Der Erdölstaat Venezuela und die galoppierende Inflation

Wegen der reichen Erdölvorkommen müsste der südamerikanische Staat Venezuela eigentlich besonders gut da stehen. Das Gegenteil ist der Fall. Die […] (Foto: Siriwat Sriphojaroen / Shutterstock.com)

Wegen der reichen Erdölvorkommen müsste der südamerikanische Staat Venezuela eigentlich besonders gut da stehen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Menschen des Landes leiden unter dem Verfall der heimischen Währung, dem Bolivares Fuertes. Das geht soweit, dass bereits Teile der Bevölkerung hungern müssen.

Die Inflationsrate Venezuelas lag 2016 bei etwa 800 %. Im Wesentlichen lag das an der verfehlten Wirtschaftspolitik der sozialistischen Regierung unter dem Präsidenten Nicolás Maduro. Diese verfolgt weiterhin ein kompliziertes Wechselkurssystem, das von dessen Vorgänger Hugo Chávez bereits im Jahr 2003 eingeführt worden war.

Venezuelas Inflation – Hintergründe und Auswirkungen

Der 2003 verstorbene ehemalige Präsident  Hugo Chávez hatte einst den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ ausgerufen.  Was er und sein Nachfolger darunter verstanden haben und verstehen, wirkt sich in einer umfassenden Kontrolle des gesamten Wirtschaftslebens aus. Preise, Geldpolitik, Devisenhandel – nichts davon kommt ohne Eingriffe des Staates aus.

So gibt es für den Bolivar 3 verschiedene Wechselkurse. Offiziell liegt dieser bei 10:1, auf Grundlage dessen Unternehmen staatlich eingeschränkte Mengen US-$ für den Import wichtiger Waren tauschen können. Für sämtliche anderen, finanziellen Transaktionen beträgt der Devisenkurs 620:1, auf dem Schwarzmarkt wird der US-$ 1000:1 gehandelt.

Nachdem der Ölpreis in den vergangenen Jahren um ca. 50 % eingebrochen ist und Venezuela rund 97 % seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl generiert, herrscht im Land bei fast allen Waren und Dienstleistungen des Alltags Mangel. Da Venezuela so gut wie alles aus dem Ausland importiert, reichen die Erträge aus den Erdölverkäufen nicht mehr. Selbst Importe von Nahrungsmitteln werden zurückgeschraubt.

Venezuela vor dem Kollaps – Grundnahrungsmittel und Medikamente werden knapp

In vielen Regalen der Supermärkte Venezuelas herrscht gähnende Leere. Der Schwarzmarkthandel blüht. Beispielsweise kostet das Kilo Zucker, hierzulande ein besonders knappes Gut, etwa 940 Bolivares. Wegen der unterschiedlichen Wechselkurse zahlt der, der Zugang zum billigen US-$ hat, 94 US-Cents. Für den „venezuelanischen Otto-Normalverbraucher“, der mit dem staatlichen Mindestlohn von 15.000 Bolívares im Monat auskommen muss, kann sich Zucker kaum mehr leisten.

Die Rezession ist allenthalben spürbar. Die ständig neue Rekorde brechende Inflation hemmt die gesamte Wirtschaftsleistung des südamerikanischen Staates. Die sank im Jahr 2016 deutlich um 18,6 % und verschärft damit die Krise. Kein Wunder, dass die Stimmung im Land auf dem Nullpunkt ist. Viele Menschen sehnen das Ende der sozialistischen Regierung herbei.

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In Venezuela herrscht eine galoppierende Inflation und eine Wirtschaftskrise, die einerseits durch den Verfall des Ölpreises und verfehlte ökonomische Maßnahmen verursacht worden ist. Dagegen macht Präsident Nicolás Maduro  dafür auch seine politischen Gegner verantwortlich, die nach seiner Meinung mit Hilfe der Vereinigten Staaten einen Wirtschaftskrieg gegen Venezuela führen.

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.