Der Fall Nordex: Was Sie daraus lernen können (sollten)

Aktien, die sich durch einen langanhaltenden Höhenflug auszeichnen, genießen – schon rein logisch – eine sehr große Aufmerksamkeit seitens der […] (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Aktien, die sich durch einen langanhaltenden Höhenflug auszeichnen, genießen – schon rein logisch – eine sehr große Aufmerksamkeit seitens der Marktteilnehmer.

Denn: Ein Aufwärtstrend kann nur dann immer weiter angetrieben werden, wenn stetig neue Käufer hinzu kommen, die davon überzeugt sind die Aktien noch teurer wieder verkaufen zu können.

Der Treibstoff dafür entsteht durch einen Mix aus medialer Über-Präsenz – der Kurs-Anstieg sorgt für Furore – sowie der menschlichen Eigenschaft „Gier“:

Für viele Anleger ist es einfach schwer erträglich, eine „Mega-Rallye“ verpasst zu haben.

Ein übler Investment-Ratgeber: Das „Gier-Verpasst“-Syndrom

Das „Gier-Verpasst“-Syndrom, wie ich es nenne, ist auch der Grund dafür, warum eine Aktie selbst dann noch im Blickpunkt dieser Anleger-Gruppe bleibt, wenn der Höhenflug augenscheinlich beendet ist.

Die Nordex-Aktie ist geradezu ein Prachtexemplar dieser besonderen Gattung.

Falls der Hype um den Windturbinen-Hersteller an Ihnen vorbeigegangen oder nicht mehr so präsent sein sollte, hier ein Chart zur Auffrischung der Erinnerung:

nordex chart1_01-03-2017

Nordex: 2-facher Mega-Kursgewinner in 11 Jahren

2-facher Mega-Kursgewinner in 11 Jahren

Die Rallye von 2012 bis Februar 2016 weist zwar beeindruckende +1.219% Kurs-Plus auf. Noch glänzender war indes der Aufstieg von 2005 – 2007, als sich die Nordex-Aktie um irre +2.650% in die Höhe schraubte.

Nun werden Sie gewiss verstehen, warum sich die Aktie des Windturbinen-Herstellers einer derartigen Beliebtheit unter den Anlegern erfreut.

Ich sage nur: Das „Gier-Verpasst“-Syndrom!

Das Ende des Aufwärtstrends war seit Februar 2016 augenscheinlich

Das Faszinierende an diesem Beispiel und vergleichbaren Fällen ist, dass dieses Syndrom auch dann noch für Kaufinteresse sorgt, wenn der Aufwärtstrend schon für jeden klar erkennbar beendet ist.

Den obigen Chart habe ich ganz bewusst im Januar 2016 auslaufen lassen: Der Trend-Bruch war so auch für Sie klar ersichtlich.

Schauen wir nun einmal gemeinsam, wie es danach weiterging:

nordex chart2_01-03-2017

Nordex: Für den Charttechniker war alles vorhersehbar.

Lassen Sie sich bitte nicht von den vielen Linien und Kreisen abschrecken – es wird alles erklärt!

Alles im Chart signalisierte: „Finger weg!“

Nach dem Bruch des Aufwärtstrends aus 2012 ging die Nordex-Notierung in eine Seitwärts-Bewegung über. Dabei erwies sich der ehemalige Widerstand um 23,00 € zunehmend als Unterstützung.

Die 200-Tage-Linie wirkte auf der Gegenseite als „Deckel“. Insgesamt stützte diese Seitwärts-Bewegung die Hoffnung zahlreicher Anleger auf eine baldige Fortsetzung der Rallye.

Börse ist nie „unlogisch“

Das galt auch deshalb, weil der Kursverlauf für viele Anleger unverständlich oder gar „unlogisch“ erschien:

Schließlich rechtfertigten die vom Konzern im Frühjahr 2016 vollzogene Akquisition des ehemaligen Partners Acciona Windpower und ansprechende Quartalszahlen doch eigentlich kräftige Kursgewinne!?

