Deutsche Bank-Aktie: Weg zu alter Stärke ist noch weit

Die Zinsen in den USA kommen langsam voran, die deutschen Kreditinstitute mit ihren Rundum-Erneuerungen ebenso – das Umfeld der Banken hat sich aufgehellt. Während sich der Kursauftrieb der Commerzbank zum Teil mit Übernahmephantasien durch BNP Paribas oder UniCredit erklärt, ist er bei der Aktie der Deutschen Bank mit 26,45 % auf Jahressicht wesentlich moderater ausgefallen.

Deutsche Bank-Aktie erfordert Geduld

Mit gut 14 € liegt der Kurs immer noch auf halber Strecke zu den Werten zwischen 2011 und 2015. Dabei sind auch die fast 30 € kein Vergleich zur alten Größe vor der Finanzkrise. Damals kostete die Deutsche Bank-Aktie gut 80 €. In jüngster Zeit jedenfalls musste sich die Bank nach Megaverlusten, Milliardenabschreibungen und verlorenen Marktanteilen quasi neu erfinden. Allein der Konzernumbau kostet rund 10 Mrd. €.

Allerdings lief es dieses Jahr auch im zweiten Quartal nicht berauschend. Es gab abermals deutliche Verluste bei Marktanteilen im Investmentbank-Kerngeschäft. Die Deutsche Bank-Aktie gab leicht nach. Der Markt wartete auf die Zahlen des dritten Quartals. Und die sorgten für gewisse Erleichterung. Zwar war das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwas schlechter, aber besser als befürchtet.

Das Vorsteuerergebnis ist um 51 % auf 933 Mio. € gestiegen. Nach Steuern hat sich der Überschuss mehr als verdoppelt, auf 649 Mio. €. In den ersten neun Monaten hat die Bank damit 2,6 Mrd. € vor Steuern verdient, ein Plus von 64 %. Nach Steuern betrug das Ergebnis 1,6 Mrd. € und hat sich damit mehr als verdreifacht.

Die Kosten sind spürbar zurückgegangen, die Zahl der Mitarbeiter sank um 4.000 gegenüber 2016. Das Investmentbank-Geschäft war leicht rückläufig, der Bereich Asset Management auf gleichem Niveau und das Kundengeschäft lief besser. Insgesamt lagen die Erträge in den ersten neun Monaten mit 20,7 Mrd. € rund 10 % unter denen des Vorjahres.

Neuer Ärger kündigt sich an

Dafür konnte man sich in den USA auf einen weiteren Vergleich einigen: Mit der Zahlung von 220 Mio. US-$  ist ein Streit mit 44 Bundesstaaten um Schadensersatz wegen Manipulationen des Liborzinssatzes beendet.

Jetzt gilt es Marktanteile zurück zu gewinnen. Die Entscheidung vom Jahresbeginn, die Postbank nun doch nicht zu verkaufen, wurde dieser Tage durch eine kräftige Gewinnsteigerung der gelben Marke bestätigt. Allerdings kostet die Integration ins eigene Privatkundengeschäft nochmals 1,9 Mrd. €.

Doch auch hier gibt es Ärger. Es geht um Nachzahlungsansprüche ehemaliger Postbank-Aktionäre, die 2010 auf das freiwillige Übernahmeangebot der Deutschen Bank eingegangen waren. Ihr Anspruch in Höhe von 32,25 € je Aktie wurde jetzt vom Landgericht Köln bestätigt. Insgesamt droht der Deutschen Bank nun eine weitere Belastung von bis zu 3 Mrd. €. Das Milliardenfiasko ist für die krisengeplagte Bank ein erneuter Schlag ins Kontor.

Und als wäre das nicht genug, ziehen die nächsten dunklen Wolken auf: Die Enthüllungen der „Paradise Papers“ zu zweifelhaften Finanzpraktiken haben auch Deutschlands größtes Finanzhaus erreicht. Der Vorwurf: Die Tochter Postbank nähme Geld für unerlaubte Glücksspiele von Offshore-Anbietern entgegen. Ob dies zudem den Tatbestand der Beihilfe zur Geldwäsche erfüllt, muss aber noch geklärt werden. Dennoch sind solche Nachrichten keine Kurstreiber für die Deutsche Bank-Aktie.

Historisch niedrige Bilanzsumme

Die Deutsche Bank ist auf gutem Weg aber noch nicht in trockenen Tüchern. Die Bilanzsumme ist mit 1,521 Bio. € im dritten Quartal auf historisch niedrigem Stand. Das ist zwar fast die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts, doch schlechter als die der meisten anderen Großbanken. Wenigstens hat die letzte Kapitalerhöhung von 8 Mrd. € das Pleiterisiko deutlich gesenkt.

Altaktionäre mussten dabei mit dem Erwerb der jungen Aktien leider weiteres Geld ins Unternehmen pumpen, um ihren Anteil zu halten. Dabei haben sie auf zehn Jahre gesehen ohnehin schon einen Verlust von über 75 %. Das sind Minus 12,9 % im Jahr.

Bleibt zu hoffen, dass der neue Chefjustiziar Florian Drinhausen ab Januar die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, die noch anhängen, zügig und erfolgreich abarbeitet. Beispielsweise hat sich die Deutsche Bank in der Geldwäscheaffäre in Russland mit dem US-Justizministerium immer noch nicht geeinigt. Was fehlt ist der nötige Schwung im operativen Geschäft.

9. November 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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