Darum sollten Sie sich jetzt französische Aktien ansehen

In Europa ist zwar Deutschland derzeit die führende Wirtschaftskraft, doch was, wenn hiesigen Aktien die Luft ausgeht? Gründe für eine Korrektur gibt es durchaus. Mit den noch unabsehbaren Folgen des Brexit und einer Abkehr der USA vom freien Welthandel seit Trump könnte sich die Exportstärke der deutschen Wirtschaft ins Gegenteil verschlagen.

Aktienmarkt in Frankreich mit erheblichem Nachholbedarf

Der Aktienmarkt in Frankreich hingegen ist alles andere als ausgereizt und birgt erhebliche Potenziale. Französische Unternehmen sind weniger vom Ausland abhängig, insbesondere beim Unsicherheitsfaktor Großbritannien sind sie nur überschaubar investiert. Noch leidet die Wirtschaft unter hohen Sozialabgaben, Restriktionen und Arbeitslosigkeit. Auch in Sachen Wettbewerbsfähigkeit hinkt sie dem deutschen Nachbarn hinterher. Doch das könnte sich ändern.

Bereits ein mutigeres Reformprogramm reicht, um Frankreich neuen Schub zu verpassen. Einiges erinnert an die Zeit, als vor über zehn Jahren Kanzler Schröder mit der Agenda 2010 Deutschland kurierte. Damals war es der „kranke Mann Europas“ und stand schlechter da als der Nachbar im Westen.

Dass die Anleger auf Frankreichs Aktienmarkt zu warten scheinen, zeigte sich erst im Herbst letzten Jahres, als allein die Ankündigung von ein paar kleineren Reformen die Börse belebte. Zuvor schon war die Wirtschaft stärker gewachsen und ließ sich auch nicht durch die Terroranschläge in Paris stoppen. Obwohl sie danach wieder erlahmte und dieser Tage sogar einen Einbruch verzeichnet, traut ihr die EU im nächsten Jahr ein Wachstum von bis zu 1,7% zu.

Warten auf reformfreudigen Präsidenten

Wer nun angesichts der Erfahrung mit Präsident Hollandes halbherzigem Kurs skeptisch ist, sollte an die kommenden Präsidentschaftswahlen am 7. Mai denken. Aus heutiger Sicht deutet vieles darauf hin, dass der Reformer François Fillon das Rennen machen könnte.

Unter den Konservativen hat er sich klar gegen den Populisten Sarkozy und den Favoriten Alain Juppé durchgesetzt und gilt als Hoffnungsträger, der Marine Le Pen stoppen kann. Um den Front National zu verhindern, könnte er zudem Stimmen aus dem geschwächten linken Lager bekommen. Dies erst recht seit dem überraschenden Oppositionsantrag auf Amtsenthebung Hollandes wegen seines Umgangs mit Staatsgeheimnissen.

Aussichtsreicher Überraschungskandidat 

Fillon hat als Premierminister Erfahrung und den Ruf eines Wirtschaftsreformers mit klarer Linie. Er will raus aus der 35-Stunden-Woche, das Rentenalter auf 65 Jahre erhöhen und Sozialabgaben der Unternehmen senken. Außerdem sollen eine halbe Million Beamtenstellen gestrichen werden.

Mit seinem für französische Verhältnisse radikalen Programm wird er einerseits Widerstand bei den Sozialisten erzeugen. Da er eine Rekordbeteiligung an den Vorwahlen auf die Beine stellte, wurde deutlich, dass die Konservativen gegenüber den bislang regierenden Sozialisten den größten Block darstellen – und nicht der Front National.

Sollte es Fillion gelingen, als Präsident seine Reformen umzusetzen, wird auch der Aktienmarkt in Frankreich eine Aufholjagd erleben. Wer sich jetzt in die Startlöcher traut, findet etliche attraktive Aktien, die vergleichsweise unterbewertet erscheinen.

Günstige Einstiegskurse in Frankreich?

Im Leitindex CAC 40, dem französischen Gegenstück zum DAX, sind die führenden Unternehmen gelistet – von Airbus, Accor und Danone oder L´Orèal über Michelin und Renault bis zu Saint-Gobain, Sanofi und Total. Im Vergleich zum DAX ist zu berücksichtigen, dass er als reiner Kursindex keine Ausschüttungen enthält und somit automatisch niedriger notiert.

Auffallend: Während der DAX seit 2013 immer höher über seine Höchststände vor der Finanzkrise gestiegen ist, hat der CAC 40 diese Werte noch lange nicht erreicht. Gemessen an den Werten von 2007 ist noch sehr viel Luft. Sobald die Wirtschaft wieder Fuß fasst, ist zudem mit verstärkten Investitionen zu rechen. Von einem Ende der Zurückhaltung und Sparsamkeit in Europa wird Frankreich überdurchschnittlich profitieren.

2. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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