insgesamt 3,6 Billionen US-$ (!) bei den einheimischen Banken in der Kreide. Damit sitzt der Banken-Sektor in China auf erheblichen Kreditrisiken, sollte es zu einer Krise am Immobilienmarkt kommen.

Diese Risiken haben inzwischen sogar den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf den Plan gerufen, der China im August gewarnt und aufgefordert hat, das Kreditwachstum zu drosseln.

Zwar haben einige chinesische Großstädte inzwischen Beschränkungen beim Immobilienkauf und der Vergabe von Hypothekenkrediten erlassen, welche den Immobilienkauf auf Pump erschweren, doch die Gefahr ist damit noch nicht gebannt.

Fazit: Immobilienblase bedroht chinesische Wirtschaft

Aufgrund der niedrigen Zinsen haben sich viele Chinesen in den letzten Jahren neben der Eigentumswohnung eine weitere Immobilie als Kapitalanlage zugelegt.

Die Wohneigentumsquote beträgt in China inzwischen mehr als 100%. Dies bedeutet, dass die Zahl der Eigentumswohnungen inzwischen die Zahl der Mietobjekte übersteigt. Kommt es auf einem Markt zu einem Überangebot, fallen meist die Preise.

Sollte die Immobilienblase in China platzen und der Immobilienboom jäh enden, droht der Immobiliensektor nicht nur die Baubranche, sondern auch die Gesamtwirtschaft in Mitleidenschaft zu ziehen.

Da China inzwischen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den USA ist, würde dies auch deutsche Firmen treffen, die Geschäfte in China machen, wie zum Beispiel Automobilproduzent Volkswagen.

Auch einheimische Unternehmen wie der E-Commerce-Gigant Alibaba Group, die Suchmaschine Baidu oder der Internetkonzern Tencent Group wären von einem wirtschaftlichen Einbruch betroffen.

Für Anleger bleibt China daher ein „heißes Eisen“ – der Markt bietet zwar weiter große Chancen, doch auch die Risiken sind nicht zu unterschätzen. Denn noch ist nicht konkret ersichtlich, wie China den exorbitanten Anstieg der Immobilienpreise sowie die ausufernden Schulden (Chinas Staatsverschuldung beträgt 20 Billionen €) in den Griff bekommen will.

25. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt