DAX-Prognosen für 2019: Banken erwarten turbulentes Jahr

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Die Prognosen der Banken für den DAX in 2019 sind ein interessanter Indikator. Anleger sollten sie jedoch mit Vorsicht genießen. (Foto: Deutsche Börse AG)

Das Jahr 2018 hat der Deutsche Aktienindex (DAX) das erste Mal seit sieben Jahren mit Verlusten beendet. Rund 20 Prozent hat der Leitindex zwischen Jahresbeginn und Jahresende verloren, auch wenn es vor allem in den Sommermonaten zwischenzeitlich nach Rekordzuwächsen aussah. Für 2019 stehen für den DAX ebenfalls wieder viele Auf- und Abwärtsbewegungen an – so prophezeien es zumindest die Experten der Banken. Sie geben üblicherweise zum Jahreswechsel ihre Prognosen ab.

Santander: Klaus Schrüfer von der spanischen Bank Santander geht davon aus, dass der DAX die Verluste aus 2018 wieder aufholen kann. Für Ende 2019 rechnet er mit einem Kurs von 13.400 Punkten. Das wäre fast so viel wie das Allzeithoch des DAX im Januar 2018.

Landesbank Hessen-Thüringen: Gertrud Traud von der Helaba kennt den Markt und sagt einen DAX-Wert von 13.200 Punkten zum Ende des Jahres 2019 voraus. Mit ihrer Prognose für 2018 lag sie gut, sie hatte dem DAX ein verlustreiches Jahr prophezeit.

National-Bank: Auf 13.300 Punkte schätzt Frank Wohlgemuth von der NB den DAX für Ende 2019. Der Grund für diese optimistische Voraussage ist sein Glaube daran, dass der Handelsstreit zwischen China und den USA mit einem annehmbaren Kompromiss enden wird.

Deutsche Bank: Ulrich Stephan von der Deutschen Bank ist deutlich skeptischer. 12.300 Punkte prophezeit er dem DAX für Ende 2019. Selbst diese (im Verhältnis zu den anderen Experten) niedrige Punktzahl sieht er nur, wenn die Lage in Italien, der chinesisch-amerikanische Handelsstreit und der Brexit ohne Eskalation auskommen.

DWS: Die Fondstochter der Deutschen Bank ist noch vorsichtiger mit ihrer Prognose. Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer, erwartet 12.200 Punkte zum Jahresabschluss 2019. Seiner Meinungen nach sind die Erwartungen des Marktes an das Wachstum der DAX-Unternehmen überzogen.

DZ Bank: Der Staatshaushalt in Italien und der Brexit bereiten dem Marktanalyst Christian Kahler Sorgen. Auch das verlangsamte Wachstum der Weltwirtschaft lässt ihn zu seiner Prognose für den DAX in 2019 kommen: 12.000 Punkte sagt er voraus. Das würde nur einen leichten Anstieg im Vergleich zum Schlusskurs von 10.559 Punkten am letzten Tag des Jahres 2018 bedeuten.

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Société Générale: Die Experten der französischen Bank sind die Pessimisten unter den DAX-Beobachtern. Bei gerade einmal 10.000 Punkten sehen sie den DAX Ende 2019.

Deka Bank: Kapitalmarktkenner Jochen Schallmeyer sieht ebenfalls große Probleme auf den DAX zukommen, die vor allem mit der drohenden Krise in Italien zusammenhängen. Von einem Fall auf 10.500 Punkte im ersten Halbjahr 2019 geht er aus. Bis Ende 2019 erwartet er dann Kursgewinne – 12.000 Punkte prophezeit er für den Schlusskurs 2019.

Unicredit: Ähnlich pessimistisch wie Société Générale ist die Unicredit Bank. Aktien-Experte Christian Stocker geht davon aus, dass das verlangsamte Wirtschaftswachstum und politische Unsicherheiten den DAX zunächst auf 9.500 Punkte fallen lassen könnten. Für das Jahresende erwartet er aber eine Erholung und ein Plus für den DAX im Vergleich zum Jahresbeginn.

Sollten sich Anleger an den DAX-Prognosen der Banken für 2019 orientieren?

Die Prognosen der Finanzmarkt-Experten sind durchaus interessant und können ein spannender Indikator sein, wenn es um den Kauf von Aktien oder Indexfonds geht. Jedoch sollten Anleger nicht nur auf Basis dieser Prognosen handeln, sondern den Markt selber gründlich unter die Lupe nehmen. Schließlich kann niemand vorhersagen wie sich die Kurse entwickeln, da es unzählige Einflussfaktoren gibt.

Die Banken haben in den letzten Jahren häufig danebengelegen. So wurden in 2017 von den Bankhäusern im Schnitt rund 14.000 Punkte für den Stand Ende 2018 vorhergesagt. Der tatsächliche Kurs lag um über 3.000 Punkte darunter und die Experten haben um satte 27 Prozent danebengelegen.

Die Sutor-Bank hat eine Auswertung gemacht und für die letzten 20 Jahre den Prognosewert mit der tatsächlichen Entwicklung des DAX verglichen. In 13 von 20 Jahren lag die reale DAX-Entwicklung immer mindestens 10 Prozent von der tatsächlichen Entwicklung entfernt. Die Meinungen der Experten können einen interessanten Blick bieten, da sie möglicherweise Konjunktureffekte berücksichtigen, an die Privatanleger noch nicht gedacht haben. Dennoch sollten sie keinesfalls der ausschlaggebende Grund für eine Investition sein.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.