Deutschland: Liebe zu Tagesgeld und Sparbuch ungebrochen

Deutsche Privatanleger sind vor allem eins – konsequent. Manche würden es auch als stur bezeichnen: Angesichts der herrschenden Niedrigzinsphase eher auf Sparbuch und Tagesgeld zu setzen und die nachweislich höheren Renditen einer Geldanlage in Aktien, Fonds oder ETFs zu verzichten. Dass die Investoren dabei aufgrund der Lage extrem unzufrieden sind, macht die Sache nur noch unverständlicher.

In einer Studie des Marktforschungsinstituts TNS Infratest gaben 77 % der Befragten an, auch heute noch ihr Vermögen als Sparguthaben angelegt zu haben. Dabei kommt es der Mehrzahl der Anleger anstatt auf eine zufriedenstellende Rendite mehr auf Sicherheit und ständige Verfügbarkeit an. Von dem Ergebnis der Untersuchung zeigten sich selbst Finanzexperten überrascht.

Bei deutschen Sparern haben Sparbuch und Tagesgeld die besten Karten

Wer heutzutage mit einer Anlageform wie Sparbuch, Fest- oder Tagesgeld mehr als 1 % Rendite erzielt, kann sich glücklich schätzen. Dabei reicht das bei Weitem noch nicht, die Inflation auszugleichen. Immerhin beläuft sich diese im Jahr 2017 geschätzt bei knapp 2 %. So wird auf jeden Fall deutlich: Deutsche Sparer verlieren derzeit mit ihren Investitionen bares Geld.

Dessen sind sich viele durchaus bewusst. 65 % aller Teilnehmer der Umfrage äußerten sich sogar dahingehend, dass sie erst in 3 bis 5 Jahren oder noch später deutlich höhere Zinsen erwarteten. Nur wenige gingen von höheren Zinsen innerhalb eines Jahres aus. Umso überraschender ist, dass gegenüber den knapp 80 % der Befragten ihr Geld in Sparguthaben nur 25 % Aktien und Aktienfonds angelegt zu haben. 12 % investierten ihr Kapital in Anleihen und Rentenfonds, 19 % in Immobilien und entsprechende Fonds.

Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer (60 %) gaben an, dass sie sich bei ihren Investments auf eine einzige Anlageform verließen. Nur 40 % streuten ihr Vermögen und verteilten ihr Vermögen auf 2 oder mehr Investitionsformen.

Aktien und Fondsanleger sind mehrheitlich zufriedener

Während etwa 60 % aller Sparer mit ihren Renditen unzufrieden zeigten, äußerten sich knapp 70 % der Aktien- und Fondsanleger im Hinblick auf die erzielten Renditen sehr oder eher zufrieden. Auch wenn zahlreiche deutsche Sparer entgegen besseren Wissens offenbar nicht von einem Investment in Aktien und entsprechende Fonds zu bekehren sind, haben viele Aktienanleger in der jüngeren Zeit ihre Engagements erhöht.

Wichtigste Kriterien für die Anlageentscheidung seien dabei Empfehlungen von Beratern und die zurückliegende Entwicklung einer Aktie oder eines Fonds. Das Festhalten der Anleger an althergebrachten Sparformen ist kaum zu erklären. Durch das Ignorieren besserer Chancen bei Investments wie Aktien oder Aktienfonds entgehen deutschen Anlegern anders als in Ländern wie beispielsweise den USA jedes Jahr viele Milliarden Euro.

11. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt