Chinas Krise: Wie lange reichen die Devisenreserven noch?

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Hinter der schwelenden Krise in China steckt eine schwache Währung, ein rasanter Devisenabbau für mehr Kredite an unrentable Unternehmen. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Gleich ob in wirtschaftlich guten Zeiten, oder bei heraufziehenden Wolken für die Weltkonjunktur – stets richtet sich der Blick auf China. In nahezu keiner Unternehmensbilanz fehlt der Hinweis auf Absatzerfolge oder den Ausbau im chinesischen Markt. Dessen scheinbare Zuverlässigkeit lässt fast vergessen, dass sie alles andere als garantiert ist. Was, wenn China in die Krise gerät?

Handelsstreit legt Schwachstellen frei

Während der Gedanke gerne verdrängt wird, drängen sich Anzeichen auf, die zeigen, dass China schon lange gegen die Krise kämpft. Auf jeden Fall schwächt sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft ab. Wichtiger Indikator ist der Einkaufsmanager-Index. Werte unter 50 signalisieren einen Abschwung. Der Index für den Industriesektor ist auf nun 48,3 Punkte gefallen, der für Dienstleistungen auf 53,6. Beide haben ein gleich großes Gewicht, weshalb der Schnitt bei 50,9 liegt – knapp vorm roten Bereich.

Und fürs Bruttoinlandsprodukt erwartet die Weltbank 2019 einen Zuwachs von unter 6,5 %. Bereits 2018 war mit 6,6 % so niedrig wie seit 20 Jahren nicht. Natürlich mag man sich fragen, wo angesichts dieser Zahlen aus China eine Krise sein soll, wenn in Europa Werte über 2% Jubel auslösen. Mit 6,6% ist China um 667 Mrd. US-Dollar gewachsen, was der Größenordnung kompletter Volkswirtschaften wie Polen oder der Schweiz entspricht.

Tatsächlich aber geht es um mehr: eine schwelende Krise in China, die seit Jahren durch die Regierung geschickt überdeckt wird. Der Handelsstreit mit den USA verursacht Schäden, kratzt aber eher an der Fassade- und legt dabei Schwachstellen frei. China belebt zwar andere Volkswirtschaften, bereichert sich aber zugleich, in einer Form, die es etwa zwischen den USA und der EU so nicht gibt.

Pekings Pulverfass

Trumps Vorwurf in Richtung Diebstahl geistigen Eigentums und erzwungener Technologietransfer ist nicht unberechtigt. Bislang waren sie wesentliche Pfeiler für Chinas Wachstum. In der Hinsicht agiert Peking protektionistischer als der US-Präsident. In der Hinsicht gibt es eine Krise mit China. Im Idealfall bietet sie die Chance, dass sich an einigen Stellen etwas ändert, auch im Sinne deutscher Unternehmen, und zwar nicht nur Größen wie Daimler, Siemens oder VW.

In China selbst baut sich im Immobiliensektor schon länger Krisenpotenzial auf. Trotz überdrehter Preise sind die letztes Jahr in den Zentren um weitere 7,9 % gestiegen. Die Blase wächst. Von einer Korrektur bedroht sind im Schnitt drei Viertel des Vermögens der privaten Haushalte. Kein Wunder dass viele ihre Konsumfreude bremsen, worunter auch europäische Luxusgüterhersteller leiden.

Dass gleichzeitig rund 22% aller Wohnungen leer stehen, sorgt für erheblich sozialen Sprengstoff. Die Regierung kämpft gegen das massive Aufkommen neuer marxistischer Gruppen. Ihre Proteste richten sich auch gegen extrem niedrige Löhne und mangelnde Absicherung für Arbeitslose. Deren Zahl ist mit der jüngsten Pleitewelle deutlich angestiegen. Letztes Jahr wurden rund 60% mehr Firmen-Insolvenzen angemeldet. 2019 wird mit weiteren 20% gerechnet.

Finanzkrise Made in China

Zu viele Unternehmen können sich nicht selbst tragen und hängen an Bankdarlehen. Die Geldinstitute selbst sitzen auf faulen Krediten, werden aber von der Zentralbank mit neuem Geld versorgt. AKtuell mit der Vorgabe, die nächsten drei Jahre im Schnitt mindestens 50 % der Kreditvolumina an Unternehmen zu vergeben, damit die Konjunktur nicht abbricht.

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Das Problem: Die Devisenzuflüsse in Form von Euro- und vor allem Dollarnoten stützen traditionell die chinesische Währung Renminbi. In der Regel werden sie in US-Staatsanleihen angelegt. China ist der größte Gläubiger der USA. Doch der Zufluss hat nachgelassen und die US-Währung ist stärker geworden. Ihre massive Kreditvergabe stemmt die Zentralbank daher mit dem zunehmenden Verkauf der US-Anleihen. Was wie ein Machtgebaren aussieht, ist tatsächlich eine Schwäche. China hält seit Jahren seine Währung niedrig – und muss immer mehr Reserven abbauen.

China hat eine System-Krise, man könnte sie auch „tickende Zeitbombe“ nennen. Geht sie in der Abwärtsspital hoch, sind nicht nur deutsche, europäische und US-Unternehmen betroffen. Gerade der von China direkt abhängige asiatische Raum wird massiv in Mitleidenschaft gezogen. Wann und ob es überhaupt zu einer Finanzkrise Made in China kommen wird, ist reine Spekulationssache. Vieles hängt vom Dollarkurs ab. Noch sind die Devisenreserven so hoch, dass Peking ein paar Jahre Zeit hat, mit Reformen gegenzusteuern.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.