Das sind die Vorteile und Nachteile bei Fusionen

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Dass Fusionen Vorteile und Nachteile haben, erscheint trivial. Jedoch mussten schon viele Anleger erfahren, wie Unternehmen danach scheiterten. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Immer, wenn Spekulationen zu Übernahmen oder Unternehmenszusammenschlüssen die Runde machen, kommt frischer Wind am Aktienmarkt auf. Dabei scheinen trotz der potenziellen Nachteile von Fusionen zunächst die Vorteile im Vordergrund zu stehen, sobald sich entsprechende Gerüchte verdichten: Die Kurse nehmen Fahrt auf.

Dieser Tage ist es die erneut aufkommende Überlegung, aus Deutscher Bank und Commerzbank einen „nationalen Champion“ zu machen, wie es verbreitet heißt. Offenbar auf Initiative des Finanzministers kommen erstmals Gespräche der beiden in Gang, was der Sache eine neue Qualität verleiht. Vage Planspiele eines Zusammenschlusses der angeschlagenen Banken gibt es bereits seit Jahren. Zuletzt hatten sie Ende 2016 die Runde gemacht.

Natürlich muss man jeden Fall für sich bewerten, doch ist das Bankenthema Anlass zur Abwägung von Vorteilen und Nachteilen, die Fusionen generell mit sich bringen.

Vorteile von Fusionen

Aus Anlegersicht gehört zu den Vorteilen einer Fusion zunächst die Tatsache, dass sich plötzlich neue Chancen auftun. Zum üblichen Ritual gehört, dass als erstes die Kurse steigen. Beim schwächeren Partner umso mehr, weil die Aktionäre ihre Anteile möglichst teuer einbringen wollen.

Dieser sich selbst verstärkende Kursauftrieb lässt sich nutzen, um im Vorfeld und zum richtigen Zeitpunkt beachtliche Gewinne einzustreichen. Triebfeder ist in der Regel die Fantasie am Markt. Der betriebswirtschaftliche Sinn einer Fusion steht dabei erst mal völlig im Hintergrund.

Fast immer enden Fusionen im Aktientausch. Entscheidet man sich gegen ein Tauschangebot, kann man auch jetzt die gestiegenen Anteilsscheine verkaufen. Der nächste Zeitpunkt ist dann, wenn der zuvor spekulationsgetriebene Kurs nach einem Zusammenschluss auf einmal absackt. Ein Zukauf lohnt sich, weil er sich danach normalerweise wieder auf ein realistisches Niveau erholt.

Unabhängig davon liegt der weitere Vorteil von Fusionen im Effekt auf das jeweilige Marktsegment. Ohne eigenes Zutun profitieren auch die anderen Unternehmen, da mit der Übernahme ein Mitbewerber verschwindet. Die Marktanteile verteilen sich auf weniger Partner, was zu weniger Wettbewerb führt und Raum für eventuell höhere Preise bietet.

Der Druck auf die Mitbewerber sinkt aber auch dann, wenn bei einem Zusammenschluss die erhoffte Effizienz ausbleibt. Nach einer gescheiterten Fusion kehrt allenfalls ein geschwächter Partner in den Markt zurück. In der Regel werden Anteile weiterverkauft.

Nachteile von Fusionen

Damit kommt man zu den Nachteilen von Fusionen. Wer nach einem Aktientausch Anteile eines vermeintlich stärkeren Unternehmens hält und auf nachhaltig stabile Kurszuwächse hofft, trägt ein höheres Risiko, nach geraumer Zeit enttäuscht zu werden, als landläufig vermutet.

Längst in ist der Fachwelt bekannt, dass die meisten Fusionen scheitern. Meist, weil erhoffte Synergieeffekte wegen der viel höheren Reibungsverluste gar nicht erst zum Tragen kommen. In Erinnerung ist eine der ganz großen Fusionen Deutschlands zwischen Daimler und Chrysler. Nach acht Jahren wurde sie 2007 beendet, um den deutschen Autobauer vor dem endgültigen Abstieg zu bewahren. Unterschiedliche Kulturen und Systeme zu vereinen, kann zur Herkulesaufgabe werden.

Weiterhin gibt es eine Kehrseite zum erwähnten strukturellen Effekt, wenn im Segment ein Mitbewerber verschwindet: Aus Anlegersicht fehlt eine Aktie, die zuvor vielleicht Dividenden gebracht hat. Damit wird aber auch die Zahl der Unternehmen im Aktienkorb eines Segments geringer, was letztlich weniger Risikostreuung bedeutet.

Und wer im Vorfeld einer Fusion auf steigende Kurse spekuliert, kann schnell den richtigen Zeitpunkt verpassen. Der Kursauftrieb ist oft nur kurzfristig und reißt überraschend ab, weil die Fantasie verpufft.

Insgesamt muss man, wie immer bei Aktien, Vor- und Nachteile einer Fusion abwägen und sich vor allem überlegen, ob man eher taktische oder langfristige Ziele verfolgt. Auch wenn viele Firmenzusammenschlüsse gelingen, so ist immer mit einstweiligen Reibungsverlusten und Hängepartien zu rechnen.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.