Der Dax im 2. Halbjahr 2018: erst volatil, dann stabil?

Wackelig ist der Dax ins zweite Halbjahr 2018 gestartet. Doch bis Herbst könnten sich wesentliche Unsicherheitsfaktoren erledigt haben. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Kaum sind die Sonnwendfeuer verloschen, drängt der Blick in die kalte Asche die bange Frage auf: Wie geht es weiter mit dem Dax? Das zweite Halbjahr 2018 begann schließlich wenig berauschend. Wurden zu Beginn des Jahres noch Rekordstände von 13.500 Punkten gefeiert, ist man inzwischen schon froh, wenn die 12.000er Marke nicht unterschritten wird.

Einiges Geld ist mittlerweile in Rauch aufgegangen. Auch wenn ein großer Crash anders aussieht, so droht der achtjährigen Hausse im Dax zum zweiten Halbjahr endgültig die Luft auszugehen. Doch nicht nur der Dax musste Federn lassen, auch der Dow Jones notiert mehr als 6 % unter seinem Höchststand von 16.6100 Punkten im Februar.

Negative Signale überlagern die Potenziale

Und in Asien gaben die Börsen zu Beginn des zweiten Halbjahres deutlich nach. Hauptgrund ist der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und deren Handelspartnern. China rüstet sich für den Handelskrieg, die EU ebenfalls und selbst die Kanadier liegen mit Trump im Clinch. Trump gegen den Rest der Welt – das bedeutet einerseits, dass sich die USA zunehmend selbst isolieren, doch Tatsache ist: Wenn sich Vorgaben aus der Wallstreet verschlechtern, leidet auch der Dax.

Insgesamt überwiegen die negativen Signale. Auch wenn der Unsicherheitsfaktor einer Regierungskrise in Deutschland beigelegt ist, so verheißt schon der Einkaufmanagerindex (PMI) nichts Gutes. Zum weiten Mal in Folge ist er gesunken. Die deutsche Industrie verzeichnet den schwächsten Auftragszuwachs seit über zwei Jahren, und die Geschäftsaussichten sind auf die tiefsten Werte seit drei Jahren gesunken.

Zu den eingetrübten Konjunkturerwartungen gesellen sich bei vielen Anlegern Bedenken, dass steigende Zinsen den Aktienmarkt zusätzlich schwächen könnten. An dem Punkt allerdings ist Entwarnung angesagt. Angesichts eingetrübter Konjunkturerwartungen ist auf absehbare Zeit kaum von höheren Zinsen auszugehen. Die jüngste Inflationsrate in Deutschland von rund 2 % erreicht gerade mal den Zielkorridor der EZB und ist zum großen Teil vom Ölpreis getrieben.

Setzen Sie auf Nebenwerte – es lohnt sich!Warum es sich lohnt, auf Nebenwerte zu setzen, die meisten europäischen Anleger es aber dennoch nicht oder nur in sehr geringem Maße tun. › mehr lesen

Was Aktien angeht: Der Anlagedruck ist unverändert hoch. Solange Zinsanlagen weiterhin negative Realzinsen bringen, gibt es keine wirkliche Alternative. Dies wird auch den Dax zumindest stabil halten. Interessant ist der Blick auf den VDax. Das Angstbarometer präsentiert sich trotz aller Unsicherheitsfaktoren erheblich ruhiger als auf Anhieb vermutet.

Chancen für den Dax im zweiten Halbjahr 2018

Bei aller Vorsicht erscheint fürs zweite Halbjahr 2018 beim Dax folgendes Szenario wahrscheinlich: Bis zum Herbst sollte man sich auf einen volatileren Verlauf einstellen. Kurzfristig orientierte Akteure können in der Zeit etwa mit Short-ETFs oder Zertifikaten auf den Dax ihre Chancen über Kursschwankungen wahrnehmen.

Langfristig ausgerichtete Anleger sollten mit Blick auf die Unsicherheiten in der Weltwirtschaft die amerikanischen Kongresswahlen im November nicht vergessen. Bis dahin dürfte Trump umso mehr für Unruhe sorgen. Zwischenzeitlich jedoch wird sich in den USA der Widerstand vor allem in der Wirtschaft verstärken. Sieht sie sich doch zunehmend durch seine impulsgetriebenen Strafzoll-Aktionen massiv bedroht.

Gut denkbar, dass Zollfragen wieder dort landen, wo sie hingehören: beim Handelsministerium. Dass Trump sie über das Kriterium der „nationalen Sicherheit“ komplett an sich gerissen hat, wird selbst in den eigenen Reihen als Missbrauch eines formalen Schlupflochs gesehen. So stellen immer mehr republikanische Kongressmitglieder öffentlich die Frage, was denn dringend benötigte Stahllegierungen oder begehrte Automarken mit nationaler Sicherheit zu tun haben.

Bis Herbst könnten sich auch die Wogen um den Brexit geglättet haben. Derzeit schlagen sie in Großbritannien immer höher. Alles in allem stehen die Chancen gut, dass in einigen Monaten die Weltwirtschaft und damit die deutschen Konzerne vom Wegfall zweier dicker Bremsklötze profitieren werden. Zwischenzeitliche Kurskorrekturen im Dax lassen sich gut zum Einstieg nutzen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.