Der Langsamste gewinnt – Neue Börse sagt Hochfrequenzhandel den Kampf an

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„Hochfrequenzhandel: Dieses gefährliche Gezocke muss weg!“ So und ähnlich habe ich zum unsäglichen High Frequency Trading (HFT), deutsch: Hochfrequenzhandel, mehrfach […] (Foto: Roman Tiraposlky / shutterstock.com)

„Hochfrequenzhandel: Dieses gefährliche Gezocke muss weg!“

So und ähnlich habe ich zum unsäglichen High Frequency Trading (HFT), deutsch: Hochfrequenzhandel, mehrfach an dieser Stelle geschrieben.

Und eines gleich vorweg: Es sieht momentan tatsächlich gut aus, dass das gefährliche Gezocke ein Ende findet!

Hochfrequenzhandel: Gefährliches Gezocke zum Wohle weniger Marktteilnehmer

Beim Hochfrequenzhandel geht es um Milli- und Mikrosekunden, mit denen hochgerüstete professionelle Wertpapierhändler bei ihrem Wettrüsten kalkulieren.

Dabei sind 0,01% – 0,1% das Gewinnziel einzelner Trades mit Haltedauern von Millisekunden.

Dieses rücksichtslose Gezocke hat nichts mit klassischer Börse zu tun; das ist Casino pur – sinnlos und schädigend für die Volkswirtschaft!

Politik kümmert sich (wieder einmal) nicht darum

Als Lösungs-Möglichkeit hatte ich eine Finanztransaktions-Steuer für Trades im Bereich von Milli- und Mikrosekunden genannt.

Eine solche Steuer von 0,01% würde das High Frequency Trading empfindlich stören; im Idealfall verhindern. Aber: Seitens der Politik rührte und rührt sich nach wie vor nichts.

Zeitverzögerung verhindert Hochfrequenzhandel

Als weiteren Lösungs-Vorschlag hatte ich vorgeschlagen, dass Papiere z. B. mind. 0,5 – 1 Sek. gehalten werden müssen, bevor sie wieder glattgestellt werden dürfen.

Auch hier griff die Politik nicht ein, aber:

Clevere Unternehmer schaffen die Lösung

Pfiffige und kapitalkräftige Unternehmer haben jetzt einen großen Schritt in die richtige Richtung getan: IEX ist das Zauberwort.

Es ist die neue Börse IEX, die für geringfügig längere Haltezeiten von Trades sorgt und die den Hochfrequenzhandel damit ausbremst.

In den USA werden über diese neue Börse schon gut 2% des Handels-Volumens des Aktienmarktes abgewickelt. Nun kommt die neue Börse nach Europa.

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61 km Umweg für Hochfrequenzhandel

Trades, die über die IEX laufen, müssen einen Umweg nehmen: 61 km Glasfaserkabel auf einer Spule verzögern jeden Trade.

Der normale Anleger merkt nichts. Denn auch hier geht es um weniger als 1 Sek. Verzögerung, aber der Hochfrequenzhandel ist ausgebremst – super!

Der Langsamste gewinnt

Die US-Börsen Nasdaq und NYSE ziehen schon nach und schaffen vergleichbare Handels-Plattformen.

Sie wollen keine Umsätze an die IEX verlieren – erfreut sage ich: Der Langsamste gewinnt!

Gute Nachricht: Neue Börse sagt Hochfrequenzhandel den Kampf an

Natürlich will auch die IEX Gewinne durch Handels-Provisionen erzielen. Das ist legitim – mehr noch: Es ist gut so!

Denn genau dadurch wird privatwirtschaftlich die Lösung auf den Weg gebracht, bei der die Politik wieder einmal versagt hat.

Nun sage keiner, das käme davon, dass etwa Goldman Sachs so viele ehemalige Top-Manager in Spitzenpositionen der Politik untergebracht habe!

Und die Verbandelung von Bank und Politik wurde beispielsweise auch schön deutlich, als Deutsche-Bank-Ex-Vorstand Ackermann im Kanzleramt seinen 60. Geburtstag feierte.

Vorteil für Anleger

Sicher: Kurzfristig haben Sie und ich keinen Vorteil durch diese Neuerung, wir merken es nicht einmal.

Aber es sorgt für ein gutes Stück bessere Börsenkultur sowie transparenteren Handel – davon profitieren Sie und ich sehr wohl.

Und wenn sich das herumspricht, kommen vielleicht viele Anleger neu zur Börse oder kehren zu dieser zurück.

Die sorgen für zusätzliche Kaufnachfrage und damit einhergehend steigenden Kursen – eine erfreuliche Perspektive!


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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.