Chinas Netflix: Baidu-Tochter iQiyi geht an die Börse

Baidu bringt seine Videostreaming-Tochter iQiyi an die Börse. Was erwartet Anleger? (Foto: Shutterstock.com)

„Chinas Netflix“ geht an die Börse. Gemeint ist das Unternehmen iQiyi, eine Tochter der chinesischen Suchmaschine Baidu, das jüngst Unterlagen für den Börsengang eingereicht hat.

Angestrebt wird ein Gang an die Technologiebörse Nasdaq, wo iQiyi-Aktien dann später unter dem Ticker-Symbol „IQ“ notieren sollen. iQiyi erhofft sich durch den Börsengang einen Mittelzufluss von mehr als 1,5 Mrd. US-$. Begleitet wird der Börsengang von Goldman Sachs, Credit Suisse und Bank of America Merrill Lynch, die federführend die Bücher führen.

Da Netflix in den letzten Jahren vielen Anlegern eine herausragende Rendite beschert hat – Netflix-Aktien legten in 5 Jahren um mehr als 1.000 % zu – fragen sich viele Anleger, ob iQiyi eine ähnliche Erfolgsstory gelingt?

Was ist iQiyi?

iQiyi wird von Marktbeobachtern gerne als „Chinas Netflix“ bezeichnet. Die Bezeichnung rührt daher, da iQiyi, ähnlich wie Netflix, einen gebührenpflichtigen Internet-TV-Service anbietet. Gegen eine monatliche Gebühr haben chinesische Kunden Zugriff auf ein umfangreiches Videoangebot.

Gegründet wurde iQiyi ursprünglich im Jahr 2010 von Baidu, Chinas größter Suchmaschine, um im Geschäft mit Video-Streamingservices Fuß zu fassen. Dies bedeutet, dass die Videoinhalte direkt übers Internet auf den heimischen Fernseher, auf dem PC, das Smartphone oder Tablet übertragen werden.

Ähnlich wie Netflix produziert auch iQiyi eigene TV-Serien und Inhalte, die nirgendswo anders zu finden sind. Die Eigenproduktion (Original-Serie) „The Lost Tomb“ von iQiyi verzeichnete bereits mehr als 4 Milliarden Videoabrufe und gehört zu den erfolgreichsten TV-Dramen in China.

iQiyi in Zahlen

In den letzten Jahren ist iQiyi enorm gewachsen. Die Zahl der zahlenden Abonnenten hat sich im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Inzwischen zählt iQiyi mehr als 50 Millionen zahlende Kunden für seinen gebührenpflichtigen Abo-Videodienst.

Zudem nutzen mehr als 420 Millionen Menschen jeden Monat aktiv iQiyi auf ihrem Smartphone, während über 424 Millionen Nutzer vom PC auf iQiyi zugreifen. Im Schnitt verbringt ein Nutzer pro Tag 1,7 Stunden auf iQiyi.

Das starke Nutzerwachstum hat dazu geführt, dass die Baidu-Tochter seinen Umsatz in 2017 auf 2,75 Mrd. US-$ steigern konnte, nach 1,78 Mrd. US-$ im Jahr vorher. Allerdings schreibt iQiyi seit seiner Gründung im 2010 noch tiefrote Zahlen. Im Jahr 2017 fiel ein Verlust von umgerechnet 592 Mio. US-$ an, nach einem Minus von 486 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Warum geht das Unternehmen an die Börse?

iQiyi will den Börsengang dazu nutzen, um bis zu 1,5 Mrd. US-$ aufzunehmen. Die Baidu-Tochter will etwa die Hälfte der Nettozuflüsse dazu nutzen, um sein Content-Angebot weiter auszubauen. 10 % der Mittel sollen in die Technikentwicklung fließen. Der Grund: Das Geschäft mit Film- und TV-Inhalten ist sehr kostenintensiv. Die Produktionskosten bei iQiyi für Inhalte summierten sich im Vorjahr auf etwa 1,1 Mrd. US-$.