Als erfahrener Investor wissen Sie indes: Die Börse folgt nur ihrer eigenen Logik.

Das heißt:

Wenn ein Aktienkurs trotz guter Geschäftszahlen nicht steigen mag, dann steckt nicht selten etwas anderes dahinter – etwas, das sich dem „normalen“ Anleger oft erst viel später – und meist zu spät – offenbart.

Da ist es wieder: „An der Börse wird die Zukunft gehandelt“

Bei Nordex war es die Zukunft, die von der Börse gehandelt wird und die im Unternehmen wohl schon länger nicht mehr stimmte.

Im Januar 2017 konnte ein „nachrechnender“ Investor dies endgültig erkennen:

Der von Nordex als „Erfolg“ verkündete Auftrags-Zuwachs von +33,6% war viel zu wenig für eine Firma, die durch eine Akquisition im Frühjahr 2016 satte +142% an Umsatz hinzugewonnen hatte!

Wer sich auch von diesem Hinweis nicht von einem Einstieg in Nordex abhalten ließ, der wurde in der letzten Februar-Woche 2017 knüppelhart bestraft:

Die Aktie stürzte in nur 2 Tagen um -32,7% ab, nachdem Nordex seine Umsatz-Ziele für 2017 und 2018 „einkassierte“.

Die „Flagge“ kündigte schon lange vorher alles an

Hier sehen Sie übrigens wieder einmal den hohen Nutzwert der Charttechnik für Ihre Investment-Entscheidungen; der Absturz Ende jener Woche hatte sich nämlich schon im Januar abgezeichnet:

Im pinkfarbenen Kreis finden Sie eine Flaggen-Formation (blaue Linien) vor.

Dieses, dem vorherrschenden Trend entgegen gerichtete, Konsolidierungs-Muster tritt häufig nach kräftigen Kursbewegungen (linker blauer Kasten) auf.

Und: Es signalisiert Ihnen frühzeitig eine baldige Fortsetzung der Abwärts-Bewegung mit ähnlicher Dynamik.

Fazit und Empfehlung

Was Sie aus dem Beispiel-Desaster Nordex mitnehmen sollten: Lassen Sie sich bei Ihren Investments bitte nicht vom „Gier-Verpasst“-Syndrom leiten!

Wenn eine Mega-Rallye beendet ist und Sie waren nicht „dabei“, dann akzeptieren Sie dies!

Denn: Wenn ein Aufwärtstrend beendet ist, dann ist ein Abwärtstrend zumeist die logische Folge.

Und ein Abwärtstrend bleibt solange ein Abwärtstrend, bis die Trend-Wende von der Aktie vollzogen wurde. Das sehen Sie dann im Chart – so einfach ist das!

Wenn Ihnen die Börse „unlogisch“ erscheint, dann ist sie das nur in Ihren Augen. Denn:  „Der Markt hat immer Recht!“

Und falls sich ein Kurs einmal nicht so entwickelt, wie es eigentlich zu erwarten wäre, dann wissen andere Marktteilnehmer ganz offensichtlich mehr als Sie.

Im Fall Nordex wussten (oder ahnten) wohl auch die Großinvestoren, dass etwas nicht zusammenpasste:

Das On-Balance-Volumen sackte schon im November 2016 unter eine 18-monatige Unterstützung.

Die Aufwärts-Bewegung in der Flagge war dann aber nicht von massiven Rückkäufen der Großinvestoren getragen.

Last not least: Auch ein augenscheinlicher Trend-Kanal hält eine Aktie nicht zwingend davon ab noch tiefer zu sinken; das sehen Sie im grünen Kreis.

Und die dort entstandene Abwärts-Kurslücke signalisiert Ihnen schon heute noch weiter fallende Nordex-Notierungen!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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