Der Kopf entscheidet über Ihren Anlage-Erfolg

Der Kopf entscheidet ganz wesentlich über Ihren Erfolg an der Börse.

Daher möchte ich mich an dieser Stelle dem Thema Börsen-Psychologie bzw. Verhaltens-Ökonomik (wie es in der Wissenschaft genannt wird) widmen.

Im angelsächsischen Raum wird dieses Themenfeld als „Behavioral Finance“ bezeichnet.

Behavioral Finance

Die Grundlage der Behavioral-Finance-Theorie bildet die von Daniel Kahneman und Amos Tversky entwickelte „neue Erwartungs-Theorie“ aus dem Jahr 1979.

Sie bietet aus psychologischer Sicht eine Alternative zu der bis dahin gängigen Annahme, dass der Mensch rein rational entscheidet; also ein „Homo Oeconomicus“ ist.

Die Grundaussage der Behavioral Finance lautet: Anleger neigen zu „Anomalien“.

D. h., dass Investoren zu nicht rational begründbaren Verhaltensmustern neigen, die sich in ihren Anlage-Entscheidungen – und damit auch in den Kursen der Wertpapiere – niederschlagen.

Dadurch gibt es keine stets effizienten Märkte, denn es kommt durch diese „Anomalien“ immer wieder zu Fehlbewertungen.

Die Behavioral-Finance-Theorie wird gerade deshalb für Sie als Anleger besonders interessant, denn:

Wenn Sie typische Verhaltens-Fehler – und diese auch bei sich selbst – erkennen, können Sie nicht nur eigene Entscheidungen optimieren.

Sie können auch die durch das Fehlverhalten anderer entstehenden Chancen für sich nutzen.

Auswirkungen in der Börsen-Praxis

Ich möchte Ihnen jetzt praxisnah einige Auswirkungen verdeutlichen:

Im Rahmen ihrer Arbeit an der „Neuen Erwartungs-Theorie“ entdeckten Kahneman und Tversky bereits in den 70er-Jahren:

Investoren schmerzt ein Verlust mindestens doppelt so stark, wie ein Gewinn in identischer Höhe positive Emotionen auslöst.

Das Ergebnis dieses unterschiedlichen Schmerzempfindens in der Praxis ist, dass Verluste oftmals zu spät realisiert, Gewinne hingegen zu früh mitgenommen werden.

Zudem konnten Tversky und Kahneman bei Investoren eine selektive Wahrnehmung nachweisen.

Im Rahmen der Info-Aufnahme und -verarbeitung nehmen viele Anleger Infos derart subjektiv wahr, dass die Handlungen oder Ansichten des jeweiligen Investors bestätigt werden sollen.

Das bedeutet in der Praxis: Der Anleger sieht nur das, was er sehen will. Dies ist sehr gefährlich, denn:

Eine wichtige Information kann dadurch bei 2 Investoren vollkommen unterschiedliche Bewertungen und darauf basierende Entscheidungen auslösen.

Die Fehler, die daraus bei Börsen-Geschäften entstehen, können sehr teuer werden.

Der „Rückschau-Effekt“

Ein weiteres oft zu beobachtendes Phänomen stellt der sogenannte „Rückschau-Effekt“ dar.

Er beschreibt den Umstand, dass sich Menschen systematisch falsch an ihre Vorhersagen erinnern, nachdem das Ereignis eingetreten ist.

Im Ergebnis führt dies zu einer fatalen Überschätzung der eigenen Prognose-Fähigkeiten.

Dazu ein Zitat von Daniel Kahneman (der übrigens zusammen mit Amos Tversky 2002 den Wirtschafts-Nobelpreis erhielt):

„Wenn sich etwas ereignet, schaut es im Nachhinein immer so aus, als hätte es passieren müssen.“

Was er damit sagen will, ist, dass sich zu jedem Ereignis, egal, ob ein Aktienkurs steigt oder fällt, rückblickend ein scheinbar zwingender Grund erkennen oder konstruieren lässt.

Fazit

Abschließend lässt sich folgendes sagen:

Sie sollten es schaffen beim Thema Geldanlage möglichst rational vorzugehen und die Anomalien des Marktes bestenfalls sogar für sich zunutzen.

Denn dann sind Sie auf längere Sicht quasi automatisch der breiten Masse der Anleger überlegen.

20. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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