Warum Netflix seine Content-Strategie ändern willNetflix will in 2017 rund 6 Mrd. US-$ für Content ausgeben und setzt verstärkt auf Eigenproduktionen. Original-Filme könnten daher bald seltener werden. › mehr lesen

Zudem ist der Wettbewerb in diesem Umfeld sehr hart. Der Konkurrent Tencent gilt mit Tencent Video und über 450 Millionen Mobile Nutzern als der führende Videoanbieter auf dem Smartphone – iQiyi folgt mit über 440 Millionen Mobile-Nutzern dicht dahinter. Mit von der Partie ist auch Chinas führender E-Commerce-Gigant Alibaba und dessen Tochter Yukou Tudou, deren App mehr als 320 Millionen Nutzer verzeichnet.

Mithilfe der frischen Mittel will iQiyi letztendlich auch den Sprung in die Gewinnzone schaffen, nachdem die Baidu-Tochter seit seiner Gründung rote Zahlen schreibt. Beim US-Investmenthaus JP Morgan glaubt man, dass dies dem Sektor im Jahr 2019 gelingen könnte.

iQiyi Börsengang – Was Anleger noch wissen müssen

Im Rahmen des iQiyi Börsengangs werden ausschließlich Klasse A Aktien der Öffentlichkeit angeboten, die mit weniger Stimmrechten ausgestattet sind.

Baidu hat mehr als 2 Mrd. US-$ in den letzten Jahren in iQiyi und dessen Inhaltsangebot investiert und will auch nach dem Börsengang weiter die kontrollierende Mehrheit an dem Unternehmen behalten – dies stellt Baidu dadurch sicher, indem die Suchmaschine alle Klasse B Aktien mit Stimmrechten halten wird. Zuletzt hielt Baidu 80,5 % der Anteile an iQiyi.

Fazit: iQiyi Börsengang nur für risikobewusste Anleger interessant

Mit iQiyi dürfte einer der größten Hightech-Börsengänge in diesem Jahr ins Haus stehen. Marktbeobachter taxieren den Wert des iQiyi-Börsengangs auf 10 bis 15 Mrd. US-$.

Interessant für Anleger ist vor allem die Zusammenarbeit zwischen iQiyi und Netflix, nachdem die beiden Firmen im April 2017 einen Deal geschlossen haben, wodurch iQiyi-Abonnenten Zugriff auf populäre Netflix-Serien wie „Black Mirror“, „Stranger Things“ und „Mindhunter“ erhalten. Anleger müssen wissen, dass Netflix in China de facto einen Partner benötigt, um den Markt zu erobern – hier hat sich Netflix offenbar für iQiyi entschieden.

Anleger sollten aber auch die Risiken nicht aus den Augen verlieren. Zum einen sieht sich iQiyi starken Wettbewerbern wie Tencent und Alibaba gegenüber, die sehr viel Kapital zur Verfügung haben, um ihre Videodienste auszubauen. Zum anderen schreibt iQiyi schreibt nach wie vor hohe Verluste, was sich auch in 2018 nicht ändern dürfte. Erst für 2019 bzw. 2020 sehen Analysten Licht am Ende des Tunnels und halten einen Sprung in die Gewinnzone für möglich.

Kurzum: iQiyi bleibt trotz positiver Wachstumsperspektiven – der chinesische Markt für Online-Unterhaltungsdienste soll in 2022 ein Volumen von über 108 Mrd. US-$ erreichen – ein sehr spekulatives Investment. Anleger müssen wissen, dass iQiyi im Vergleich zu Netflix bislang eher lokal in Asien aktiv ist, zudem hat Netflix mehr als doppelt so viele Abonnenten. Der Erfolg von iQiyi wird daher maßgeblich davon abhängen, ob und wie sich die Baidu-Tochter gegen die lokale Konkurrenz behaupten kann.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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