Dax mit Sorgen: Berichtssaison bringt Licht und Schatten

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Die Berichtssaison 2018 der Dax Unternehmen wird durch Unsicherheiten in Sachen Brexit, Italien und Weltwirtschaft überschattet. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

In der Regel geben die letzten drei Monate eines Jahres dem Dax nochmal den finalen Kick. Seit Start der Berichtssaison 2018 aber hat er sich von seinem Absturz kaum erholt. Von einer Jahresend-Rally bislang keine Spur. Unabhängig von den Zahlen im dritten Quartal wird alles von Sorgen überschattet: der Brexit, das Sprengpotenzial in Italiens Haushalt, Trumps Strafzolltiraden sowie eine nachlassende Weltwirtschaft. Und erstmals ist das die deutsche Wirtschaftsleistung rückläufig.

Berichtssaison 2018 im dritten Quartal: gut ist oft nicht gut genug

Nach den ersten neun Monaten des Jahres 2018 findet die Berichtssaison unter schwierigen Vorzeichen statt. Insgesamt waren die Ergebnisse bisher durchwachsen: viel Schatten und etliche Lichter. Die aber reichten teilweise nicht aus, um die Kurse zu beleben. Vielfach war schlicht mehr erwartet worden. Gut ist manchmal nicht gut genug.

Ausgewählte Ergebnisse

Der Sportartikelhersteller Adidas ist weiterhin auf Wachstumskurs. Das währungsbereinigte Umsatzplus von 8 % ist zugleich die neue Zielmarke für das laufende Jahr. Bislang wurden 10 % erwartet. Dafür dürfte der Gewinn um bis zu 17 % höher ausfallen. Die Aktie zog danach spürbar an.

Bei der Allianz hat sich das Wachstumstempo beschleunigt. Die Umsatzerlöse stiegen um 7,9 %. Das operative Ergebnis gar um 20,6 %. Insgesamt lieft 2018 bisher hervorragend, was unter anderem auf geringere Naturkatastrophen zurückgeht. Der Versicherer steuert ein neues Rekordergebnis an. Dennoch gab es zunächst Gewinnmitnahmen aus dem vorausgegangenen Auftrieb.

Wie im letzten Jahr hat BMW erneut für Enttäuschung gesorgt. War der Umsatz um 4,7 % gestiegen, knickte der Gewinn um 27 % ein. Die Querelen in der Autobranche schlagen durch. Aufs Jahr gesehen dürften die Ergebnisse leicht unter den Vorjahreswerten liegen. Die Aktie konnte sich seither leicht erholen. Der Markt hatte Schlimmeres erwartet.

Nicht ganz so bei Daimler. Hier war der Absatz im Vorjahresvergleich um 8 % gestiegen. Doch der operative Gewinn reduzierte sich um 14 %. Bei PKWs hatte Daimler spürbar Anteile an Audi verloren. Die Aktie hatte bereits im Vorfeld abgegeben und erholte sich leicht.

Nur leicht abwärts ging es mit der gebeutelten Aktie von Continental. Die Probleme in der Autobranche hinterlassen beim Zulieferer Spuren. Bei fast stagnierendem Umsatz ist der Gewinn um ca. 18 % geschrumpft. Der Börsengang der Sparte Powertrain im nächsten Jahr wurde bestätigt.

2016 ein herber Verlust, 2017 ein überraschend guter Gewinn und dieses Quartal nur die Hälfte davon. Bei der Commerzbank hatten die Analysten allerdings mit deutlich schlechteren Zahlen gerechnet. Und sie sind für weitere Entwicklung positiv gestimmt. Die Aktie legte spontan um rund 3 % zu.

Ähnlich der Effekt bei der Deutschen Post. Erwartet wurde ein Gewinneinbruch der deutlich unter dem lag, was dann verkündet wurde: Minus 54,9 %. Sanierungsmaßnahmen bei Briefen und Paketen schlagen zu Buche. Der Umsatz indes ist um 4,7 % gestiegen. Die Aktie machte einen Sprung. Letztes Jahr noch war es bei hervorragenden Erlösen genau umgekehrt.

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Abwärts ging es wiederum bei der Deutschen Bank. Obwohl auch hier die Erwartungen übertroffen wurden. Die Erträge sanken um 9 %, der Vorsteuergewinn sackte im Vorjahresvergleich von 933 Mio. Euro auf 506 Mio. Euro. Der Konzernumbau schlägt nach wie vor zu Buche.

Ungewohntes bei Fresenius: der Gesundheitskonzern vermeldete bei nur um 3% gestiegenen Umsätzen einen stagnierenden Gewinn. Bei der Tochter Fresenius Medical Care ging der gar um 13 % zurück. Die Aktie rutschte um 16,5 % ab, die von Fresenius um 9 %.

Für Infineon war es das vierte Quartal. Obwohl Umsätze und Gewinn deutlich stiegen, zeigte sich der Markt schlecht gelaunt. Die Aktie gab leicht nach. Befürchtet wird ein künftig schlechterer Zyklus. Zudem wird verbreitet moniert, dass der Halbleiterhersteller ein komplett neues Werk in Villach errichtet. Andererseits ist er der einzige in der Branche, der zeitig investiert.

Bei der Lufthansa hieß es: Umsatz steigt um nur 1,5 % auf ca. 10 Mrd. Euro, Gewinn sinkt um 10% auf 1,1 Mrd. Euro. Höhere Kerosinpreise, Streiks, Flugausfälle oder die Integration von Eurowings drücken die Zahlen. Trotzdem legte die Aktie kräftig zu. Im Branchenvergleich hat die Airline gute Karten.

Etwas mehr Umsatz aber weniger Gewinn wurde auch bei Siemens vermeldet. Der Konzern baut sich komplett um und wird zur Holding mit drei Einheiten. Die Aktie gab spürbar nach.

Bei VW wiederum zog der Aktienkurs kräftig an, nachdem leicht gestiegene Umsätze und um über 16 % gesunkene Erlöse vermeldet wurden. Die ersten neun Monate allerdings liefen insgesamt deutlich besser. Aufs Jahr gesehen wird ein deutliches Plus erwartet. Und: Anders als bei BMW und Daimler dürfte die Marge steigen: auf 7,5 %.

Gute Zahlen, gute Aussichten bei Wirecard. Der Dax-Neuling schaffte einen Umsatzschub von 41 % und einen Gewinnsprung um 36 %. Der Zahlungsabwickler wirkt unter anderem am Bezahldienst von Apple mit. Die Aktie ist nach einem Hänger leicht im Aufwind.

Aussichten sind eher durchwachsen

Obwohl etliche der Ergebnisse bereits vorab im Kurs eingepreist waren, zeigte sich der Markt erstaunlich häufig überrascht. Insgesamt sind die Aussichten aufs kommende Jahr eher durchwachsen. Auf Turbulenzen sollte man sich einstellen.

Übrigens: Quartalszahlen sind nicht nur ein Korrektiv gegen reine Spekulationen, sie sind auch die Grundlage zur Ermittlung von Dividenden. Wenn attraktive Ausschüttungen winken, werden selbst gut bewertete Aktien nicht so schnell verkauft. Kurspflege im Dreimonatsrhythmus sozusagen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.