DAX: So zeichnen Sie Trend-Linien stets korrekt

In diesem Beitrag werden Sie erfahren, wie Sie Trend-Linien in einem Chart stets „richtig“ ziehen.

Geben Sie 3 Investoren eine Grafik mit einem Kursverlauf, in den sie Trend-Linien einzeichnen sollen.

Sie dürfen davon ausgehen, dass Sie 3 unterschiedliche Ergebnisse erhalten werden.

3 simple Regeln für konsistent korrekte Trend-Linien im Chart

Dabei ist es gar nicht so schwer „konsistent“ die „richtigen“ Trend-Linien zu ziehen: Sie benötigen dazu einfach nur 3 Regeln, denen Sie folgen:

  1. Wählen Sie im Chart Ihren gewünschten Betrachtungs-Zeitraum: beispielsweise den Monats-Chart für langfristige, den Wochen-Chart für mittelfristige und den Tages-Chart für kurzfristige Trends.
  2. Für eine Aufwärtstrend-Linie verbinden Sie stets das tiefste Tief mit dem Tief, das dem höchsten Hochpunkt vorausgeht. Dabei darf die gezogene Linie keine Tiefs durchkreuzen, die zwischen den beiden Tiefpunkten liegen.
  3. Für eine Abwärtstrend-Linie verbinden Sie immer das höchste Hoch mit dem Hoch, das dem tiefsten Tiefpunkt vorausgeht. Auch hier darf die gezogene Linie keine Hochs durchkreuzen, die zwischen den beiden Hochpunkten liegen.

Trend-Linien-Methode stammt von Trader Vic

Ich möchte mich hier allerdings keinesfalls mit fremden Federn schmücken.

Die hier vorgestellte Methode habe ich mir vor gut 1/4 Jahrhundert von einem Börsenbuch-Autor abgeschaut, von dem ich noch viel mehr gelernt habe.

Victor Sperandeo beschreibt, neben vielen anderen wertvollen Tipps, dieses von ihm entwickelte Prinzip zum Ziehen von Trend-Linien in seinem 1991 aufgelegten Werk:

Trader Vic – Methods of a Wall Street Master.

Obwohl dieses Meisterwerk schon mehrere Dekaden alt ist, finden Sie darin auch heute noch zahlreiche, inspirierende Empfehlungen zu Themen wie:

  • Trading,
  • Geldpolitik,
  • Charttechnik,
  • Anleger-Disziplin
  • und Risiko-Management.

Übrigens: Bei Amazon ist dieses geniale englischsprachige Werk auch heute noch in der Neuauflage von 1993 als eBook (Kindle Edition) erhältlich (Stand: Oktober 2017).

DAX: Richtige und falsche Trend-Linien

Schauen wir uns die Trader-Vic-Methode für den Aufwärtstrend doch gleich einmal in einem DAX-Chart an:

dax_10-10-2017

DAX: Richtige und falsche Trend-Linien

Das tiefste Tief in diesem Tages-Chart-Ausschnitt finden Sie im Februar 2016. Dies ist Ihr Ausgangspunkt für die zu zeichnende Aufwärtstrend-Linie.

Um keinen anderen Balken beim Ziehen der Linie zu kreuzen, bleibt als Verbindungs-Punkt nur das Tief vom Juni 2016 (blaue Kreise).

Dies ist Ihre „korrekte“ langfristige Aufwärtstrend-Linie (durchgezogene grüne Linie).

Basis-Trend und dynamischer Trend

Sie können es gut erkennen: Selbst die Korrektur von Mitte Juni bis Ende August 2017 hat nicht ausgereicht, diesen Basis-Trend auch nur annähernd zu gefährden.

Ebenfalls prima zu sehen ist, dass der DAX ab dem Sommer 2016 einen deutlich steileren Kursverlauf genommen hat.

Daher ist es legitim, wenn Sie – etwa um mit Ihren Investments schneller reagieren zu können – auch in diesen dynamischen Verlauf Trend-Linien einzeichnen.

Die blauen Linien zeigen Ihnen jeweils eine korrekt und eine falsch gezogene Aufwärtstrend-Linie.

Die falsche Trend-Linie wurde zwar mit dem Tief (roter Kreis) verbunden, das dem Hoch im Juni 2017 vorausgeht, kreuzt jedoch andere Balken (gelbe Kreise).

Die durchgezogene blaue Linie ist somit die richtig eingezeichnete Trend-Linie.

Keine Trend-Linie ist in Stein gemeißelt

Wenn Sie die Regel 2 noch einmal aufmerksam lesen, dann ergibt sich daraus die gestrichelte grüne Trend-Linie:

Der DAX erreichte in der vergangenen Handelswoche (Stand: 10. Oktober 2017) neue Rekordmarken (grüner Kreis).

Entsprechend ist der mit dem grauen Kreis gekennzeichnete Trend-Bruch obsolet:

Die Aufwärtstrend-Linie muss daher unter das Tief neu justiert werden (gestrichelte grüne Trend-Linie), das dem jüngsten Top vorausgeht.

Somit befindet sich der DAX derzeit wieder in einem intakten Aufwärtstrend!

Wenn Sie die Prinzipien von Trader Vic beherzigen, werden Sie Trend-Linien ab sofort stets korrekt ziehen. Und Sie wissen, dass keine Trend-Linie in „Stein gemeißelt ist“:

Neue Hochs in einem Aufwärtstrend (bzw. neue Tiefs in einem Abwärtstrend) erfordern eine Neu-Justierung der „alten“ Trend-Linie.

Dabei werden frühere Trend-Brüche häufig „geheilt“.

10. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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