Darum können sich Anleger über Trumps Steuerwettbewerb freuen

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Die US-Steuerreform setzt deutsche Firmen nicht nur unter Druck. Im Gegenteil: Zahlreiche Unternehmen profitieren kräftig von ihr. (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Zeitlich war sie gut platziert: Trumps Steuerreform kam kurz vor Jahressschluss, ein „Weihnachtsgeschenk“ wie er es bezeichnete. Der Dow Jones erhielt neue Nahrung und legte steil zu. Mit der Senkung der Körperschaftssteuer von 35 % auf 21 % bleibt den Unternehmen künftig mehr Geld in der Kasse. Die ohnehin schon guten Gewinne dürften erneut steigen, die Anleger sind begeistert.

Der Aufschrei ist groß

Hierzulande ist man natürlich besorgt, dass die US-Steuerreform deutsche Firmen unter Druck setzt, deren Steuersatz bei 31 % liegt. Schlagzeilen wie „Das wird uns treffen“ oder „Deutschland unter Druck“ machten die Runde. Und gleich wurden Forderungen laut, den Soli abzuschaffen und an anderen Stellen für Erleichterung zu sorgen. Abgesehen von derartigen Pflichtübungen: Die Investitionsströme werden Richtung USA gehen. Der Abfluss aus Deutschland wird auf 30 Mrd. € geschätzt.

Auch wenn durch die US-Steuerreform für deutsche Firmen Nachteile befürchtet werden, so profitiert auch nicht jedes amerikanische Unternehmen gleichermaßen. Als Anleger sollte man dabei beachten: Je mehr es in den USA produziert und verkauft, desto besser. Außerdem: je weniger profitabel ein Unternehmen war, desto geringer fallen die Steuervorteile aus. Hinzu kommen neue Belastungen für US-Firmen – etwa die ebenfalls anstehenden Steuern auf Importe oder schärfere Abzugsregeln für Zinsen, die Übernahmen verteuern.

US-Steuerreform: deutsche Firmen als Profiteure

Das Ganze hat also zwei Seiten. So kommt auch zahlreichen deutschen Firmen die US-Steuerreform zugute. Allen voran Konzerne mit US-Tochtergesellschaften – von denen es 3.700 gibt. Sie können eine Neubewertung künftiger Steuern in der Bilanz vornehmen. Abzüglich gegenläufiger Effekte bleiben mitunter erhebliche Summen übrig.

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BMW etwa, das in Spartanburg, South Carolina produziert, geht von bis zu 1,55 Mrd. € aus. Daimler rechnet mit ca. 1,7 Mrd. € mehr Nettogewinn in der 2017-er Bilanz. Fresenius kommt auf einen Buchgewinn von 90 Mio. €. Und der ebenfalls im Dax notierte Ableger Fresenius Medical Care gar auf 200 Mio. €.

Der Chemiekonzern BASF ist noch am Rechnen, Zahlen liegt aktuell nicht vor. Gleiches bei der Deutschen Post, deren Tochter DHL führender Anbieter in den USA ist. Auch die Deutsche Telekom geht vorsichtig von Vorteilen aus. Ebenso Siemens, das die konkreten Auswirkungen noch prüft, letztlich aber von einem positiven Effekt ausgeht. Freude herrscht auch beim Gros der deutschen Maschinenbauer. Viele sind in den USA vertreten und haben dort in etlichen Bereichen nahezu keine Konkurrenz.

Verlustabschreiber als Verlierer

Weniger begeistert ist man allerdings bei Heidelberger Druck. Das im Sdax gelistete Unternehmen erwartet wegen der Wertberichtigung von Verlustvorträgen bei US-Ablegern höhere Steuerforderungen. Von rund 25 Mio. € ist die Rede. Und die Biotech-Schmiede Qiagen rechnet wegen Wertberichtigungen mit rund 100 Mio. € an Zusatzbelastung. Die Deutsche Bank wiederum kann ihre Verluste aus der Finanzkrise nicht mehr so stark steuerlich geltend machen und ist ebenfalls nicht erfreut.

Insgesamt ist die Steuerreform für Anleger durchaus keine reine Hiobsbotschaft. Mit Trumps Steuerwettbewerb wurde nun ein Spiel eröffnet, bei dem der Ball nun im deutschen Feld liegt. Die letzte deutsche Unternehmens-Steuerreform liegt bereits zehn Jahre zurück. Höchste Zeit, das System an die neuen Herausforderungen anzupassen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.