Steht uns ein zweiter schwarzer Montag bevor?

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Die 4 Reiter der Apokalypse haben Einzug am US-Aktienmarkt erhalten. Die Gefahr eines zweiten schwarzen Montags nimmt zu. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Die vier apokalyptischen Reiter der Finanzkrise 1987: Zahlreiche Börsencrash-Propheten glauben die damaligen Vorboten des schwarzen Montag am heutigen Aktienmarkt entdeckt zuhaben. Ein Blick auf die Aktienmärkte offenbart tatsächlich erstaunlich viele Gemeinsamkeiten zum 19ten Oktober 1987. Der Börsencrash am schwarzen Montag ist vielen Anlegern auch heute noch in schmerzhafter Erinnerung. Dieser Tag, an dem mehr als 500 Milliarden US-Dollar verloren gingen, läutete die Weltwirtschaftskrise ein.

Ein Vergleich: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen 1987 und 2013

USA, August 2013: Steigende Indizes, eine  lockere Geldpolitik, ein großes Handelsdefizit, exzessiver Computerhandel und ein bevorstehender Zinsanstieg. Spätestens jetzt sollten bei Ihnen die Alarmglocken klingen. Denn die Situation am amerikanischen Aktienmarkt weist zahlreiche Gemeinsamkeiten zu Oktober 1987 auf.

USA, Oktober 1987: starkes Wachstum der Indizes, Inflation, ein hohes Handelsdefizit, Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank, eine Überbewertung von Unternehmen, sinkende Dollarkurse und exzessiver Handelsaufträge von Computern. Auch wenn jede Finanzkrise einzigartig ist und sich nicht zwangsläufig wiederholen muss, ist dennoch äußerste Vorsicht geboten.

Starkes Wachstum der Aktienkurse

Kein Wachstum hält ewig. Dies gilt auch für die Kurse an den Börsen. Auch wenn Bullenmärkte statistisch gesehen länger anhalten als Bärenmärkte folgt auf kurz oder lang der Kursabstieg. Die durchschnittliche Dauer eines Bullenmarktes beträgt ungefähr 4 Jahre. Mitte 2013 dauerte die Kursrally schon über 4 Jahre an. Zum Vergleich: Beim schwarzen Montag kam es nach 5 Jahren zum großen Crash.

Eine weitere Parallele ist der Motor dieses Anstiegs. Denn heute wie damals, wurde dieser Anstieg in erster Linie nur von einigen wenigen Wertpapieren getragen. Das Resultat: Die Aktienmärkte sind überkauft. Als wichtiger Indikator um festzustellen ob die Kurse überteuert sind, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das KGV gibt an, wie hoch der Aktienkurs zum Gewinn eines Unternehmens steht.

Formel  

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

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Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kann untersucht werden, wie billig oder teuer eine Aktie im nationalen oder internationalen Vergleich abschneidet.
$$\bo\text"KGV" = \text"aktueller Aktienkurs" / \text"Gewinn je Aktie"$$
Ergebnis berechnen

Ein KGV von 40 bedeutet beispielsweise,  dass der gehandelte Aktienkurs 40-mal so hoch ist, wie der geplante Gewinn pro Aktie. Je geringer das KGV desto besser.

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Robert Shiller: Der Mann, der Immobilienkrise und Dotcom-Blase kommen sah

Allerdings wird oft bemängelt, dass das KGV nur eine begrenzte Aussagekraft hat, da es nicht die zeitliche Entwicklung mit einbezieht. Daher entwickelte Robert Shiller das nach ihm benannte Shiller-KGV.

Formel  

Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis

$$\bo\text"Shiller-KGV" = \text"Aktienkurs" / \text"∅ Gewinn je Aktie nach Steuern"↙\text"(der letzten 10 Jahren)" $$
Ergebnis berechnen

Durch die Betrachtung eines Anlagezeitraums von 10 Jahren kann das Shiller-KGV deutlich über dem herkömmlichen KGV liegen. Das Shiller KGV lag Mitte 2013 für den S&P500 bei einem Wert von ungefähr 22 und somit fast 40% über seinem durchschnittlichen Wert von 16,5. Das Shiller KGV kann dabei helfen den richtigen Zeitpunkt zum Aktienkauf zu bestimmen.

Anhand von historischen Daten liegt der optimale Kauf bei einem Stand von 4 bis 11. Hier ist in der Regel mit einem starken Kursanstieg in den nächsten 10 Jahren zurechnen. Ab einem Wert von 15 sind häufig auch Verluste möglich. Ein Wert von 23 gibt also berechtigten Anlass zur Sorge. Robert Shiller selbst warnte Ende August 2013 davor, das der US-Aktienmarkt der teuerste der Welt sei und zu mehr als 60% überbewertet ist.

Weitere Gemeinsamkeiten zu 1987

Die Aktienkurse steigen, obwohl mit einem Zinsanstieg zu rechnen ist. Diese Entwicklung war auch 1987 zu beobachten. Wenn die Zinsen steigen nimmt in der Regel die Attraktivität von Anleihen und anderen Finanzprodukten zu. Ist dies nicht der Fall und die Aktienkurse steigen obwohl sie eigentlich fallen müssten, deutet dies auf eine Überbewertung des Aktienmarktes hin. Auch 26 Jahre nach dem schwarzen Montag haben die Börsen den Computerhandel immer noch nicht unter Kontrolle. Als Beispiele dienen Ereignisse wie der „Flash Crash“ im Mai 2010 und die NASDAQ-Panne im August 2013.

Ob dem US-Aktienmarkt ein Börsencrash bevorsteht

Finanzkrisen können niemals mit Sicherheit vorhergesagt werden. Allerdings zeigt ein Blick auf die derzeitige Entwicklung einige Gemeinsamkeiten zu vorangegangen Krisen. Da Menschen Fehler aber gerne wiederholen ist daher große Vorsicht geboten. Aus diesem Grund sollten Sie die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer im Auge behalten. Denn selbst wenn  kein großer Börsencrash bevorstehen sollte, so gehen dennoch viele Experten davon aus, dass der amerikanische Aktienmarkt in jüngster Zeit langsamer wachsen wird und die Kurse zurück gehen werden.


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Max Ole Liemen
Von: Max Ole Liemen. Über den Autor

Max Ole Liemen entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft für Wirtschaft und Finanzen. Der studierte Volkswirt schafft es seinen Lesern komplexe Sachverhalte mit einfachen Worten zu erklären.