Das ist der Unterschied zwischen synthetischen und physischen ETFs

Bei ETFs kann der Anleger zwischen physischen und synthetischen ETFs wählen - die Vor- und Nachteile im Überblick. (Foto: zhaoliang70 / Shutterstock.com)

Börsennotierte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), werden bei deutschen Privatanlegern immer beliebter. Allein bis Ende 2015 investierten Privatanleger in Deutschland rund 7 Mrd. € in ETFs – ein Zuwachs von 39 % gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Zahl der ETF-Sparpläne wächst unaufhaltsam. Inzwischen gibt es über 200.000 ETF-Sparpläne in Deutschland, in denen monatlich mehr als 33 Mio. € fließen.

Kein Wunder, denn mithilfe eines Exchange Traded Funds (ETFs) können Anleger zu vergleichsweise geringen Kosten ihr Kapital breit streuen und relativ einfach einen Index nachbilden. Allerdings gibt es bei einem Investment in ETFs verschiedene Aspekte zu beachten. Grundsätzlich ist zwischen physische und synthetische ETFs zu unterscheiden, die Art der Replikation macht hier den Unterschied.

Was sind physisch replizierende Exchange Traded Funds (ETFs)?

Physisch replizierende ETFs bilden einen Aktienindex wie zum Beispiel den DAX durch den Erwerb der jeweiligen Indextitel direkt nach, man spricht dann auch von einer direkten Replikation. Dies bedeutet: Der ETF beinhaltet genau die gleichen Aktientitel mit der gleichen Gewichtung, wie sie auch im Index enthalten sind.

Aus diesem Grunde können replizierende ETFs einen Index sehr genau nachbilden, die Differenz in Bezug auf die Kursentwicklung zwischen dem Index und dem ETF, der sogenannte Tracking Error, ist damit gering.

Umfasst der Index sehr viele Werte wie zum Beispiel der Nasdaq 100 Index oder MSCI World Index, bieten sich Sampling-ETFs an. Dabei handelt es sich um nicht-vollständig replizierende ETFs, die nur die wichtigsten Indextitel mit der größten Gewichtung nachbilden.

Unterschied zwischen physische und synthetische ETFs

Im Gegensatz zum physisch replizierenden ETF, setzt ein synthetischer ETF ein Tauschgeschäft (SWAP) mit einem Finanzinstitut ein, um den Index nachzubilden. Der SWAP-Kontrahent (zum Beispiel eine Bank) liefert die Nachbildung des zu abzubildenden Index gegen ein Entgelt.

Dies bedeutet, dass in synthetischen ETFs Derivate und andere Finanzwerte enthalten sein können, die den Vergleichsindex nachbilden. Bei synthetischen ETFs spricht man dann auch von künstlichen ETFs, da diese einen Index nicht wirklich durch den direkten Kauf von Wertpapieren nachbilden.

Für den ETF-Emittenten ist die synthetische Indexnachbildung über einen sogenannten SWAP-ETF zwar einfacher und kostengünstiger, wodurch synthetische ETFs oft auch geringere Gebühren aufweisen, allerdings gibt es auch Nachteile für Anleger.

Aufgrund der oft komplexen Konstruktionen ist es für Anleger oft nicht mehr ersichtlich, welche Finanzinstrumente sich aktuell im ETF befinden. Zudem muss der Anleger bei synthetischen ETFs auch ein Bonitätsrisiko des entsprechenden Finanzinstituts beachten. Geht der Swap-Kontrahent in die Insolvenz, besteht die Gefahr eines Teilverlusts.

Dieses Verlustrisiko ist allerdings niedrig, da das sogenannte Kontrahenten-Risiko laut UCITS-Richtlinien auf 10 % des Fondsvermögens begrenzt ist. Dies bedeutet, dass mindestens 90 % des ETF-Wertes mit Sicherheiten (andere Wertpapiere etc.) hinterlegt werden müssen, das Verlustrisiko des Swap-ETF reduziert sich damit auf 10 %.

Fazit: SWAP-ETFs beinhalten ein höheres Risiko, bieten aber Kosten- und Renditevorteile

Synthetische ETFs beinhalten ein höheres Risiko (Kontrahenten-Risiko) als rein physische ETFs, die einen Vergleichsindex direkt nachbilden. Aus diesem Grund bieten manche Emissionshäuser gar keine synthetischen ETFs mehr an und haben ihre Produkte in den vergangenen Jahren umgestellt.

Zudem sind physische ETFs für den Privatanleger verständlicher und transparenter, allerdings müssen Anleger hier den Nachteil der etwas höheren Kosten in Kauf nehmen. Auch bei der steuerlichen Behandlung sind die Vorteile auf der Seite der synthetischen ETFs. Die Dividende wird bei dieser Indexfonds-Variante als Kursgewinn betrachtet und nicht als Dividende wie beim physischen ETF.

Dies bedeutet, dass synthetische ETFs nicht jährlich steuerlich belastet werden, die Abgeltungssteuer auf Gewinne greift erst, wenn der Indexfond verkauft wird. Dadurch kann sich bei synthetischen ETFs eine höhere Nachsteuerrendite ergeben.

Kurzum: Die Unterschiede zwischen physischen und synthetischen ETFs liegen in der Art der Replikation. Jeder Anleger muss selbst entscheiden, ob die Risiken im Zusammenhang mit dem Kontrahenten-Risiko die Aussicht auf eine etwas höhere Nachsteuerrendite aufwiegen.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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