Deflation im Euro-Raum: Besteht die Gefahr?

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Deflation würde das Wirtschaftswachstum im Euroraum wahrscheinlich dämpfen. Bis jetzt ist Europa jedoch ein gutes Stück entfernt vom Preisverfall. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Bei einer Deflation fällt das allgemeine Preisniveau von Waren und Dienstleistungen.  Die Preise berechnet man, auch im Falle des Euro, anhand eines repräsentativen Warenkorbs. Darin befinden sich zum Beispiel Mietpreise, Nahrungsmittel oder Ausgaben für Bildung.

Seit Bestehen des Euros sind die Preisindices in den Euroländern in den meisten Fällen gestiegen – es kam also zu Inflation, nicht zu Deflation.

Das Schreckgespenst Deflation aus Griechenland

Allerdings haben jüngste Meldungen über eine Rückkehr der Deflation in Griechenland die Angst vor einem Preisverfall auch in anderen Ländern der Eurozone geweckt.

Das griechische Preisniveau ist im März um 0,2 % gefallen. In Athen hatte es schon seit 1968 keine Deflation mehr gegeben. Die EU-Kommission schätzt, dass sich der Preisrückgang in Griechenland nächstes Jahr fortsetzt.

Deflation schwächt das Wirtschaftswachstum

Deflation ist problematisch. Denn rechnen Verbraucher mit sinkenden Preisen, geben sie womöglich heute weniger aus, um morgen günstiger einzukaufen. Das schwächt natürlich das Wirtschaftswachstum.

Außerdem belasten Schulden nun mehr – schließlich muss man für eine Geldeinheit nun mehr Einheiten an Waren und Dienstleistungen verkaufen.

Konsumenten und Unternehmer versuchen deswegen, ihre Schulden so schnell wie möglich zurückzuzahlen – vor allem, wenn sie mit weiter steigenden Preisen rechnen. Es bleibt so weniger Geld für Konsum und Investitionen übrig.

Deflation: Im Extremfall führt sie zum Bankrott

Im Extremfall kann diese Dynamik dazu führen, dass Unternehmen bankrott gehen. Und zwar einerseits, wenn sie aufgrund des steigenden Geldwertes ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können.

Andererseits kann sie auch schlicht die wegbleibende Nachfrage in Schwierigkeiten bringen. Unternehmen müssen dann die Preise weiter senken, um mehr Kunden anzulocken – und das bei konstanten Fertigungskosten.

Kommt es daraufhin zur Unternehmenspleite, verlieren Arbeitnehmer ihren Job. Das führt wiederum zu sinkender Gesamtnachfrage – verstärkt also die negative Wirtschaftsdynamik.

Ein warnendes Beispiel dafür ist Japan. Schon seit 2 Jahrzehnten kämpft das Land gegen die Deflation. Die hat das Wirtschaftswachstum nach unten und die Verschuldung nach oben getrieben.

Deflationsangst im Euro-Raum gerechtfertigt?

Manche Experten fürchten nun, die griechische Deflation könnte auch andere Länder in Europa anstecken.

Ob diese Ängste jedoch gerechtfertigt sind, bleibt fraglich. Schließlich sind die Preise in den 17 Euroländern 2012 immerhin um rund 2,5 % gestiegen. In Deutschland lag die Inflation bei 2%.

Jedoch ist die Inflationsrate vor allem in den vergangenen Monaten gesunken. Zwischen April 2012 und April 2013 lag sie nur noch bei etwas über 1%.

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Lisa Louis
Von: Lisa Louis. Über den Autor

Lisa Louis ist freie Journalistin in Paris. Sie hat internationale Volkswirtschaftslehre in Deutschland und Frankreich studiert. Mit ihrem Wissen hilft Sie Lesern bei grundsätzlichen Fragen der Geldanlage und der Privaten Vorsorge.