Dauer einer Überweisung – nicht immer nur 24 Stunden

Die Dauer einer Überweisung innerhalb Europas ist auf 1, 2 und bei Fremdwährungen 4 Tage begrenzt. Doch oft hängt die Zeit von weiteren Faktoren ab. (Foto: Syda Productions / Shutterstock.com)

Wie lange ist die Dauer bei einer Überweisung? Seit 2012 lautet die Antwort: 1 Tag.

Fristbeginn meist vertraglich geregelt

Die Überweisungsfristen werden im Überweisungsgesetz (ÜG) und im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Sie sind außerdem in den geschäftsinternen Bedingungen zum Überweisungsverkehr aufgeführt.

Im Normalfall beginnt die Frist zum Zeitpunkt, an dem der Name des Begünstigten, seine Kontonummer, sein Kreditinstitut und alle weiteren zur Ausführung der Überweisung benötigten Angaben dem überweisenden Kreditinstitut vorliegen.

Einige Banken können diese Frist in ihren Geschäftsbedingungen jedoch auch an zeitliche Rahmenbedingungen geknüpft haben. Ist dieser Zeitraum – beispielsweise die Öffnungszeiten des Bankschalters – bereits verstrichen, verschiebt sich der Fristbeginn auf den folgenden Bankgeschäftstag.

Bankgeschäftstag ist ungleich Werktag

Ein Bankgeschäftstag ist dabei nicht mit dem Begriff „Werktag“ gleichzusetzen. Während ein Werktag auch den Samstag mit einschließt, beinhalten die Geschäftstage der Bank nur den Zeitraum von Montag bis Freitag.

Eine Überweisung, die am Freitag in Papierform bei der Bank eingeht, wird also meist erst am Montag gebucht – sofern ein ausreichendes Guthaben vorhanden bzw. ein ausreichender Kredit eingeräumt worden ist.

Verkürzte Überweisungsdauer – weniger heimliche Zinsgewinne für die Bank

Bis Ende 2011 waren Überweisungszeiten über mehrere Tage hinweg ein ständiges Ärgernis. Zwar galt schon damals, dass Überweisungen innerhalb von 3 Tagen beim Empfänger angekommen sein mussten.

Doch erstens war dies in der Praxis nicht immer der Fall. Und zweitens brachte allein schon ein unnötiger Tag den Banken immense Zinsgewinne. Bei nahezu 6 Mrd. Überweisungsvorgängen im Jahr ging das Zeitverzögerungszubrot selbst bei Centbeträgen in die Millionen.

Gesetzliche Überweisungsdauer: 1 Tag beim Online-Verfahren

Damit ist seit 2012 Schluss. Mit Umsetzung der sogenannten EU-Zahlungsdienstrichtlinie in nationales Recht sagt das Bürgerliche Gesetzbuch: 1 Tag darf die Dauer einer Überweisung betragen. Dies gilt nicht nur für Deutschland. Die 1-Tage-Regel betrifft alle Überweisungen innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR).

Häufig wird in diesem Zusammenhang der Einfachheit halber von der EU gesprochen. Doch der EWR umfasst neben den EU-Staaten auch Island, Liechtenstein und Norwegen. Die Schweiz übrigens nicht.

Dauer von Überweisungen: 2-Tage-Regel für Papierformulare

Die Regelung für die Dauer von Überweisungen beschränkt sich naturgemäß nicht nur auf einen Tag. Der gilt für alle elektronischen Überweisungen wie beispielsweise per Online-Banking. Und zwar gleich, ob das Geld nach Palermo, Oslo oder Wanne-Eickel geht.

Überweisungsvordrucke auf Papier können jedoch nicht so schnell ausgeführt werden. Sie müssen erst eingelesen werden.

Je leserlicher sie ausgefüllt sind, desto schneller geht es. Für Papierformulare sieht das Gesetz daher 2 Tage vor, bis das Geld gutgeschrieben ist.

Überweisungsdauer: 4 Tage bei Fremdwährungen

Doppelt so viel Zeit – 4 Tage – gelten für Überweisungen von Fremdwährungen, also alle, die innerhalb des EWR nicht in Euro erfolgen. Für Überweisungen außerhalb des EWR gibt es keine zeitlichen Vorgaben.

Mit den genannten Bearbeitungstagen sind aber nur Werktage bzw. Geschäftstage gemeint. Samstage, Sonn- und Feiertage zählen ebenso wenig dazu wie die Zeiten, an denen die Banken geschlossen haben. So wird beispielsweise eine Online-Überweisung vom Freitag erst am Montag gebucht. Soweit die gesetzlichen Regelungen.

Überweisungsdauer: Was sonst noch die Zeit bis zur Gutschrift verlängert

In der Praxis jedoch hängt die Dauer einer Überweisung von einigen weiteren Faktoren ab. Wer kein Online-Banking betreibt und sein Überweisungsformular in den Nachtbriefkasten der Bank einwirft, muss die Zeit einkalkulieren, die vergeht, bis das Formular beim Bearbeiter eintrifft.

Eine Möglichkeit, die Zeit auf einen Tag zu verkürzen, besteht darin, die Überweisung an einem Bankautomaten einzutippen.

Dies ist letztlich der gleiche elektronische Vorgang wie beim Online-Verfahren. Dasselbe gilt, wenn ein Bankangestellter den Überweisungsvorgang am Computer vornimmt.

Für ganz eilige Fälle gibt es auch Blitzüberweisungen. Gegen 10 € oder 15 € Gebühr landet das Geld innerhalb weniger Stunden beim Empfänger. Geduld braucht man jedoch generell bei Überweisungen in Länder außerhalb Europas. Hier ist mit einer Überweisungsdauer von einer Woche zu rechnen.

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Überweisung: Wenn es mal wieder dauert

Doch nicht immer geht eine Überweisung reibungslos vonstatten. Viele Onlinehändler hören von ihren Kunden, das Geld sei schon vor mehreren Tagen überwiesen worden. Nicht immer steckt hier eine Ausrede dahinter.

Ein Beispiel: Peter Müller bestellt beim Onlineversand Kaffee&Co. eine neue Kaffeemaschine. Er überweist das Geld direkt am Bestelltag, welches beim Händler jedoch auch nach mehreren Tagen nicht auf den Kontoauszügen angezeigt wird.

Als Überweisender sollte Herr Müller sich nun schnellstmöglich an seine Bank wenden. Entweder ist seine Überweisung aus verschiedenen Gründen nicht bei seiner Bank angekommen und muss erneut abgegeben werden. Ist dies der Fall, kann die Angelegenheit meist schnell geklärt werden.

Herr Müller sollte jedoch in jedem Fall nachforschen, ab welchem Punkt der Überweisungsauftrag „verlorenging“ und ob nicht vielleicht ein Sicherheitsleck beim Online-Banking dafür verantwortlich sein könnte.

Alternativ kann es bei der Überweisung zu einem Fehler durch eine falsche Eingabe der Kontodaten von Kaffee&Co. gekommen sein, was sowohl Herrn Müller als auch der Bank passiert sein könnte. In einem solchen Fall kann die Bank das Geld zurückbuchen. Lag der Fehler jedoch bei Herrn Müller, werden hierfür unter Umständen hohe Gebühren fällig.

Sollte die Bank hingegen ohne schwerwiegenden Grund die vorgeschriebenen Fristen nicht eingehalten haben, muss sie den Geldbetrag für die Dauer der Verzögerung verzinsen und die Differenz dem Kunden gutschreiben. Der Zinssatz liegt hierbei fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz.

Vor- und Nachteile der schnellen Überweisung

Während die Überweisungen in der Vergangenheit also schon mal bis zu einer Woche in Anspruch nehmen konnten, zeigt sich die Regelung deutlich kundenorientierter. So können Kunden nun sicher sein, dass die Zahlung bei einer Bestellung im Internet bereits am Folgetag beim Verkäufer eingeht.

Einen Nachteil dieser Änderung gibt es jedoch laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Falls es wegen falscher Kontoangaben zu einer Fehlzahlung kommt, kann diese künftig aufgrund der kurzen Fristen oft nicht mehr ohne weiteren Aufwand widerrufen werden.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.