Commerzbank-Aktie im Übernahmefieber

Die Commerzbank-Aktie wird von Übernahmephantasien getrieben. Favorit ist BNP Paribas. Doch der Bund kann nicht mit Verlust aussteigen. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Sie sind schon länger regelrechte Großbaustellen, doch die zwei börsennotierten Großbanken Deutschlands kommen mit ihren Umbauten voran. Und die Anleger sind seit etwas mehr als einem Jahr wieder optimistischer.

Bis Mitte 2016 hatten sowohl das Papier der Deutschen Bank als auch die Commerzbank-Aktie innerhalb eines Jahres weit über die Hälfte an Wert verloren. Von da an war die Talsohle durchschritten. Bei der anschließenden Erholung aber zeigten sich erhebliche Unterschiede.

Commerzbank-Aktie hängt alle ab

Während die Deutsche Bank auf Jahressicht mit fast 22 % zulegen konnte, schaffte es die Commerzbank-Aktie auf ganze 88,9 %. Dass die nach Bilanzsumme gut drei Mal kleinere Commerzbank den Branchenprimus abhängt, liegt nicht nur an den sich abzeichnenden Sanierungserfolgen.

Die Kernkapitalquote ist gestiegen und im Geschäft mit privaten und kleineren Firmenkunden, das eine zentrale Stütze ist, konnten über 321.000 Neukunden an Land gezogen werden. Die Deutsche Bank indes muss ihr Privatkundengeschäft mit der Postbank erst noch integrieren.

Die langfristig guten Aussichten schaffen Begehrlichkeiten. Nach Börsenwert ist die Commerzbank mit 15,5 Mrd. € nur halb so groß wie der große Bruder und nach Bilanzvolumen sogar kleiner als die DZ Bank und die KfW. Die Commerzbank-Aktie wird eben auch von Übernahmephantasien getrieben. Immer wieder kommen neue Szenarien ins Spiel.

Ging es anfangs um eine Fusion mit der Deutschen Bank, tauchen nun angebliche Interessenten auf wie Crédit Agricole, UniCredit, UBS und jüngst BNP Paribas auf. Doch Namen sind eine Sache, eine Übernahme muss wirtschaftlich Sinn ergeben. Die UBS ist hauptsächlich in der Vermögensverwaltung stark. Die Mittelstandsfinanzierung und das Privatkundengeschäft der Commerzbank dürften in dieses Profil weniger passen.

Macron wirbt für BNP Paribas

UniCredit hat sich frisch aus der Krise gewunden, muss noch Altlasten abtragen und ihr dürftiges Eigenkapital aufstocken, was diese Variante noch unwahrscheinlicher macht. Eher käme Crédit Agricole infrage, doch der heißeste Kandidat ist wohl BNP Paribas. Selbst Präsident Emmanuel Macron macht sich dafür stark. Damit würden sich nicht nur die Türen zum deutschen Markt öffnen.

Mit einer neuen europäischen Großbank würde ein internationaler Player entstehen, der an die Größe der US-Banken heranreicht. Und es könnte der Auftakt zu weiteren Megafusionen in Europa sein. Dass der deutsche Markt ausländische Investoren reizt, zeigte sich nicht zuletzt an den Beteiligungen des Finanzinvestors Cerberus, der bei der Deutschen Bank und der Commerzbank eingestiegen war.

Cerberus übrigens will die Commerzbank lieber eigenständig sehen – sagt die Financial Times. Mit seinen 5 % ist er neben Black Rock zweitgrößter Aktionär nach dem Bund, der seit der Finanzkrise 15,6 % hält und die Bank vor der Pleite gerettet hat.

Verlustrisiko des Bundes als Haupthindernis

Der Staatsanteil stellt die größte Hürde dar. Selbst Herr Macron wird den Finanzminister kaum dazu überreden können, ein Verlustgeschäft zu riskieren. Die Steuerzahler wären aufgebracht. Um das Engagement des Bundes in Höhe von 3,5 Mrd. € wieder zu erreichen, müsste die Commerzbank-Aktie auf mindestens 18 € steigen. Derzeit liegt sie um die 12 €. Der letzte Höchstwert nach dem Crash in der Finanzkrise betrug 14,4 € im Jahr 2014.

Derweil hat die Commerzbank bereits Goldman Sachs und Rothschild als Berater für die Abwehr einer möglichen Übernahme engagiert. Wird sie unvermeidlich, stehen sie angeblich auch in dem Fall zur Verfügung.

Hauptknackpunkt wird die Beteiligung des Bundes sein. Es sei denn, die Commerzbank-Aktie setzt ihre Rally ungebremst fort bis die Marke erreicht ist, an der ein Ausstieg mit einer schwarzen Null einhergeht. Und aussteigen wollte der Bund eigentlich schon längst.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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