Christian Dior Aktie: Darum berichtet kein Analyst mehr

Die Christian Dior Aktie wäre auch was für Privatanleger. Aber inzwischen steht sie für eine Investitionsholding des Milliardärs Arnault. (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

Nahezu überraschend stark sind Luxusgüter weltweit gefragt. Der zunehmende Wohlstand, gerade in den Schwellenländern, trägt erheblich dazu bei. Doch auch sonst kommen edle Marken an.

Die Boston Consulting Group (BCG) hat sich dem Phänomen gewidmet und unter anderem festgestellt, dass die wichtige Zielgruppe der jüngeren Generation zwar lässig und sportlich bevorzugt, gleichzeitig aber auf Marken setzt.

Teure Modemarken treiben Umsätze

Unternehmen, die es verstehen, Luxus in diesem Trendformat und dann auch online in Sozialen Netzwerken zu etablieren, haben gute Karten. Der Luxusmarkt wird BCG zufolge bis 2024 von derzeit 915 Mrd. auf 1,3 Bio. Euro anwachsen. Anlass, einen Blick auf die Luxus-Aktie von Christian Dior zu werfen. Das Papier ist bestechend, sorgt aber für Verwirrung – auch gibt es kaum noch Informationen dazu.

Zunächst: In Sachen Börsenwert ist Christian Dior die Nummer zwei nach LVMH (Louis Vuitton Moet Hennesy) und vor Kering und Hermès. Das französische Edelquartett beherrscht einen Großteil des weltweiten Markts mit Luxuswaren. Gemessen am Umsatz bis 2017 ist Christian Dior sogar an der Spitze.

Das Unternehmen erwirtschaftete mit Modeartikeln wie Seidenschals, Bekleidung, Lederwaren, Parfums, Uhren und Schmuck beachtliche Umsätze, die seit Jahren steigen: 2017 waren es 43,666 Mrd. Euro. Auch das operative Ergebnis konnte letztes Jahr erneut zulegen, auf 8,303 Mrd. Euro.

Begehrte Christian Dior Aktie ohne Handelsvolumen

Die Zahlen ähneln verblüffend denen von LVMH, dessen Umsätze und Gewinne nur leicht darunter liegen. Recht ähnlich ist auch die Performance an der Börse, wobei die Christian Dior Aktie mit einem Plus von 411 % auf Zehnjahressicht etwas besser lief. Die letzten 12 Monate ging es mit 47 % überdurchschnittlich bergauf.

Luxusaktien: Seien Sie lieber vorsichtig!Jahrelang lief es rund bei den Luxusaktien. Doch das globale Wachstum in dieser Branche kommt ins Stocken. › mehr lesen

Ein verlockendes Profil. Der große Haken: Anleger haben eigentlich keine Chance mehr, davon zu profitieren. Seit Mitte letzten Jahres hat sich der Streubesitz der Christian Dior Aktie auf ca. 3 % reduziert. Wer jetzt noch Aktien hat, lässt sie sich vergolden, am liebsten von Bernard Arnault. Doch dazu gleich mehr. Jedenfalls steigt der Kurs immer weiter. Private Interessenten gibt es genügend, sie kommen aber nur in seltenen Fällen zum Zug.

Der Blick auf den täglichen Börsenhandel zeigt, dass es fast nur Geldkurse gibt und keine Handelsumsätze. Die Aktie ist formal gelistet aber weitgehend illiquide. Wer davon profitiert, ist die Familie von Bernard Arnault. Der Multimilliardär hat seine Besitzverhältnisse an LVMH und Christian Dior neu geordnet. 2017 brachte er sämtliche Dior-Marken bei LVMH unter, das dafür 6,1 Mrd. Euro an die Christian Dior SE zahlte.

Investitionsholding von Milliardär Arnault

Seitdem bestehen deren Vermögenswerte fast nur noch aus Investitionen in den vormaligen Konkurrenten LVMH (41 %) und die dort gehandelten Dior-Labels (100 %). An LVMH ist auch die Arnault Familie mit 5,86 % beteiligt. Und die hält wiederum am genannten LVMH-Großinvestor Dior 96,52 % der Anteile. Neben einigen Institutionellen Investoren ergibt sich der minimale Streubesitz von 3 %.

Die dominante Beteiligung kam letztes Jahr in der Form zustande, dass Arnault rund 12,1 Mrd. Euro in die Hand nahm, um die 25 % der Minderheitsaktionäre aufzukaufen. Die bekamen pro Aktie zudem Anteilsscheine von Hermès. Auf dem Weg reduzierte Arnault seine Hermès Beteiligung von 8 % auf 1,87 %. Lediglich bei Kering hat er keine Karten.

Die Christian Dior Aktie steht somit seit fast einem Jahr für eine Investitionsholding der Milliardärsfamilie Arnault. Daher werden auch keine Dividenden mehr ausgewiesen, keine Termine angekündigt. Nach der Übernahme sind die Informationsquellen versiegt. Dass der verbleibende Streubesitz gegen Null geht, ist lediglich eine Frage der Zeit. Handelbar ist die Aktie eigentlich nur noch der Form halber – für Privatanleger ein interessantes Papier weniger.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.