Delivery Hero – Kann der Börsenneuling gegen Amazon bestehen?

Der Essenslieferdienst Delivery Hero AG schaffte im Sommer den größten Tech-Börsengang des Jahres, in dessen Rahmen die Rocket Internet Beteiligung 1 Mrd. € erlösen konnte.

Nachdem die Papiere bei 25,50 € bei den Anlegern platziert wurden, kletterten die Aktien des Börsenneulings zuletzt auf über 35 €, womit Delivery Hero an der Börse derzeit mit rund 6 Mrd. € bewertet wird.

Viele Anleger fragen sich nun, ob Delivery Hero seinen Höhenflug weiter fortsetzen und ob sich das Unternehmen langfristig gegen den großen Giganten Amazon.com behaupten kann? Dazu zunächst ein kurzer Blick auf das Unternehmen.

Delivery Hero – das Unternehmen unter der Lupe

Delivery Hero sitzt in Berlin und wurde im Jahr 2011 gegründet. Zu den insgesamt mehr als 30 Marken des Unternehmens gehören Lieferdienste wie Lieferheld, Pizza.de, Mjam, Foodora und Foodpanda.

Das Geschäftsmodell des Unternehmens ist denkbar einfach. Delivery Hero verbindet Restaurants mit Kunden, die sich das Essen ins Haus liefern lassen wollen. Die Bestellung kann der Kunde über eine entsprechende App auf dem Smartphone aufgeben.

Delivery Hero tritt dabei quasi als Vermittler zwischen Restaurant und Konsumenten auf und kassiert dabei Kommissionsgebühren von angeschlossenen Restaurants. Sowohl die Zubereitung der Speisen als auch die anschließende Auslieferung wird von den Restaurants selbst übernommen.

Delivery Hero arbeitet dabei mit über 150.000 Restaurant-Partnern in 42 Märkten zusammen, weshalb sich das Unternehmen selbst als weltweit führender Online-Essenslieferdienst bezeichnet.

Rocket Internet hält auch nach dem Börsengang noch 25,7 % der Anteile an Delivery Hero, die Beteiligungsfirma Naspers aus Südafrika ist noch mit 10,7 % an Delivery Hero beteiligt, 22,7 % der Aktien befinden sich im Streubesitz.

Delivery Hero vs. Amazon – was kann das deutsche Unternehmen in die Wagschale werfen?

In Europa muss sich Delivery Hero mit einer Reihe von lokalen Wettbewerbern auseinandersetzen. In Deutschland ist dies Lieferando.de (gehört zum Takeway.com Konzern), in Großbritannien Just Eat. In den USA versucht auch der Börsenneuling GrubHub Fuß zu fassen.

Als künftigen Wettbewerber sehen Marktbeobachter aber Amazon.com. Der weltgrößte Online-Händler liefert über AmazonFresh Lebensmittel direkt ins Haus und bietet über Amazon Restaurants ebenfalls einen Online-Essenslieferdienst an. Für Amazon Prime Mitglieder ist der Online-Essenslieferdienst sogar kostenlos.

Allerdings ist Amazon Restaurants bislang nur in einigen wenigen Märkten verfügbar. In Deutschland und insgesamt 35 Ländern gilt Delivery Hero als die Nummer 1 im Markt. Eigenen Angaben zufolge kann Delivery Hero bereits 2,7 Milliarden Menschen mit seinen Lieferservices erreichen.

Fazit: Delivery Hero mit großen Chancen, Unternehmen muss aber erst noch liefern

Delivery Hero ist in den letzten 3 Jahren im Schnitt fast um 100 % gewachsen. Diese Wachstumskurve wird sich nicht dauerhaft halten lassen. Anleger sollten auch beachten, dass Delivery Hero nach wie vor rote Zahlen schreibt.

Zwar wickelt Delivery Hero die meisten Bestellungen unter den Online-Lieferdiensten ab, mit einem Jahresumsatz von 297 Mio. € (Stand: 2016) ist Delivery Hero aber kleiner als seine Wettbewerber GrubHub und Just Eat.

Zudem sollten Anleger beachten, dass sich der Wettbewerb in diesen Markt in den nächsten Jahren weiter intensivieren könnte. Vor allem wenn der Online-Händler Amazon.com stärker in diesen Markt expandiert, könnten die Gewinnmargen der Marktteilnehmer dünner werden und gleichzeitig die Kosten für die Gewinnung von Neukunden steigen.

Der Erfolg von Delivery Hero dürfte also nicht zuletzt davon abhängen, wie das Unternehmen das weitere Wachstum managt, ohne dabei zu viel Geld zu verbrennen. Dabei muss Delivery Hero erst noch zeigen, ob das Unternehmen nachhaltig schwarze Zahlen schreiben kann.

Unter dem Strich ist die Aktie von Delivery Hero nur für spekulativ orientierte Anleger interessant, die einen langem Atem haben und einen wachstumsstarken Wert im Depot wollen.

29. September 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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