Derivate-Regulierung: Handel soll sicherer und transparenter werden

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Die EU hat auf die Bankenkrise reagiert und mit einer Regulierung von Derivaten den Handel sicher und durchschaubarer gemacht. (Foto: Pavel Ignatov / Shutterstock.com)

Das EU-Parlament hat sich durchgerungen und im Frühjahr 2013 den Weg für die Regulierung des Derivatemarktes freigemacht.

Damit können erste Verordnungen schon Mitte März 2013 in Kraft treten, die den Handel mit Derivaten neu regeln sollen. Grundlage ist die EU-weite Vorgabe aus der sogenannten European Market Infrastructure Regulation (EMIR).

Die Derivate-Regulierung European Market Infrastructure Regulation (EMIR) erfordert künftig die Meldung aller Derivatekontrakte an ein Transaktionsregister. Die Meldepflicht nach EMIR soll dann im Juli 2013 verpflichtend werden.

Im Mittelpunkt steht dabei der sogenannte „Over the Counter“ (OTC) Markt, auf dem Banken untereinander bislang weitgehend unreguliert Geschäfte tätigen konnten.

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Da der Derivatehandel mit einem nicht unerheblichen Risiko verbunden ist, brachte genau dieser Handel schon so manche Bank in die Bredouille.

Derivate-Regulierung: Auftragsabwicklung künftig über zentrale Clearinghäuser

Um künftig Bankenpleiten vorzubeugen, hat sich das EU-Parlament für die Regulierung von Derivaten entschlossen. Die neuen Vorschriften für den Derivate-Handel sehen dabei insbesondere „zentrale Gegenparteien“ vor.

Das heißt im Klartext, dass künftig zentrale Clearinghäuser die Auftragsabwicklung übernehmen. Über diese zentralen Abwicklungsstellen sollen alle Geschäfte laufen, wobei diese in einem zentralen Transaktionsregister erfasst werden.

Bestimmte Derivategeschäfte können damit nicht mehr direkt zwischen Banken und Geschäftspartnern abgewickelt werden. Zu diesen bestimmten Derivategeschäften zählen zunächst Interest Rate Swaps (IRS) und Credit Default Swaps.

Für alle nicht zentral abgewickelten Kontrakte gelten höhere Kapitalanforderungen (bilaterale Besicherungspflichten).

Durch die Umsetzung der EU-Verordnung soll der Handel mit Derivaten vor allem transparenter und letztlich sicherer werden.

Auswirkungen der Derivate-Regulierung

Für den Privatanleger ändert sich durch die Derivate-Regulierung zunächst nichts. Der Anleger kann weiterhin unbesorgt dem Derivatehandel an den regulären Börsen nachgehen.

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Auswirkungen hat die Derivate-Regulierung allerdings für die OTC-Händler. Diese müssen sich künftig in einem zentralen Transaktionsregister registrieren.

Profitieren werden von dieser Neuregelung voraussichtlich Abwicklungsstellen wie Clearinghäuser und Börsenbetreiber, die sich über zusätzliches Handelsvolumen freuen können.

Die Verlierer der Derivate-Regulierung werden auf Seiten der Banken, Vermögensverwalter und Hedge-Fonds gesehen.

Die Umstellung auf die zentrale Abwicklung kostet Geld, was zum Großteil von Banken und Vermögensverwaltern getragen werden wird.

Zudem dürften die Gewinnmargen für Banken beim Derivatehandel niedriger ausfallen. Finanzmarktexperten taxieren die Margeneinbußen auf 30 bis 40%.

Nach Angaben der Citigroup verdienten Banken im weltweiten Derivatehandel zuletzt rund 55 Mrd. US-$ jährlich. Insgesamt wird das weltweit umgesetzte Marktvolumen im Derivatehandel auf rund 700 Mrd. US-$ geschätzt.

Fazit: Was die Regulierung bedeutet

Was zunächst wie eine einfache Regulierung der Infrastruktur anmutet, ist in Wirklichkeit ein tiefer Eingriff in die Grundlagen der Geld-Steuerung innerhalb der Finanzwirtschaft.

Ob der Eingriff den Derivatehandel wirklich sicherer und transparenter macht, bleibt abzuwarten. Teurer wird es in jedem Fall für die Banken, welche die Hauptlast der neuen Derivate-Regulierung zu tragen haben.

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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands