Chinesisches Kapital: Treibstoff für die deutsche Wirtschaft

Chinesische Investoren haben es derzeit nicht leicht, wenn es darum geht, sich mit ihrem Kapital in Deutschland zu engagieren. In der jüngsten Zeit hatte sogar der amtierende US-amerikanische Präsident Obama ein Veto gegen eine Investition aus dem Reich der Mitte bei Aixtron eingelegt. Die Vereinigten Staaten befürchten, dass Produkte des Unternehmens von den Chinesen auch militärisch genutzt werden können.

Osram ist ein ähnlicher Fall. Zurzeit prüft hier die Bundesregierung, ob durch den Deal eine Gefährdung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung vorliegt. Über weitere Einzelheiten hüllt man sich in Berlin in Schweigen.

Dabei haben chinesische Unternehmen bereits im ersten Halbjahr 2016 knapp 10 Mrd. € für deutsche Unternehmen ausgegeben. Und es gibt auch eine Reihe von Argumenten, die für chinesische Kapitalmaßnahmen in Deutschland sprechen.

Chinesische Investoren in Deutschland: Welche Vorteile bringt das mit sich?

Ein neues Zeitalter des chinesischen Kapitals ist angebrochen: Im Zuge des fundamentalen Wandels des Wachstumsmodells und der wirtschaftlichen Liberalisierung wird China in den nächsten 10 Jahren von einem Nobody zu einer treibenden Kraft weltweiter Investitionsströme. Nach realistischen Einschätzungen werden sich Chinas Vermögenswerte auf dem gesamten Globus bis zu Jahr 2020 auf fast 20 Billionen US-$ verdreifachen.

Die erste Welle chinesischen Kapitals trifft Europa bereits mit geballter Wucht. Ausländische Investitionen chinesischer Unternehmen übersteigen inzwischen 100 Mrd. US-$ pro Jahr und verlagern sich mehr und mehr von Engagements in Entwicklungsländer mit großen Ressourcen hin zu Immobilien, Marken, Technologie und anderen Werten in den Industrienationen.

China bietet vor allem die einmalige Gelegenheit, frisches Kapital nach Europa zu bringen, um das Wirtschaftswachstum wieder auf Touren zu bringen. Darüber hinaus ergeben sich große Chancen aus dem Innovationspotenzial chinesischer Gesellschaften, das sich über viele Branchen erstreckt.

Auch durch die engere Verflechtung von exportorientierten deutschen Gesellschaften, die durch Investitionstätigkeit stärker mit dem chinesischen Markt verbunden werden, bieten sich in Deutschland neue Chancen. Wie ausgewiesene Experten bestätigen, haben chinesische Investitionen keinen negativen Einfluss auf die Innovationskraft und die lokale Beschäftigungslage in Deutschland.

Bedenken gegen chinesische Investitionen in Deutschland

Gegen chinesische Investitionen in Deutschland spricht, dass die zugesagten Strukturreformen Pekings zu langsam umgesetzt werden. Hierzu gehören Subventionen und andere, den weltweiten Wettbewerb verzerrende, Eingriffe des Staates. Daneben erscheint eine stärkere Angleichung der deutschen und europäischen Investitionsprüfungen dringend notwendig.

Und das zum einen, weil diese Überprüfungen effizienter und einheitlicher gestaltet werden, und zum anderen, um das Vertrauen der Bürger in eine praktikable gesamteuropäische Lösung zu heben. Hierdurch ließen sich auch die potenziellen Sicherheitsrisiken in gewissem Maße kontrollieren und entschärfen. Außerdem könnte man damit populistischen Gegenargumenten den Wind aus den Segeln nehmen.

Chinesische Investoren engagieren mehr denn je in Deutschland. Finanzexperten stehen den Kapitalmaßnahmen aus dem Reich der Mitte überwiegend positiv gegenüber, während Politiker im In- und Ausland Sicherheitsbedenken äußern.

20. Dezember 2016

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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