Deutsche Bank Aktie: So schnell geht’s wohl nicht wieder bergauf

Ist die Deutsche Bank Aktie auf dem Weg aus dem Jammertal? Zumindest hängt das Geldhaus der Konkurrenz um Jahre hinterher. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Es ist wirklich schon lange her, dass die Aktie der Deutschen Bank so richtig Freude machte. Über 87,50 Euro war sie im Mai 2007 wert.

Dann der Absturz in der Finanzkrise auf 16 Euro, und nach ein paar Jahren Erholung auf mittlerem Niveau werden nun nicht mal mehr 10 Euro erreicht. Selbst in der mageren Zeit bis 1992 lag der Kurs der Deutsche Bank Aktie mit fast 12 Euro höher.

Noch „geraume Zeit schlechter als Mitbewerber“

Die Reihe schlechter Nachrichten reißt nicht ab. Dieser Tage wurde die Deutsche Bank auch noch von Standard & Poors in Sachen Kreditwürdigkeit auf BBB+ herabgestuft und gilt als „Problembank“. Die Margen im Zinsgeschäft werden damit noch niedriger. Daraufhin folgte eine indirekte Gewinnwarnung fürs zweite Quartal und ein offener Brief von Chef Christian Sewing an die Mitarbeiter, der die Lage beschreibt und die Potenziale betont.

Der Tenor „es kann eigentlich nur besser werden“ betrifft genauso die Aktionäre. Wer lange gelitten hat, würde jetzt zum falschen Zeitpunkt aussteigen. Seit Anfang Juni geht es vom historischen Tiefpunkt der Deutsche Bank Aktie mit 9,07 Euro wieder langsam bergauf.

Die schlechten Nachrichten sind bereits eingepreist. Der Vorstand selbst betonte, dass derzeit zwei Dinge zusammenkommen: Die wichtigen internationalen Großbanken haben schwächere Geschäfte angedeutet, die Branche schwächelt also. Und die Deutsche Bank befindet sich mitten in der Umbauphase.

Den zweiten Aspekt hatte auch Standard & Poor’s zur Begründung der Herabstufung aufgegriffen und auf die „schlechtere Profitabilität“ sowie „Umsetzungsrisiken“ verwiesen. Angeblich werde sich die Deutsche Bank „noch geraume Zeit schlechter entwickeln als die Mitbewerber“. Umgekehrt bedeutet dies: Danach kann’s wieder bergauf gehen. Das Potenzial der Bank selbst wurde nicht infrage gestellt.

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Was dies zu bestätigen scheint: Die Ratingagentur Fitch hatte es bei der bisherigen Bonität belassen. Sie setzt auf rasche und nachhaltige Veränderungen nach dem Ausscheiden von John Cryan. Vor dem Hintergrund ist auch die zaghafte Kurserholung zu verstehen.

Deutsche Bank Aktie: Schnäppchen mit überschaubarem Risiko?

Wie es aber wirtschaftlich weitergeht ist natürlich völlig offen. Die einen sehen die Deutsche Bank in einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale. Der Strategiewechsel der neuen Führung mit dem Abstoßen des Investmentbankings könne wenig daran ändern, dass das Geldhaus der Konkurrenz um Jahre hinterherhinkt. In anderen Worten: Die Deutsche Bank scheint den Wettlauf gegen die Zeit nicht zu schaffen.

Die weniger pessimistischen Analysten sehen zumindest ein Ende der langjährigen Verlustphase. Im diesem Jahr wird der Gewinn auf 1,2 Mrd. Euro geschätzt, für 2019 auf 2,2 Mrd. Euro und 2020 könnten es 3 Milliarden werden. Und spätestens bei einer Dividende von 0,40 Euro wären die Anleger einigermaßen versöhnt.

Die Deutsche Bank wird nicht untergehen. Dafür sind schon die Geldreserven in Höhe von 279 Mrd. Euro zu hoch. Doch dann sind da wieder die über 800 Mrd. Euro, die der Stellenabbau allein im Investmentbanking kostet. Der Weg zu mehr Profitabilität könnte sich ausgesprochen holprig gestalten.

Je mehr positive Nachrichten aus Frankfurt kommen, desto leichter. Wer darauf setzt, für den ist die Deutsche Bank Aktie derzeit ein Schnäppchen. Aber natürlich nicht ohne Risiko, dass es bei schlechten Nachrichten theoretisch auch noch weiter bergab gehen könnte.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.