Chinas Top-Unternehmen: im Ausland häufig erfolglos

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Chinas Top-Unternehmen wie Baidu, Alibaba und Tencent warten noch auf den großen Durchbruch im Ausland. Warum? (Foto: Peter Beens)

Erst im Juli wurde bekannt, dass sich Chinas führende Suchmaschine Baidu aus Brasilien zurückziehen wird, nachdem man 5 Jahre vergeblich versucht hatte, den wichtigsten lateinamerikanischen Suchmaschinenmarkt zu erobern, so die Lokalzeitung Valor Econômico.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Chinas Top-Unternehmen im Ausland scheitern. Bereits im Jahr 2015 scheiterte Baidu in Japan, nachdem man seit 2007 versucht hatte, im Land der aufgehenden Sonne Fuß zu fassen.

Auch Chinas führender E-Commerce-Konzern Alibaba Group versucht seit einigen Jahren in den USA und in Europa stärker Fuß zu fassen und gegen Amazon.com Marktanteile zu gewinnen – mit mäßigem Erfolg.

Warum scheitern Chinas Top-Unternehmen im Ausland häufig?

Auch der jüngste Anlauf der Alibaba-Tochter Ant Financial den US-Zahlungsdienst MoneyGram für 1,2 Mrd. US-$ zu übernehmen, scheiterte am Veto der US-Regulierungsbehörden. Auch der Weg durch Übernahmen im Ausland Fuß zu fassen, wird für chinesische Unternehmen offenbar immer schwieriger. Doch warum tun sich Chinas Top-Unternehmen im Ausland oft schwer und scheitern häufig?

1. Andere Länder, andere Sitten

Chinas Top-Unternehmen wie Tencent, Alibaba, Baidu und BYD sind in China groß geworden, doch scheitern Chinas Top-Unternehmen oft daran, diesen Erfolg im Ausland zu wiederholen.

Neben der fehlenden Erfahrung mit Auslandsexpansionen, unterschätzen viele chinesische Unternehmen offenbar die unterschiedlichen Kulturen, was Produkt-Design und Benutzeroberflächen angeht. Auch was das Thema Datenschutz, Privatsphäre und Zensur angeht, haben europäische und amerikanische Konsumenten oft eine ganz andere Vorstellung als chinesische Nutzer, für die Internetzensur längst zum Alltag gehört.

2. Probleme mit dem Datenschutz

Bestes Beispiel ist der in China sehr erfolgreiche QQ Messenger von Tencent, der dort ca. 800 Mio. aktive Benutzer zählt. Das internationale Pendant QQ International führt dagegen eher ein Nischendasein (5 Mio. Downloads).

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Im Frühjahr 2018 sorgte die App zum Austausch von Nachrichten für Verwirrung bei den Nutzern, nachdem diese mit Verweis auf die neue EU-Datenschutzgrundverordnung ankündigte, den Dienst vorrübergehend einzustellen.

3. Kampf gegen Produktfälschungen

Auch Alibaba-Chef Jack Ma sorgte im Jahr 2016 für Lacher, nachdem der Manager auf einer Investorenkonferenz das Thema Produktfälschungen herunterspielte. Plagiate seien ohnehin oft besser und billiger als Originalprodukte, so Ma.

Sogar die chinesische Industrie- und Handelsaufsichtsbehörde geht davon aus, dass ein Großteil der Produkte auf dem Alibaba-Marktplatz Taobao gefälscht sind. Produktpiraterie ist daher nach wie vor ein Problem für Alibaba, zumal sich die Industrie in Europa und den USA zunehmend gegen Produktfälschungen aus China zur Wehr setzt.

Fazit: Chinas Top-Unternehmen müssen sich internationalen Normen besser anpassen

Zwar ist die Erfolglosigkeit von Chinas Top-Unternehmen im Ausland zunächst kein gravierendes Problem für Baidu, Alibaba & Co, wirft aber ein insgesamt schlechtes Licht auf Chinas Internetwirtschaft und die Rolle Pekings.

Chinas Regierung schützt zwar seine heimischen Internet-Stars durch Regulierung vor unliebsamer Konkurrenz aus dem Ausland, verhindert aber durch ein enges Korsett an Regularien auch gleichzeitig die Innovations- und Entwicklungsfähigkeit seiner Internet-Unternehmen im Ausland.

Wollen Chinas Top-Unternehmen auch im Ausland ernst genommen werden, müssen sich diese den internationalen Normen stärker anpassen und mehr Innovationsfähigkeit unter Beweis stellen. Einfach erfolgreiche Geschäftsideen kopieren, reicht im internationalen Wettbewerb oft nicht mehr aus, um sich durchzusetzen. Dann bricht auch für Baidu keine Welt zusammen, wenn sich Google doch wieder zurück nach China traut.

Unter dem Strich sind China-Aktien nach wie vor interessant für langfristig orientierte Anleger, die den aktuellen Handelsstreit zwischen den USA und China nur als vorübergehende Episode betrachten und vom wachsenden Riesenreich (Wirtschaftswachstum in 2018: 6,6 %) profitieren wollen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands