Das sind Gewinner und Verlierer der Dürre in Deutschland

Die Dürre in Deutschland kennt Gewinner und Verlierer. Letztere sind auch Konzerne, die wegen Niedrigwasser die Produktion drosseln mussten. (Foto: alfotokunst / shutterstock.com)

Kaum dass es Ende Oktober im Süden Deutschlands endlich wieder geregnet hat und auf einigen Höhenzügen der erste Schnee lag, meldete sich der Spätsommer wieder zurück. Die Trockenheit, die im April begann, will kein Ende nehmen. Nach 1947, 1976 und 2003 war dieses Jahr ein erneuter Rekord in Sachen Sonnenschein.

Dürre: Das sind die Gewinner

Des einen Freud, des anderen Leid – die Hitze und Dürre in Deutschland kennt Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern zählen zum Beispiel die Obstbauern. Während andere Landwirte klagen, hängen die Obstbäume voll. Bei Äpfeln etwa rechnet das Statistische Bundesamt mit einer Erntemenge von ca. 1,1 Mio. Tonnen. Das ist nicht ganz doppelt so viel wie im Regenjahr 2017.

Erheblich besser als im Vorjahr lief es auch für die Eisdielen in Deutschland. Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie betrug das Umsatzplus bei Speiseeis und Erfrischungen über 15 %. Davon profitieren auch Hersteller von Grundstoffen wie Zucker, Milchpulver und Aromaprodukten.

Von einem „Jahrgang des Jahrhunderts“ spricht der Deutsche Weinbauverband. Die Winzer konnten ihre Traubenlese so früh beginnen wie noch nie. Der Dauersonnenschein hatte die Reben sehr schnell wachsen lassen.

Strahlender Sonnenschein sorgte für ebensolche Gesichter bei den Getränkeherstellern. So verzeichneten die Brauereien bereits im ersten Halbjahr ein Plus von 4,5 %. Besonders gefragt waren alkoholfreie Biere. Zeitweise waren etliche Sorten an Bier, Limonaden und Wasser sogar ausverkauft. Bei Coca Cola sorgten besonders neue Sorten wie „Coke Zero Sugar“ für ein Umsatzplus von 4,5 %.

Im Geschäft mit Soja und Futtermittel profitierte auch Europas größter Agrarhändler BayWa. Angesichts schlechter Ernten bei Mais und Weizen sahen sich viele Landwirte gezwungen, für ihre Viehbestände Ersatz einzukaufen. Die BayWa wiederum kann sich derzeit günstig mit Soja aus den USA eindecken. Dort sind die Preise gefallen, weil China im Handelskrieg nun in Brasilien einkauft.

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Dürre in Deutschland: die Verlierer

Dass weite Teile der Landwirtschaft zu den Verlierern der Dürre in Deutschland gehören, wurde bereits durch die Diskussion um Ernteausfall-Hilfen landläufig bekannt. Der Bauernverband beziffert die Schäden auf rund 680 Mio. Euro.

Die weiteren Verlierer ergeben sich durch die seit Langem niedrigen Pegelstände der deutschen Flüsse. Die Schifffahrt konnte teilweise nur noch ein Viertel der üblichen Ladung transportieren. Entsprechend haben sich die Frachtkosten pro Tonne vervierfacht. Zu spüren bekamen das unter anderem Verbraucher von Heizöl, die in der Folge erheblich tiefer in die Tasche greifen müssen. Auch war zeitweise an einigen Tankstellen die Versorgung knapp.

Um die Versorgung mit Öl, Diesel, Benzin und Flugzeug-Kraftstoff nicht zu gefährden, hat die Bundesregierung ausnahmsweise den Zugriff auf die Tanks der deutschen Erdöl-Reserven für Krisenfälle erlaubt.

Versorgungsengpässe aufgrund Niedrigwassers bekamen auch einige Dax-Unternehmen zu spüren. Wegen des Mangels an Roh- und Grundstoffen, die per Schiff geliefert werden, war die BASF in Ludwigshafen gezwungen, Teile ihrer Produktion herunterzufahren. Auch ThyssenKrupp musste die Produktion im Duisburger Stahlwerk drosseln. Und beim Chemiekonzern Lanxess wurden Lieferungen auf die Schiene und Straße verlagert. Die Störungen und Verzögerungen in der Logistikkette werden sich in den Jahresbilanzen der Unternehmen niederschlagen.

Zu den krassen Verlierern der Dürre in Deutschland zählen Veranstalter von Fluss-Kreuzfahrten sowie die Betreiber der Schiffe, die monatelang vor Anker liegen mussten. Ebenso betroffen sind die zahllosen Ausflugsdampfer in Deutschland. Das Jahr 2018 müssen sie als Ausfall verbuchen.

Noch nicht ganz absehbar sind etliche Spätfolgen der Hitze. Zum Beispiel wegen der Risse und Spalten, die sich auf den Straßen gebildet haben. Dringt Wasser ein, das gefriert, entstehen Schäden. Dabei leidet die Verkehrsinfrastruktur schon jetzt unter einem Investitionsrückstau von rund 38,6 Mrd. Euro.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.