Chinas Konjunktur: Aussichten für deutsche Unternehmen

Mit offiziell 6,7 % hat sich das Wachstum der chinesischen Konjunktur verlangsamt. Aber was bedeutet das für die deutsche Industrie? (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Seit dem Jahr 1990 hat die Konjunktur Chinas einen kaum für möglich gehaltenen Boom entwickelt. Zweistellige Zuwachsraten verblüfften Finanzexperten und Anleger gleichermaßen. Allerdings hat sich der Anstieg in der jüngeren Vergangenheit kontinuierlich abgeschwächt. Im Jahr 2016 wurde die Wachstumsrate von Regierungsbehörden mit „nur noch“ 6,7 % – dem niedrigsten Stand seit 1990 – angegeben.

Die Führung des chinesischen Staates führt den stetigen Rückgang auf die Folgen einer grundlegenden Neuausrichtung der heimischen Wirtschaft zurück. In Zukunft solle die Konjunktur statt auf Schwerindustrie, schuldenfinanzierte Investitionen und Export, auf Innovationen, einer anziehenden Binnennachfrage sowie Dienstleistungen basieren.

Konjunktur in China: Überraschender Aufschwung in 2017

Die chinesische Wirtschaft hat nach einem überraschenden Anstieg im letzten Quartal des Jahres 2016 auf 6,8 % in den ersten 3 Monaten 2017 noch einmal zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum belief sich das Wachstum auf 6,9 %. Von offizieller Stelle wurde betont, dass der heimische Konsum erstarke, sich die Exporte erholten und die Produktion robust sei.

Detaillierte, konjunkturelle Daten bestätigen das: In China ist die Industrieproduktion im 1. Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,8 % gewachsen, die Einzelhandelsumsätze hatten insgesamt um 10 % und die Anlageinvestitionen um 9,2 % zugelegt. Dennoch bleiben Wirtschaftsexperten kritisch.

Bemängelt wird, dass die Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft kurz- und mittelfristig nach wie vor nur schleppend vorangehen dürfte. Und das, obwohl Peking dabei sei, das Wachstumsmodell des Landes umzubauen. Trotzdem werde die Wirtschaft auch weiterhin erheblich durch neue Schulden in den falschen Bereichen am Leben gehalten.

Als die größten Risiken für die chinesische Volkswirtschaft werden im Jahr 2017 der anhaltend schwache Außenhandel sowie drohende Probleme beim Handel mit den Vereinigten Staaten und der Protektionismus des neuen US-Präsidenten Donald Trump betrachtet.

Die chinesische Wirtschaft und ihr Einfluss auf deutsche Unternehmen

In der Rangliste der wichtigsten Exportpartner Deutschlands ist China im Jahr 2016 erstmals auf Platz 1 aufgestiegen und hat die USA als bedeutendster Handelspartner abgelöst. Diese Entwicklung wurde begünstigt durch die lockere Vergabepolitik der chinesischen Banken und enorme staatliche Stützungsmaßnahmen wie Infrastrukturinvestitionen.

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Der Aufschwung der chinesischen Konjunktur begünstigte in den zurückliegenden Jahren in besonderem Maße die deutsche Automobilindustrie. Volkswagen, BMW, Daimler und Co. steigerten Jahr für Jahr ihre Absatzzahlen im Reich der Mitte. Seit 2015 aber schwächt sich auch dieser Boom ab.  Dennoch wird von Experten erwartet, dass China auf Dauer Absatz- und Produktionsschwerpunkt der globalen und damit auch der deutschen Automobilindustrie bleibt. Der Bedarf an Personenwagen sei bei Weitem noch nicht gedeckt.

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich merklich abgeschwächt. Und obwohl in vielen Bereichen noch Nachholbedarf besteht, steigen die Risiken für die deutschen Produzenten und Dienstleister.

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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