Delivery Hero: Börsengang ist gelungen

Der Börsengang von Delivery Hero war ein Erfolg. Der Speisenlieferant hat einen lukrativen Markt vor sich, ist aber einseitig aufgestellt. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Es war der größte IPO Deutschlands in diesem Jahr: Am 30. Juni erfolgte der Börsengang von Delivery Hero. Am ersten Tag stieg die Aktie des Essenslieferanten auf 26,90 €. Und damit klar über den Ausgabepreis von 25,50, auf dessen Basis der Börsenwert des Unternehmens bei 4,4 Mrd. € lag. Nach wenigen Tagen rutsche die Aktie zwar kurzzeitig ab, erholte sich aber wieder auf nun 28,39 €.

Börsengang von Delivery Hero füllt die Kassen

Wie es aussieht, haben die Investmentbanken ihre Werbetrommel laut genug gerührt. Der Börsengang von Delivery Hero war mehrfach überzeichnet. Ein beachtlicher Start für ein Unternehmen, das gerade mal sechs Jahre jung ist. Knapp die Hälfte des Emissionsvolumens von 996 Mio. € floss in die Firmenkasse, die andere ging an die Alteigentümer.

Und hier freut sich vor allem Rocket Internet. Der Internet-Inkubator aus Berlin, der Delivery Hero mit Venture Capital auf den Weg brachte, erhielt gut 264 Mio. €. Er hält noch 25,7 % Aktien des Börsenneulings. Auch sein eigenes Papier erhielt endlich Auftrieb, was die Chance auf eine Aufnahme in den Mdax erhöht. Rocket Internet ist erstmals seit dem eigenen Börsengang im Oktober 2014 der Verkauf einer Beteiligung gelungen.

Während der Börsengang von Delivery Hero über die Bühne gegangen ist, steht der eines anderen Lebensmittel-Versenders namens Hello Fresh seit zwei Jahren aus. „Das Marktumfeld habe nicht gestimmt“, betont Rocket Internet. Bei Delivery Hero zumindest hat es wohl gepasst. Und vom Anlegergeld in der Firmenkasse kann derBörsenneuling im Prime Standard der Frankfurter Börse Schulden in Höhe von 300 Mio. € abbauen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Delivery Hero ist als Berliner Unternehmen Betreiber von Online-Bestellplattformen wie Lieferheld, Pizza.de oder Foodora. Das Geschäft: Fahrradkuriere liefern Speisen lokaler Restaurants aus. Bestellt wird per Internet. Angeboten werden Menüs Tausender Restaurants. Delivery Hero vermittelt die Aufträge, wickelt sie ab und kassiert von den Gastronomen eine Provision. Zusätzlich werden Gebühren fürs Einstellen von Speiseangeboten verlangt.

Damit trifft Delivery Hero triff,t ähnlich wie der Markentextilien-Versender Zalando sowie Online-Dienstleistungsvermittler generel,l den Nerv der Zeit. Umfragen des Marktforschungsinstituts Yougov zufolge können sich sieben von zehn Deutschen vorstellen, künftig Essen vermehrt anliefern zu lassen. Jetzt kommt es nur darauf an, wer den lukrativen Markt in den Ballungszentren Deutschlands und weltweit erschließt.

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Delivery Hero ist in 40 Ländern mit verschiedenen Marken aktiv, hat nach eigenen Angaben 200.000 Partner-Restaurants im Programm und vermittelt monatlich gut 13 Mio. Bestellungen. Weltweit buhlt eine Handvoll Anbieter um Kunden. Hierzulande ist Takeaway.com die stärkste Konkurrenz. Die Niederländer sind mit Lieferando bei den Verbrauchern derzeit noch bekannter als etwa Lieferheld. Dass die beiden anderen Marken Pizza.de und Foodora weniger in den Köpfen verankert sind, liegt wohl auch an den verschiedenen Zielgruppen, die sie ansprechen.

Geschäftsmodell langfristig zu einseitig

Was die Erlöse bisher ausgebremst hat, sind unter anderem etliche Zukäufe und Investitionen in den Geschäftsausbau. Nun soll mit Zukaufen erst mal Schluss sein, heißt es. Der Fokus liege auf organischem Wachstum. Zumindest hat sich der Rekordverlust von 174 Mio. € vor zwei Jahren auf zuletzt 107 Mio. € verringert. Der Umsatz indes steigt weiterhin rapide an. Im ersten Quartal konnte er sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppeln. 2016 betrug er insgesamt 297 Mio. €. Drei Jahre zuvor waren es noch 42 Mio. €.

Das Tempo könnte auch weiterhin anhalten, und die Tage, an denen Gewinne und Dividenden sprudeln, sind absehbar. Langfristig jedoch wird Delivery Hero mit derselben Situation konfrontiert werden, wie auch andere Vermittler: Wenn mit zunehmender Marksättigung, neuen Konkurrenten und Druck auf die Provisionen die Luft dünner wird, ist das Geschäftsmodell mit Essen auf Rädern für weiteres Wachstum zu einseitig.

Dann muss sich der Newcomer neue Felder erschließen, sofern sie nicht schon von anderen besetzt sind. Airbnb etwa kennt das Problem ebenso wie der weltweit größte Reisevermittler Priceline, der sich mit Open Table gleichfalls im Restaurant-Segment tummelt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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