Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Das waren die Börsentrends 2018

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Zu den Börsentrends 2018 gehörten neben Themen wie E-Autos, Cyber Sicherheit oder Cannabis die starke Zunahme von Aktienrückkaufprogrammen. (Foto: gopixa)

Wenn man als Anleger zum Jahresende Bilanz zieht, gehört dazu eine Analyse der Börsentrends. Was 2018 die Märkte prägte, kann als Indikator fürs kommende Jahr dienen. Dabei sind durch Investoren getriebene Thementrends nur eine Sache. Technische Trends gehören genauso dazu wie Entwicklungen auf Seiten der Unternehmen. Interessant ist zudem, welche Börsentrends für 2018 Ende letzten Jahres vorhergesagt wurden.

Prognosen und Tatsachen

Dass rückblickend nicht alle zutreffend waren, sagt nicht zwingend etwas über die Qualität der Urheber aus. Prognosen sind eben immer mit Vorsicht zu genießen. So hatte etwa die Commerzbank mit ihren Vorhersagen zu 20 Börsen relevanten Trends für 2018 tendenziell nicht ganz falsch gelegen. Im Detail unzulänglich war allerdings der Versuch, mit festen Größen zu operieren. Die Zahlen zum erwarteten Wirtschaftswachstum beispielsweise haben sich inzwischen weltweit verschlechtert.

Auch haben die Leitzinserhöhungen der USA den Euro bislang nicht auf 1,12 US-Dollar gedrückt. Ebenso wenig ist der Dax auf erhoffte 14.000 Punkte oder mehr gestiegen. Stattdessen erlebte er zu Anfang des Jahres eine Trendwende – und fiel am Nikolaustag sogar bedenklich Richtung 10.000 Punkte. Donald Trumps Streit mit China wirkte sich auch auf die US-Indizes aus, allerdings etwas anders. Dow Jones und S&P 500 zeigten 2018 erhebliche Kursschwankungen. Hatten Frühlingsgefühle bis in den September gehalten, ging es dann erneut rapide bergab.

Unsicherheit prägt 2018 Börsentrends

Nimmt man zum Handelsstreit unverändert drohende Strafzölle auf europäische Autos sowie das Sprengpotenzial eines ungeordneten Brexit und weitere Krisen hinzu, wundert es kaum, dass eine immer häufiger zitierte „Unsicherheit“ 2018 die Trends an den Börsen beeinflusste. So waren erstmals die Mittelzuflüsse in Immobilienfonds doppelt so hoch wie die in Aktienfonds. Verunsicherte Anleger suchten Sicherheit.

Derweil verstärkte sich auf Seiten der Unternehmen der Trend zur Kurspflege über Aktienrückkäufe. Nach Allianz, Deutsche Börse, Fresenius Medical Care, Münchner Rück, SAP und Siemens verkündeten zuletzt Bayer oder Covestro Aktienrückkäufe. Ungleich ausgeprägter ist der Trend bei amerikanischen Konzernen, wo die Summen für Aktienrückkäufe sogar die der Dividenden übertrifft.

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Zu dieser kurstreibenden Maßnahme passt ein spannender Gegentrend, und zwar auf Ebene des Managements. Laut US-Börsenaufsicht verkauften so viele Unternehmensmanager privat Aktien ihrer eigenen Firmen wie zuletzt im Jahr 2008 vor der Finanzkrise. Schnell noch Gewinne mitnehmen bevor der befürchtete Abwärtstrend eintritt? Immerhin sind die Rückkaufprogramme in den USA und hierzulande so umfangreich wie seit zehn Jahren nicht.

Digitalisierung und getriebene Autobranche

Ansonsten gab es 2018 natürlich Börsentrends, die thematisch dem Wandel in Technik und Konsumgewohnheiten sowie Anlegererwartungen geschuldet sind. Bestes Beispiel sind E-Autos und autonome Mobilität. Autohersteller werden regelrecht getrieben, mit neuen Allianzen umfangreich in Batterieantriebe und immer aufwändigere Fahrassistenzsysteme zu investieren. Wie schwierig es ist, gleichzeitig die bewährten konventionellen Motoren zu verbessern, zeigten nicht zuletzt die angekündigten Werksschließungen von General Motors.

Der übergreifende Trend zur Digitalisierung wurde dieses Jahr flächendeckend auch in Konzernen greifbar, die Anleger zuvor damit weniger in Verbindung brachten. Jüngstes Beispiel: Bei der Allianz läuft demnächst nichts mehr ohne. Allerdings stehen damit Tausende von Arbeitsplätzen auf der Kippe. Stichwort Digitalisierung: Wegen der mit ihr verbundenen Sicherheitsprobleme sind entsprechende Anbieter im Aufwind. ETFs auf den einschlägigen Index ISE Cyber Security waren mit ca. 30 % Plus dieses Jahr Klassensieger.

Anhaltende Kursschwankungen in Sicht

Ein eher ungesunder Börsentrend waren 2018 Cannabis-Aktien. Die wegen der Rechtslage vorwiegend kanadischen Hanfkonzerne konnten Anleger zwar schon über drei Jahre hinweg mit Zuwächsen von teils über 4.000 % berauschen, doch mittlerweile zeigt sich eine gefährliche Blasenbildung. Nicht zuletzt wegen der unklaren rechtlichen Zukunft in den meisten Ländern.

Und wie sieht es für den Börsentrend 2019 aus? Legt man die ungute inverse Zinkurve in den USA zugrunde, bei der die Renditen kurz laufender Anleihen die der langfristigen übersteigen, wäre bestenfalls ein Seitwärtsverlauf zu erwarten. Aber vielleicht sorgt ja Donald Trump für die eine oder andere Überraschung. Auf jeden Fall dürften die Kursschwankungen kaum abnehmen. Ein Trader kann sie für Chancen nutzen, ein Langfristanleger wird die Phase wohl aussitzen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.