Daimler Aktie: Steht der Durchbruch bevor?

Dieselskandal, Fahrverbote, das orakelte Aus für Verbrennungsmotoren – die deutschen Autohersteller sind unter Druck. Mit dem Dieselgate zog im März 2015 die abstürzende VW-Aktie auch das Papier von BMW und die Daimler-Aktie nach unten.

Zwar nicht so ausgeprägt, aber selbst Daimler tut sich seitdem schwer. Hatten doch die Stuttgarter erst 2016 den Rivalen BMW beim Absatz überholt und Anleger begeistert.

Daimler Aktie schlechter als das Geschäft

Kaum dass sich die Daimler-Aktie zwischenzeitlich erholt hatte, sorgten neue Meldungen für Rücksetzer. So kam im Sommer der Verdacht auf, der Konzern habe über zehn Jahre hinweg Fahrzeuge mit unzulässig hohem Schadstoffausstoß verkauft. Und weil dies auch in den USA der Fall gewesen sein sollte, war die Nervosität umso größer. Prompt sackte die Daimler-Aktie von 65,46 € auf 59,29 € ab. Danach ging es bis jetzt nur schleppend voran.

Dabei sind die Zahlen alles andere als schlecht. Im ersten Halbjahr wurden mit 1,14 Mio. weltweit 14 % mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum. In China betrug das Plus sogar 28 %. Es war das beste Halbjahr in der Konzerngeschichte. Hinzu kommt, dass die LKW-Sparte endlich wieder zulegen konnte.

Der hervorragende Geschäftsverlauf passt nicht so recht zur Entwicklung an der Börse, wo alles auf den großen Durchbruch zur E-Mobilität zu warten scheint. Tatsächlich will Daimler hier gut 10 Mrd. € investieren. Unter anderem wird demnächst eine weitere Batteriefabrik eröffnet, damit die neue Elektromarke EQ laufen kann. Sie ist Teil von zehn geplanten E-Modellen. Der SUV Vision EQA wird nun auf der IAA in Frankfurt vorgestellt.

Neue Angebote inklusive Diesel

Aber auch in China, wo Elektroauto-Hersteller von den Produktionszahlen her selbst Tesla in den Schatten stellen, kooperiert Daimler mit dem dort größten Vertreter BYD. Im Portfolio ist ein E-Mobil auf Basis der B-Klasse.

Doch E-Mobile sind eher ein Zugeständnis an einen unvermeidlichen Trend. Während andere aus der Dieseltechnologie aussteigen, sieht Daimler durchaus eine Zukunft für den Selbstzünder. Der erste Motor aus einer Entwicklung, in die gut 3 Mrd. € investiert wurden, ist bereits auf der Straße – und übertrifft angeblich alle Erwartungen in Sachen Umweltverträglichkeit. Käufer wird es noch genug geben. Laut Statista würde derzeit jeder dritte Deutsche einen Diesel bevorzugen.

Außerdem treibt Daimler seine Pläne mit Brennstoffzellen-Fahrzeugen weiter voran. Entsprechende Hybrid-Fahrzeuge sind ebenso auf der IAA zu sehen. Parallel wird gemeinsam mit Bosch an selbstfahrenden Autos gearbeitet. Damit auch alle Trends bedient werden, wird mit Car2Go der Carsharing-Markt aufgerollt. Erst jüngst lancierte der Autovermieter Sixt sogar angebliche Fusionsgespräche mit Daimler und dem erfolgreichen BMW-Ableger DriveNow.

Neue Konzernstruktur bei Daimler wohl unvermeidlich

Neue Allianzen für neue Märkte. Und weil damit noch nicht alles abgedeckt scheint, soll mit der Transporter-Sparte ein flächendeckendes System für Mitfahrangebote aufgebaut werden. Das Ganze funktioniert wie ein Taxidienst mit professionellen Fahrern. Per App und angegebenem Fahrziel werden Vans geordert, die in der gleichen Richtung unterwegs sind und Plätze frei haben. In London soll es noch dieses Jahr losgehen. Geplant ist, das System mit der entsprechenden Technologie gegen Lizenz auch Interessenten wie Nahverkehrsgesellschaften anzubieten.

Damit der Konzern sich mit alledem nicht verzettelt, wird mittlerweile laut darüber nachgedacht, Daimler über eine Holding in eigenständige Geschäftsbereiche aufzugliedern, allerdings nicht vor der Hautversammlung 2019. Als Anleger kann man also spannenden Zeiten entgegensehen. Schon jetzt punktet Daimler mit einem Ergebnis von 9 € je Aktie und einer Dividendenrendite von 5,59 %. Obendrein ist das Papier mit einem KGV von 4 einen Blick wert.

14. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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