Chinesische Investoren kaufen wieder deutschen Champion

Nicht nur chinesische Konsumenten begeistern sich für „Made in Germany“ und kaufen gerne Autos von Daimler oder BMW. Auch Chinas Firmen und Investoren haben deutsche Technik auf der Einkaufsliste, am liebsten in Form kompletter Unternehmen. Und das immer häufiger. Allein im letzten Jahr gingen über 60 Firmen nach China. Ein Drittel mehr als noch 2015.

Ista: Per Übernahme nach China

Es dreht sich nicht nur um prominente Fälle wie der Verkauf des Betonpumpenspezialisten Putzmeister, des Roboterherstellers Kuka oder des Maschinenbauers KraussMaffei. Aktuell geht es um die Übernahme von Ista. China holt sich damit einen hoch digitalisierten und profitablen Energiedienstleister ins Land.

Dabei war alles andere als klar, dass Ista per Übernahme an China gehen würde. Das Investorenkonsortium Cheung Kong Property Holdings Limited (CKP) und CK Infrastructure Holdings Limited (CKI) aus Honkong war nicht der einzigen Interessent. Unter anderem hatten kanadische Pensionsfonds ein Auge auf das Essener Unternehmen geworfen.

Die Kanadier sind aber ausgestiegen, als die Milliardärsfamilie Li Ka-shing, der CKP und CKI gehört, mit ihrem Angebot bei 4,5 Mrd. € landete. CKP wird 65 % übernehmen, die Infrastruktur-Schwester CKI 35 %. Der Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Eingefädelt wurde er vom Verkäufer, dem britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners.

Lukrativer Deal für Altinvestor

Der hatte 2013 erneut die Mehrheit an dem Energiemesskonzern erworben, der zu dem Zeitpunkt noch 3,1 Mrd. € wert war, was aber auch schon eine ernorme Steigerung gegenüber den Anfängen darstellte. Nur in den Jahren ab 2007 hielt CVC einen Minderheitsanteil, nachdem es bereits zuvor die Mehrheit besaß. Und das seit 2003. Damals hatte der Investor die E.on-Tochter Viterra Energy Services übernommen und kurz darauf in ista Deutschland umbenannt.

In der Folgezeit entwickelte sich der rein deutsche Dienstleister zur Erfassung und Abrechnung von Wasser- und Heizkosten zum „hoch digitalisierten, europäischen Champion in Sachen Energieeffizienz“, so die eigene Beschreibung. Derzeit sind 5.400 Mitarbeiter in 24 Ländern beschäftigt, die über 12 Mio. Wohnungen und Gewerbeimmobilien betreuen. Der Umsatz betrug 2016 850 Mio. €, das operative Ergebnis (Ebitda) 370 Mio. €. Dieses Jahr sollen es 420 Mio. € werden.

Nach der Übernahme soll Ista auch in China weiterwachsen. Das Konsortium spricht von einem „langfristigen Engagement“. Der Kauf war zwar eine der größten Übernahmen 2017, doch der lukrative Deal könnte zum Verkauf des etwas größeren Ista-Konkurrenten Techem aus Frankfurt verleiten, der auch schon seit Jahren dem australischen Investor Macquarie gehört. Techem und Ista kontrollieren mehr als die Hälfte des deutschen Markts, was bereits das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen hat.

Systematischer Aufkauf unter Pekings Regie

Nun aber wird die Übernahme vom Wirtschaftsministerium mit Argwohn beobachtet. Ist sie doch Teil eine ganzen Reihe von Aufkäufen, mit denen China ein erklärtes Ziel verfolgt: Bis 2050 will es in sämtlichen Schlüsselbranchen Weltmarktführer werden. Dabei ist es umgekehrt in 38 Branchen verboten, chinesische Firmen zu kaufen. Beim Rest werden nur Joint-Ventures akzeptiert, und das mit hohen Hürden und Nachteilen.

Die Situation wird von der Bundesregierung als asymmetrisch und unfair bewertet. Da eigentlich alle chinesischen Investoren unter der Regie Pekings operieren, arbeiten Deutschland, Frankreich und Italien über die EU an Maßnahmen, den systematischen Ausverkauf europäischer Champions zu erschweren.

Für Anleger indes könnte Ista eine neue Chance bedeuten. Die GmbH steht auf der Liste geplanter IPOs. Zum Zeitpunkt eines Börsengangs gibt es allerdings noch keine Informationen. Derzeit ist alles offen.

8. August 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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