Das ist eine der erfolgreichsten Aktien Deutschlands

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Die Basler-Aktie: eine weniger bekannte Perle, aber zugleich mit die erfolgreichste am deutschen Markt. Sie eilt von Rekord zu Rekord. (Foto: Roman Vyshnikov / Shutterstock.com)

Was sind Deutschlands erfolgreichste Aktien? Seit dem Börsengang vor 20 Jahren ist Sartorius die beste. Der Pharmazulieferer gehört zu den wenigen, die vom Crash nach der Dotcomblase zur Jahrtausendwende verschont blieben.

Schaut man sich aber den Zeitraum nach dem Börsendesaster an, stehen andere in vorderster Reihe – darunter die Basler-Aktie. Der Hersteller von Industriekameras wird vom Erfolg regelrecht überrollt.

Basler-Aktie lässt staunen

Die letzten zehn Jahre brachte die Basler-Aktie ganze 1.340 %. Einige, die noch besser liefen, stehen wiederum auf Fünfjahressicht schlechter da und mussten neuen Top-Performern Platz machen. Doch auch in dem Zeitraum kommt Basler auf stolze 1.188 %. Und mit Blick auf die letzten zwölf Monate rangiert die im Prime Standard der Deutschen Börse gelistete Aktie mit 155 % ebenfalls ganz oben.

Mit einer Marktkapitalisierung von gerade 550 Mio. € gehört die Basler-Aktie zu den kleinen, aber feinen Hidden-Champions am deutschen Markt. Und mit einem KGV von 24 ist sie nicht gerade überbewertet. Seit Jahren steigen Eigenkapital, Umsatz und Gewinn. 2016 lagen die Erlöse bei 97,54 Mio. €, das Ergebnis vor Steuern bei 11,40 Mio. €.

Dass der Mittelständler die Dividende für 2017 auf 1,65 € verdoppeln kann, liegt an der erstaunlichen Auftragsentwicklung. Früher als vermutet wird der Umsatz die Marke von 140 Mio. € erreichen. Bereits in den ersten neun Monaten des Jahres stieg das Ergebnis pro Basler-Aktie von 2,10 auf 6,37 €. Die kommende Ebit-Marge wird auf bis zu 18 % taxiert. Noch 2016 wurden diese Größenordnungen erst bis 2020 erwartet.

Basler kommt mit seinen Aufträgen kaum hinterher. Derzeit wird das Firmengelände in Ahrensburg am Nordostrand von Hamburg um das Doppelte erweitert. Auch werden die rund 500 Mitarbeiter werden nicht ausreichen. Der Run auf die hochspezialisierten Kameras für Medizintechnik, Geldautomaten, Verkehrsüberwachung, Sicherheit und Produktionsverfahren in der Industrie erklärt sich mit dem weltweiten Wachstumsschub in etlichen Bereichen.

Kunden ziehen Aufträge beim Marktführer vor

Allein die gigantische Investitionsoffensive in der asiatischen Elektronikindustrie erfordert Kameras, die etwa bei der Herstellung von Chips oder Smartphones kleinste Qualitätsabweichungen erkennen. In der zunehmend digitalisierten Produktion sind sie genauso unentbehrlich wie bei autonomen Verkehrssystemen und Fahrzeugen.

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Die Kunden ziehen ihre Aufträge sogar vor, weil sie in dem Andrang ihre bestellten Kameras möglichst schnell erhalten wollen. Ein Luxusproblem, das nur wenigen Unternehmen beschieden ist. Dabei liefert Basler seine optischen Kontrolleure, die es maßgeschneidert und im Kleinstformat gibt, grundsätzlich nicht an die Rüstungsindustrie, was Freunde ethischer Geldanlagen gerne hören dürften.

Schon im zivilen Zukunftsmarkt, der weltweit auf derzeit 1 Mrd. € geschätzt wird, ist Basler unter den gut 80 Mitbewerbern mit seinen Umsätzen die Nummer eins. Rund die Hälfte der Erlöse stammen aus Asien, 30 % aus Europa und dem Nahen Osten und 20 % aus den USA. Mit dem neuen Umsatzplus von gut 30 % liegt Basler erheblich über dem Weltmarktschnitt von ca. 7,5 %. Geplant hatte das Unternehmen eine nur halb so hohe Zuwachsrate.

Angesichts dieser Erfolge wäre Basler eigentlich der typische Übernahmekandidat etwa für chinesische Investoren, die ohnehin in Deutschland auf Beutetour sind. Doch nur 36 % der Aktien sind im Streubesitz und sowohl Firmengründer Norbert Basler, der 52 % hält, als auch das Management mit seinen Anteilen legen Wert auf Eigenständigkeit. Gelegentliche Übernahmephantasien treiben allenfalls mal wieder den Kurs der Basler-Aktie.

Solides, agiles Familienunternehmen

Basler ist ein typischer Vertreter der soliden, agilen Familienunternehmen. Kurze Entscheidungswege, flache Hierarchie – man kennt sich, arbeitet sachorientiert und frei von Eitelkeiten. Nur so ist es möglich, dass derzeit reibungslos im Drei- anstatt im Zweischicht-System produziert wird. Basler-Chef Dietmar Ley ist als promovierter Ingenieur ein Mann vom Fach. Und Norbert Basler ist als Aufsichtsratsvorsitzender zugleich Mitglied des Kuratoriums Stiftung Familienunternehmen.

Unternehmen im Familienbesitz schneiden übrigens nach einer jüngeren Studie von Credit Suisse an der Börse besser ab. Das Ergebnis der weltweiten Untersuchung: Seit 2006 liegt ihre Rendite im Jahresdurchschnitt 5 % über der von Vergleichsunternehmen. Allerdings sind auch Größen wie BMW, Nike, Roche oder Walmart Familienunternehmen.

In Europa ist ihre höhere Performance am stärksten ausgeprägt, so die weitere Erkenntnis. Und in Deutschland gibt es besonders viele kleinere Champions, vor allem im Technologiebereich – wo die Basler AG nach Zahlen die meisten anderen aussticht.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.