Die 10 höchsten EU-Strafen bei Wettbewerbsverstößen

Die EU hat Google im Juni 2017 zu einer Strafzahlung von 2,42 Mrd. € verdonnert, wegen angeblicher Wettbewerbsverstöße im Bereich Online-Shopping. Bis das Verfahren ausgestanden und die Strafe tatsächlich fällig ist, wird es dauern, diese Summe wäre aber die höchste, jemals verhängte Strafe der EU bei Wettbewerbsverstößen.

Die bis dahin verhängten Strafen bewegten sich deutlich unter diesem Betrag, selbst die 10 höchsten jemals verordneten (Quelle: Statista.de) reichen nicht ansatzweise an die Summe heran, die Google erwarten könnte.

10. Lafarge (2002), 250 Mio. €

Der französische Baustoff-Hersteller Lafarge war der größte Konzern, der sich an einem Gipsplattenkartell beteiligt hat und zusammen mit anderen Herstellern wie zum Beispiel HeidelbergCement Preise abgesprochen hat. 250 Mio. € Strafe musste Lafarge im Jahr 2002 zahlen, die Strafen der anderen Beteiligten Firmen fielen niedriger aus.

9. ENI SPA (2103), 272 Mio. €

Die italienische Firma ENI SPA musste im Jahr 2013 eine Strafe von 272 Mio. € für die Beteiligung an Preisabsprachen mit anderen Chloropen-Kautschuk-Herstellern. Auch Bayer und DuPont waren Teil des Kartells und wurden mit Strafen versehen.

8. Sasol Limited (2008), 318 Mio. €

Südafrikas zweitgrößtes Industrieunternehmen Sasol war zwischen 1992 und 2005 Anführer des sogenannten Wachskartells. Das Wachskartell, bestehend aus 10 Unternehmen, hatte in diesem Zeitraum die Preise von Paraffinwachs in Europa abgestimmt. Sasol galt als der Anführer dieser Preisabsprachen und die verhängte Strafe sollte eigentlich doppelt so hoch ausfallen, wurde dann aber auf 318 Mio. € reduziert, da Sasol der Kommission wichtige Informationen über das Kartell gab.

7. Pilkington (2008), 370 Mio. €

Der britische Autoglas-Hersteller Pilkington musste 2008 eine Kartellstrafe von 370 Mio. € bezahlen. Drei weitere internationale Hersteller waren ebenfalls in die Absprachen verwickelt, die Hersteller teilten Märkte und Abnehmer auf und berieten sich über die Festsetzung von Preisen.

6. Siemens (2013), 397 Mio. €

Nachdem die Berufung abgewiesen wurde, war es 2013 dann offiziell. Siemens musste knapp 400 Mio. € Strafe bezahlen, wegen der Bildung eines Kartells für gasisolierte Schaltanlagen, zusammen mit noch zehn anderen Unternehmen. Der Vorwurf lautete, Ende der 80er Jahre in diesem Segment sowohl Preise abgesprochen als auch Aufträge aufgeteilt zu haben.

5. Hoffmann-La Roche (2001), 462 Mio. €

Illegale Absprachen auf dem Markt für Vitaminprodukte führten 2001 zu  einer Strafe von 462 Mio. € für den Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche. Auch weitere Firmen wie die BASF oder Merck KGaA traf es in diesem Zusammenhang, Hoffmann-La Roche wurde als Anstifter der Absprachen gesehen, weshalb sie das höchste Bußgeld verhängt bekamen.

4. ThyssenKrupp (2007), 480 Mio. €

Wegen Preisabsprachen im Fahrstuhlgeschäft wurde im Jahr 2007 eine Strafe von 480 Mio €. Verhängt. Effektiv bezahlen musste ThyssenKrupp am Ende nur 319 Mio. €, allerdings wollten verschiedene Kunden auch noch Schadensersatzansprüche geltend machen.

3. Saint Gobain (2008), 896 Mio. €

Auch der französische Autoglas-Hersteller Saint Gobain wurde im Jahr 2008 von der EU für illegale Preisabsprachen abgestraft, wie auch Pilkington (Platz 7 in diesem Ranking). Insgesamt wurde an alle vier beteiligten Hersteller ein Strafgeld von 1,38 Mrd. € verhängt, den Löwenanteil zahlte Saint Gobain.

2. Microsoft (2007), 899 Mio. €

Der Soft- und Hardwareriese hat bis Oktober 2007 Lizenzgebühren für technische Informationen erhoben, die nicht gerechtfertigt waren. Der Verstoß gegen frühere Auflagen der EU aus dem Jahr 2004 kostete Microsoft fast 900 Mio. € Strafe. Auch schon in den Vorjahren machte Microsoft immer wieder mit Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht der EU von sich reden und bezahlte auch schon vor der Strafe von 899 Mio. € rund 778 Mio. € an Bußgeldern an die EU.

1. Intel (2009), 1,06 Mrd. €

Aufgrund des Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung hatte die EU Intel im Jahr 2009 zu einer – bis dato – Rekordstrafzahlung von 1,06 Mrd. € verpflichtet. Jahrelang habe der Konzern Rabatte für Computerproduzenten nur dann gegeben, wenn diese keine oder fast keine Bauteile von Konkurrenzanbietern bezögen.

21. August 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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