Die 10 höchsten EU-Strafen bei Wettbewerbsverstößen

Hunderte Millionen Euro Strafe mussten viele Unternehmen schon dafür bezahlen, gegen Wettbewerbsrichtlinien verstoßen zu haben. Am härtesten traf es 2017 Google. (Foto: lightpoet / shutterstock.com)

Die EU hat Google im Juni 2017 zu einer Strafzahlung von 2,42 Mrd. € verdonnert, wegen angeblicher Wettbewerbsverstöße im Bereich Online-Shopping. 2018 muss Google schon wesentlich mehr zahlen: 4,34 Mrd. €.

Die bis dahin verhängten Strafen bewegten sich deutlich unter diesem Betrag, selbst die 10 höchsten jemals verordneten (Quelle: Statista.de) reichen nicht ansatzweise an die Summe heran, die Google erwarten könnte.

10. ThyssenKrupp, Otis, Schindler, Kone, Mitsubishi (2007) 992 Mio €

Wegen Preisabsprachen im Fahrstuhlgeschäft wurde im Jahr 2007 eine Strafe von 992 Mio €. verhängt. Effektiv bezahlen musste ThyssenKrupp zum Beispiel am Ende nur 319 Mio. € von 480 Mio. €, allerdings wollten verschiedene Kunden auch noch Schadensersatzansprüche geltend machen.

9. Qualcomm (2018) 997 Mio. €

Zur Strafe von 997 Mio. € wurde Qualcomm wegen Missbrauchs einer marktführenden Stellung. Laut der Europäischen Kommission hat das Unternehmen Milliarden US-Dollar an Apple gezahlt, sodass Apple exklusiv bei Qualcomm bleiben wurde. Die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte, dass seine Konkurrenten dadurch mehr als 5 Jahre lang vom Markt ausgeschlossen wurden.

8. Intel (2009), 1,06 Mrd. €

Aufgrund des Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung hatte die EU Intel im Jahr 2009 zu einer – bis dato – Rekordstrafzahlung von 1,06 Mrd. € verpflichtet. Jahrelang habe der Konzern Rabatte für Computerproduzenten nur dann gegeben, wenn diese keine oder fast keine Bauteile von Konkurrenzanbietern bezögen.

7. E.ON, Gaz de France (2009) 1,1 Mrd. €

Die beiden Unternehmen mussten genau die Hälfte (553 Mio. €) bezahlen. Der Europäischen Komission zufolge, hatten E.ON und Gaz de France seit Jahrzehnten eine Marktaufteilungsvereibarung, die gegen das Wettbewerbsrecht verstieß.

6. Saint-Gobain, Pilkington, Asahi Glass, Soliver (2008) 1,35 Mrd. €

Die Europäische Kommission hat Beweise dafür gefunden, dass die Konzerne Marktanteile, laufende Lieferverträge und auch andere vertrauliche Informationen besprochen haben. Asahi Glass bekam eine Ermäßigung von 50%, weil das Unternehmen die Ermittlung unterstützt hatte. Am meisten betroffen wurde Saint-Gobain. Das Unternehmen verstieß nicht das erste Mal gegen das Kartellrecht und wurde zur Strafe von 880 Mio. € verpflichtet.

5. Philips, LG Electronics, Panasonic, Samsung SDI, Thomson, Toshiba, MTPD, Chunghwa (2013) 1,47 Mrd. €

Chunghwa war das einzige Unternehmen in diesem Fall, das von der Strafe erlasst wurde, weil es die Komission über den Kartell als erstes informiert hat. Andere Beteiligten wurden zur Geldbuße von bis zu 313 Mio. € verpflichtet. Laut der Europäischen Komission zu der Praktiken dieses Kartells gehören Preisabsprachen und Marktaufteilung (nach Kunden, Kapazität, usw).

4. Deutsche Bank, Société Générale, Royal Bank of Scotland, JPMorgan, Citigroup, RP Martin, Barclays, UBS (2013) 1,49 Mrd. €

Die Konzerne haben laut der Europäischen Kommission Zinsenkartell gebildet und daran bis zu 32 Monaten teilgenommen. Deutsche Bank musste am meisten bezahlen und zwar ungefähr 466 Mio. € . Barclays wurde wegen der Kooperation die Strafe für ihre Beteiligung vollständig erlassen, was der Bank andernfalls etwa 690 Mio. € gekostet hätte.

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3. Google (2017) 2,42 Mrd. €

Der Fall von Google hat 2017 Schlagzeilen gemacht, als das Unternehmen wegen der Bevorzugung von Google Shopping verurteilt wurde. Die Strafe von 2,42 Mrd. € war die höchste Strafe für Wettbewerbsverstoß. Leider, war das nicht das letzte Mal, dass Google im Zusammenhang mit hohen Strafen auf sich aufmerksam machte.

2. Daimler, DAF, Renault/Volvo, Iveco, MAN (2016) 2,93 Mrd. €

Den Unternehmen wurde vorgeworfen, ein LkW-Kartell zu bilden und die Preise untereinander abzusprechen. Der Wettbewerbsverstoß kostete 2,93 Mrd. € für alle, aber ungefähr ein Drittel hat Daimler alleine bezahlt.

1. Google (2018) 4,34 Mrd. 

Wieder steht Google auf Platz 1 dieser Liste steht. Die Europäische Kommission präsentierte eine Reihe von Verstößen bei Google gefunden: Vorinstallation, illegale Kopplung der Google-Suche und Browser-Apps, Behinderung der Entwicklung konkurrierender Android-Systeme. Die Kommission prüft auch gerade, ob Google den Beschluss 2017 eingehalten hat.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.