DAX: Geiz ist nicht immer geil!

Der für die Überschrift leicht abgewandelte Werbeslogan einer bekannten Elektromarkt-Kette macht deutlich:

Wir leben in einer Gesellschaft, die auf Sparsamkeit bedacht ist. Ob beim Einkauf oder der Inanspruchnahme von Dienstleistungen:

Wir haben eine Art 6. Sinn dafür entwickelt, nach Möglichkeit so günstig wie möglich einzukaufen.

Beim Kauf von Aktien kann dieses Streben nach Sparsamkeit indes fatale und auch ärgerliche Folgen haben – dazu 2 Beispiele:

Selten erfolgreich: Schnäppchenjäger und Sparsame

  • Der Schnäppchenjäger kauft mit Vorliebe Aktien, die jüngst im Kurs stark gefallen sind – so wie im „richtigen Leben“ muss das ja ein „günstiger“ Einstieg sein. Was jedoch dabei gerne übersehen wird:

Wenn ein Aktienkurs kräftig sinkt, dann nur deshalb, weil es mehr Verkäufer (Angebot) als Käufer (Nachfrage) gibt.

Die Verkäufer sind jedoch regelmäßig auch Großinvestoren, die für ihren Ausstieg eine wie auch immer geartete Motivation hatten.

Und den Großinvestoren sollten wir uns tunlichst nicht entgegenstellen!

  • Der Sparsame kauft so gut wie nie Aktien, die gerade kräftig gestiegen sind – schon gar nicht, wenn sie soeben ein neues Allzeithoch erreicht haben – und verpasst so oftmals exzellente Gewinn-Chancen.

Auch hier greift wieder das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Sie ahnen es schon: Wenn ein Aktienkurs kräftig steigt, dann sind eben mehr Käufer als Verkäufer in diesem Markt aktiv.

Und da auch hier meist die Großinvestoren im Einsatz sind – na ja, Sie wissen schon, was ich sagen will…

Als 1. Zwischenfazit können wir also festhalten:

Bemühen Sie sich darum, ihre Sparsamkeits-Gewohnheit aus dem Alltag beim Aktienkauf abzulegen!

Aus meiner fast 37-jährigen Börsen-Erfahrung heraus kann ich Ihnen sagen:

Sie werden Ihre Erfolgs-Quote beim Investieren erheblich steigern, wenn Sie überwiegend auf Aktien setzen, die im Kurs gerade gut gestiegen sind.

Aufschlussreiches Signal: Die Kurslücke

Die Charttechnik bietet uns in dieser Hinsicht zahlreiche Möglichkeiten. Auf eine möchte ich hier detaillierter eingehen: die Kurslücke.

Eine Kurslücke, im Englischen auch „Gap“ genannt, hinterlässt auf einem Balken- oder Kerzen-Chart ein „Loch“ im Kursverlauf:

  • Die Abwärts-Kurslücke entsteht dann, wenn eine Notierung derart kräftig sinkt, dass die an diesem Tag generierte Handels-Spanne mehr oder weniger deutlich UNTER der des vorhergehenden Handelstages liegt.
  • Bei der Aufwärts-Kurslücke bildet sich die neue Handels-Spanne entsprechend ÜBER der des vorhergehenden Handelstages.

Eine Abwärts-Kurslücke ist für Sie mithin ein sehr gutes Indiz dafür, dass Sie diese Aktie besser nicht (günstig) kaufen sollten.

Je größer das Gap, umso wahrscheinlicher wird es, dass die Aktie noch signifikant weiter abstürzt.

Eine Aufwärts-Kurslücke ist hingegen für Sie ein Kaufsignal. Auch hier gilt: Je größer das Gap, umso wahrscheinlicher ist eine sich anschließende kräftige Rallye.

Die Kurslücken am Beispiel DAX

Der DAX lieferte uns dafür im Jahr 2017 mehrere Beispiele, wie Sie im folgenden Chart sehen:

dax_03-08-2017

DAX: Große Aufwärts-Kurslücken starten meist kräftige Rallyes.

  • Die Abwärts-Kurslücke im Oktober 2016 (1) bescherte uns einen DAX-Verlust von -1,9% in nur 7 Tagen.
  • Der Aufwärts-Kurslücke im Dezember 2016 (2) folgte ein Anstieg von +6,4%.
  • Die (durch die Macron-Wahlgänge initiierte) Aufwärts-Kurslücke im April (6) startete eine +4,0%-Rallye bis Mitte Juni.

Wohlgemerkt: Die Prozentzahlen sind gerechnet AB jenem Zeitpunkt, an dem die Kurslücke im Chart eindeutig ist, also vom Schlusskurs des Tages, der das GAP ausbildete.

Es handelt sich somit um die maximal möglichen Verluste bzw. Gewinne, die Sie erzielen konnten, wenn Sie die Kurslücke als Signalgeber verwendet hätten.

Was Ihnen Gaps noch verraten

Der DAX-Chart zeigt Ihnen aber noch 3 weitere Auffälligkeiten in Bezug auf Gaps:

  1. Werden Kurslücken zu einem späteren Zeitpunkt durch den Kursverlauf wieder geschlossen, dann ist das oft ein gutes Indiz dafür, dass sich am Markt eine Trend-Wende vollzieht.
  2. Abwärts-Kurslücken mutieren später häufig zu Widerstands-Zonen (während eines Abwärtstrends). Umgekehrt wandeln sich Aufwärts-Kurslücken oft zu Unterstützungs-Bereichen.
  3. Einen wichtigen Hinweis auf die Bedeutung eines Gaps liefert Ihnen zudem der Umsatz – Sie wissen schon: Großinvestoren, Angebot und Nachfrage… Je höher der Umsatz bei Entstehen einer Kurslücke, umso relevanter ist das generierte Signal (vertikale blaue Balken).

Bei der Abwärts-Kurslücke (1) lag der Umsatz nahe dem 50-Tage-Durchschnitt: geringe Relevanz.

Die Gaps 2 und 6 waren hingegen von weit überdurchschnittlichen Umsätzen begleitet und erwiesen sich mithin als starke Signale.

Auch hier gilt jeweils: Je größer die Kurslücke, umso relevanter sind die Regeln.

Fazit

Kurslücken liefern Ihnen wichtige Einsichten über die wahrscheinliche Fortsetzung des Kursverlaufs. Je größer das Gap und je höher der Umsatz, umso relevanter wird dieses Chartsignal.

Werden Kurslücken „geschlossen“, dann ist dies häufig ein Indiz für einen bevorstehenden Trend-Wechsel.

Gaps erweisen sich im späteren Verlauf zudem oft als Unterstützungs- (Aufwärts-Kurslücken) oder als Widerstands-Zone (Abwärts-Kurslücken).

Der Grund für die hohe Trefferquote von Gaps sind Angebot und Nachfrage.

So dokumentiert eine große Kurslücke im Zusammenhang mit einem weit überdurchschnittlichen Umsatz ein massives Kaufinteresse von Großinvestoren.


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3. August 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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